![]() Deckblatt der Publikation "De stella nova in pede Serpentarii" von Johannes Kepler aus dem Jahre 1606. (Fotos: Institut für Astronomie) ![]() Illustration aus Keplers Originalmanuskript. Die Position der Supernova gibt Kepler im Fuße des Sternbilds des "Schlangenträgers" an. Institut für Astronomie Artikel "Supernova nahe unseres Sonnensystems nachgewiesen" Artikel "Symposion: 'Astronomische Erkenntnisse als Basis unserer Kultur'" Monatsschrift "Der Sternenbote" |
400 Jahre Kepler'sche Supernova |
| Forschungsprojekte |
| Roland Dreger (Redaktion) am 18. Oktober 2004 |
Es funkelt "als wie ein köstlicher Diamant von vielen eckhen", hielt Johannes Kepler in den Abendstunden des 17. Oktober 1604 fest. Was hatte vor genau 400 Jahren den berühmten Mathematiker und Astronomen am Sternenhimmel derart ins Staunen versetzt? Eine gewaltige Sternenexplosion, eine so genannte Supernova. |
Das Originalmanuskript, in dem Kepler das damals noch unbekannte Himmelsspektakel beschrieb, befindet sich heute am Institut für Astronomie der Universität Wien. Ao. Univ.-Prof. Dr. Hans Michael Maitzen, Mitarbeiter des Instituts, und sein Kollege Dr. Thomas Posch haben sich auf die Spurensuche dieser bedeutsamen Entdeckung begeben und berichten darüber in der aktuellen Ausgabe der österreichischen astronomischen Monatsschrift "Der Sternenbote". Entdeckung im "Schlangenträger" Genau genommen war es nicht Kepler, sondern Johannes Brunowsky, ein Beamter am Prager Hof, der die Supernova als Erster ausmachen konnte. Am Abend des 10. Oktober 1604 erblickte er im Sternbild des Schlangenträgers einen bislang unbekannten und auffallend hellen Stern. Gleich am nächsten Tag berichtete Brunowsky Kepler von seiner rätselhaften Beobachtung. Aufgrund schlechter Wetterbedingungen gelang diesem jedoch erst sechs Tage später, die Sichtung zu bestätigen. Und doch, so betont Posch, "Kepler hat sich der Sache angenommen und als Erster eine ausführliche Beschreibung dazu geliefert." Funkelnder neuer Stern Keplers erste Schrift zu dieser Himmelserscheinung, "Gründtlicher Bericht Von einem ungewöhnlichen Newen Stern", stammt noch aus demselben Jahr. Zwei Jahre später, 1606 folgte die ausführlichere Publikation: "De stella nova in pede Serpentarii". In den beiden Werken hielt der Astronom fest, dass das Licht heller als alle anderen Sterne und Planeten leuchtete, in allen Farben funkelte und etwa ein Jahr lang mit freiem Auge zu erspähen war. Es sollte bis heute die letzte Supernova-Explosion sein, die in unserer Galaxie beobachtet werden konnten. Unveränderlichkeit der Welt Bedeutung kommt den Beschreibungen allerdings noch aus einem andern Grund zu. Kepler konnte zeigen, dass die plötzlich aufgetretene Erscheinung sehr viel weiter von der Erde entfernt war als der Mond. Nach dem damals vorherrschenden aristotelischen Weltbild galt die göttliche Himmelsphäre als ewig unabänderlich. Durch Keplers Beobachtungen wurde so das erste Mal die Vorstellung von der Unveränderlichkeit der Welt "unter dem Monde" widerlegt. Noch heute Quelle von Radiostrahlung Bei der Erklärung der Erscheinung ging Kepler davon aus, dass es sich dabei um eine neu entstandene Zusammenballung von Himmelsmaterie handle, und war damit fortschrittlicher als die meisten seiner Zeitgenossen. Er schwankte aber, ob er ihr ein inneres Licht oder eher nur die Reflexion von Sonnenlicht zuschreiben solle. Wie man heute weiß, sind Supernovae relativ seltene und gewaltige Sternenexplosionen am Ende des Lebens eines massereichen Sterns. Die Kepler'sche Supernova ist noch heute eine Quelle von Radiostrahlung. Funkeln, ein rein irdisches Phänomen Für das Universum haben diese kosmischen Katastrophen eine enorme Bedeutung. Sie sind die wichtigste "Fabrik" schwerer chemischer Elemente im Kosmos. Auch ein bedeutender Teil unserer irdischen Materie stammt aus Supernova-Explosionen vor der Entstehung unseres Sonnensystems. Das auffallende Funkeln, das Kepler beschrieb, stammte allerdings nicht von der Supernova selbst, sondern von der Brechung der Lichtstrahlen in der bewegten Erdatmosphäre. "Die Supernova war damals in der Abenddämmerung von Prag aus gesehen nur ungefähr zehn Grad über dem Horizont - also sehr tief", weiß Thomas Posch. "Dort musste es funkeln, da das Licht eine sehr lange Weglänge durch die Atmosphäre durchschreit."(ro) Neben den Originalmanuskripten von Johannes Kepler befinden sich zahlreiche weitere, historisch äußerst wertvolle Bücher und Manuskripte im Archiv des Instituts für Astronomie. In Form eines Sammelbandes soll der historische Buchbestand in den nächsten Jahren erfasst und somit auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Der erste Band (15., 16. und 17. Jahrhundert) ist für Mitte 2005 geplant. |


