Sechs WissenschafterInnen der Universität Wien erhielten am 4. Juli 2007 einen Preis der Bank Austria Creditanstalt. Alvin Krauss, Leiter des Vorstandssekretariates der Bank Austria Creditanstalt AG, überreichte Preise für vier innovative Forschungsprojekte und zwei innovative Projekte in der Lehre. Die Hauptpreise gingen an den Physiker Franz Embacher (Lehre) und den Zoologen Janek von Byern (Forschung). |
Nach Begrüßungsworten von Vizerektor Johann Jurenitsch hielt Dr. Alvin Krauss, Leiter des Vorstandssekretariates der Bank Austria Creditanstalt AG, eine Ansprache und verlieh im Senatssitzungssaal im Hauptgebäude der Universität Wien zwei Hauptpreise (je 5.000 Euro) und vier Anerkennungspreise (zwei zu je 2.500 Euro, zwei zu je 1.000 Euro) für innovative Forschungs- bzw. Lehrprojekte. Anschließend stellten vier der sechs PreisträgerInnen ihre prämierten Projekte vor.
Lehre: "eLearnPhysik" und mathematisches Grundwissen
In der Kategorie Lehre wurden zwei Preise verliehen. Den mit 5.000 Euro dotierten Hauptpreis erhielt Univ.-Prof. Dr. Franz Embacher von der Fakultät für Physik für das Projekt "eLearnPhysik", in dessen Rahmen eine fakultäre E-Learning-Strategie entwickelt, getestet und implementiert werden soll (2006–2008). Das Ziel besteht in der umfassenden und langfristigen Integration von Elementen des E-Learning (blended learning) in die fakultäre Lehre. Im Zentrum stehen die Erarbeitung und die Erprobung konkreter Lehr-/Lernszenarien und der Aufbau eines Materialien-Angebots für Lehrende und Studierende. In der ersten Phase im Wintersemester 2006/07 kamen verschiedene Lehr-/Lernszenarien (wie Bereitstellen von Materialien, Computeralgebra, Kommunikation in Foren) in 13 Lehrveranstaltungen zum Einsatz.
Den Anerkennungspreis (2.500 Euro) erhielt Mag. Florian Wisser von der Fakultät für Mathematik für sein Projekt "Grundwissen in Mathematik". Das sehr unterschiedliche Niveau der Mathematikausbildung in der Schule stellt für die Studierenden und die Lehrenden in den ersten Semestern ein großes Problem dar. Das Projekt "Grundwissen in Mathematik" ermöglicht den Studierenden durch Online-Selbsttests das selbstständige und begleitete Aufarbeiten des nötigen Schulstoffs; durch das Projekt soll die Drop-Out-Rate gesenkt werden.
Forschung: natürliche Kleber, probiotische Joghurts ...
Dipl.-Biol. Janek von Byern vom Department for Cell Imaging and Ultrastructure erhält den Hauptpreis (5.000 Euro) für seine Forschung zu "Adhäsiven Mechanismen in Cephalopoden". Es besteht ein fortwährender Bedarf an klebenden Substanzen, die vor allem in der Wundheilung als auch für die Haftung medizinischer oder dentaler Implantate ins Gewebe eingesetzt werden können. Neben synthetischen und natürlichen medizinischen Kleber, die zurzeit in der Medizin verwendet werden, ist die Entwicklung von neuen spezifischen adhäsiven Polymeren aus natürlichen Klebstoffen ein wichtiger Aspekt für die Werkstoffforschung. Vier Gattungen von Tintenfischen setzen lokal im Mantel oder den Tentakeln Klebstoffe zum Beutefang oder Tarnung ein. Das Ziel des Projektes ist die ultrastrukturelle und histochemische Charakterisierung des Haftorgans bei der Gattung Idiosepius und eine biochemischen Analyse der Klebstoffbestandteile. Die Entwicklung eines biomimetischen haftenden Polymerklebstoffes, basierend auf dem adhäsiven Sekret von Tintenfischen, soll neue Anwendungsmöglichkeiten bei der Haftung unter Wasser ermöglichen.
Ein Anerkennungspreis, der mit 2.500 Euro dotiert ist, geht an Dr. Elisabeth Fabian vom Department für Ernährungswissenschaften. Sie forscht zum "Einfluss eines probiotischen Milchprodukts auf das Lipidprofil, die oxidative und antioxidative Kapazität sowie den Status an fettlöslichen Vitaminen bei gesunden erwachsenen Frauen". Probiotische Keime besitzen eine Vielfalt an gesundheitsrelevanten Eigenschaften für den Menschen. In der durchgeführten Studie wurde unter anderem untersucht, ob Probiotica eine immunstimulierende und somit radikalgenerierende Wirkung haben und ob es eine ernährungsphysiologisch relevante Beziehung zwischen den aufgenommenen Keimen und dem Status an fettlöslichen Vitaminen gibt. Sowohl in der Versuchsgruppe, die probiotisches Joghurt aß, als auch in der in der Gruppe, die herkömmliches Joghurt verzehrte, wurden beispielsweise signifikant positive Veränderungen der durchschnittlichen Konzentrationen an Gesamt-, HDL- and LDL-Cholesterol verzeichnet - zwischen den beiden Gruppen konnten jedoch keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden. Alle gemessenen Veränderungen sind wahrscheinlich auf den regelmäßigen Konsum von Joghurt und nicht speziell auf den Verzehr eines Probioticums zurückzuführen, so Elisabeth Fabian.
Lesen Sie mehr: "Joghurt: Probiotisches Joghurt ist gut für den Cholesterin-Stoffwechsel" (April 2006)
... Brunnenfaden und biomedizinische Tests im Hühnerei
Ein weiterer Anerkennungspreis (1.000 Euro) geht an Dipl.-Biol. Kilian Stöcker vom Department für Mikrobielle Ökologie für das Projekt "Der Brunnenfaden: ein äußerst ungewöhnlicher Methanoxidierer". Bereits 1870 beschrieb Ferdinand Cohn bei der mikroskopischen Untersuchung von Brunnenwasser einen auffälligen, fadenförmigen Mikroorganismus, den er Crenothrix polyspora nannte. Dieses bislang noch nicht kultivierbare Bakterium vollführt einen komplexen Lebenszyklus und kann aufgrund seiner Morphologie Probleme bei der Trinkwasseraufbereitung verursachen. Vor allem das zum Teil massenhafte Auftreten des Brunnenfadens kann zu Verstopfungen ganzer Filteranlagen führen, ohne dass bisher die Ursache für diese Massenvermehrung C. polysporas bekannt war. Mit Hilfe molekularbiologischer Verfahren konnte nun gezeigt werden, dass C. polyspora aerob Methan oxidieren kann und hierfür ein ungewöhnliches Enzym verwendet.
Lesen Sie mehr: "Brunnenfaden: Trinkwasserbakterium lebt von Treibhausgas" (Februar 2006)
Ebenfalls einen Anerkennungspreis von 1.000 Euro erhielt DDr. Claudia Eder vom Department für theoretische Biologie. Sie forscht zu "Biokompatibilitätstestung von Medizinprodukten mittels HET-CAM Assay". Nach der herrschenden Gesetzeslage können neu entwickelte biomedizinische Implantate ohne vorherige Toxizitäts- oder Biokompatibilitätsprüfung direkt im Tierversuch getestet werden. Die Chorionallantois (CAM), eine extraembryonale Membran im befruchteten Hühnerei, repräsentiert ein System, an dem die Transplantation von Biomaterialien in lebendem Gewebe - schon vor dem Tierexperiment - simuliert werden kann. Die Zahl der benötigten Versuchstiere sowie ihre Belastung durch nicht gewebeverträgliche Implantate könnte durch den Einsatz bebrüteter Hühnereier als routinemäßiger Vorstufe zum Tierversuch verringert werden. (mh) |