Logo der Uni Wien
Logo der Uni Wien

Archiv der Online-Zeitung

Archiv der Online-Zeitung der Universität Wien
  •   Home
  •   Forschung
  •   Wissenschaft &     Gesellschaft
  •   Studium & Lehre
  •   Professuren
  •   Personalia
  •   Service
  •   Dossiers
  •   UniBlicke



Europas "Aussichtswarte" ins All Die Europäische Südsternwarte (ESO ? European Southern Observatory) in Chile, der Österreich nun beitreten wird, wurde 1962 in Paris gegründet und hat sich zur weltweit führenden zwischenstaatlichen Astronomie-Organisation entwickelt. Durch ein gemeinsames europäisches Observatorium sollte der Dominanz der USA in der Astronomie entgegengewirkt werden. Derzeit gibt es 13 ESO-Mitglieder, Österreich wird das 14. Mitglied. Das Hauptquartier der ESO, die rund 600 Mitarbeiter beschäftigt, liegt in Garching bei München. Das erste Observatorium wurde 1969 auf dem Cerro La Silla, einem extrem trockenen Gebiet rund 600 Kilometer nördlich der chilenischen Hauptstadt Santiago, eröffnet. In fast 300 Nächten pro Jahr ist der Himmel über La Silla wolkenlos, es fällt wenig Niederschlag und die störenden atmosphärischen Turbulenzen sind gering. 1987 beschloss die ESO eine wesentliche Erweiterung und errichtete ein zweites Observatorium auf dem Cerro Paranal in 2.600 Metern noch weiter nördlich in der chilenischen Atacama-Wüste. Herzstück der 1998 in Betrieb genommenen Sternwarte ist das Very Large Telescope (VLT): VLT besteht aus vier Spiegelteleskopen mit jeweils 8,2-Meter-Spiegeln. Das Licht der vier Teleskope kann im VLT-Interferometer zusammengeführt werden, womit es zum weltweit größten "Fernrohr" wird. Neben zahlreichen Lichtteleskopen beherbergt die Einrichtung auch ein Radioteleskop für Mikrowellenstrahlung. Gemeinsam mit den USA baut die ESO derzeit das größte Radioteleskop der Welt "Atacama Large Millimeter Array" (ALMA). (APA) Festakt zum ESO-Beitritt
Astronomie: Österreich tritt ESO bei
Forschungspolitik
Redaktion am 24. April 2008

Durch den Beitritt Österreichs zu European Southern Observatory (ESO) wird die Forschung im Bereich Astronomie nachhaltig gesichert. Die Universität Wien begrüßt diesen Schritt; dadurch kann astronomische Forschung weiterhin auf hohem Niveau betrieben werden.

Wissenschaftsminister Johannes Hahn bezeichnete im Rahmen einer Pressekonferenz am Donnerstagvormittag die ESO-Mitgliedschaft als "die relevanteste forschungspolitische Entscheidung seit 20 Jahren", von der neben der Astronomie auch Astro- und Teilchenphysiker, Mathematiker und Software-SpezialistInnen profitieren werden.

"Mit dem ESO-Beitritt ist gesichert, dass die Universität Wien für international renommierte AstronomInnen attraktiv bleibt und Nachwuchsförderung nachhaltig betrieben werden kann", freuen sich Rektor Georg Winckler und Heinz W. Engl, Vizerektor für Forschung und Nachwuchsförderung in einer Aussendung. Die Universität Wien hat die Mitgliedschaft am ESO in ihrem Entwicklungsplan als wichtiges Ziel verankert.

Eintrittsgebühr und Know-how

Der Beitrittsvertrag sieht vor, dass 25 Prozent der Eintrittsgebühr in der Höhe von 24,1 Millionen Euro als sogenannte in-kind-Leistungen abgedient werden können. Das bedeutet, dass diese Summe nicht auf das ESO-Konto überwiesen wird, vielmehr liefert Österreich dafür High-tech, Software und Know-how. Der Rest der Eintrittsgebühr wird über einen Zeitraum von 15 Jahren abgezahlt, zusätzlich fällt ein jährlicher Mitgliedsbeitrag von drei Millionen Euro an.

Offizieller Beitritt in 6 Wochen

Mit dem Mitgliedsbeitrag kaufe sich Österreich gleichsam in die bereits vorhandene wissenschaftlich-technische Infrastruktur der ESO ein, erklärte ESO-Generaldirektor Tim de Zeeuw. Die Organisation sei so aufgebaut, dass die Mittel neu eingetretener Länder hauptsächlich in den weiteren Ausbau der Anlagen fließen. Offiziell abgesegnet ist der Eintritt Österreichs durch die ESO noch nicht, nun müsse das Council die Sache prüfen. De Zeeuw ließ allerdings keine Zweifel aufkommen, dass die Sache in rund sechs Wochen positiv über die Bühne gehen wird.

"Sternstunde der Astronomie"

Österreich hat bereits in der Vergangenheit an zahlreichen Projekten der ESO mitgearbeitet, wenngleich bisher als Trittbrettfahrer mit teils deutlich verzögertem Zugriff auf wissenschaftliche Daten und "an bodengebundenen Projekten eben nicht federführend", so Gerhard Hensler, Vorstand des Instituts für Astronomie der Universität Wien. So haben sich heimische AstronomInnen etwa einen Namen in der Astroseismologie gemacht; andere Projekte beschäftigten sich etwa mit Roten Riesensternen.

Gerhard Hensler spricht in Bezug auf die ESO-Mitgliedschaft von einer "Sternstunde der Astronomie". Mit dem Beitritt sei gesichert, dass die Uni Wien für international renommierte Astronomen attraktiv bleibt. "Der lang ersehnte Schritt Österreichs, Mitglied dieser Großforschungseinrichtung zu werden, macht uns zu gleichwertigen Partnern im europäischen Konzert der AstronomInnen und lässt uns an vorderster Forschungsfront mitwirken. Astronomie und Astrophysik sind nicht nur Grundlagenforschung par excellence, sie haben von jeher verwandte Fachgebiete wie Physik, Mathematik, Informatik, Chemie, Biologie, Technologie stimulierend beeinflusst."

Projekte, Zentren, Forschungsgruppen geplant


Zur Verstärkung der astronomischen Forschung wird die Universität Wien, bekräftigt durch den ESO-Beitritt, demnächst eine weitere Professur in diesem Fachbereich ausschreiben; neue Projekte seien nun ebenfalls in Vorbereitung, erklärte auch Josef Hron vom Institut für Astronomie.
Auch der Wiener Astronomie-Nachwuchs erhält durch die ESO-Mitgliedschaft eine neue wissenschaftliche Zukunftsperspektive: "ESO ist als größte astronomische Forschungseinrichtung auch internationaler Arbeitgeber für eine Vielzahl europäischer JungwissenschaftlerInnen. Durch ihr grundlegendes Astronomie-Studium mit Bachelor- und Master-Abschlüssen sind die Wiener StudentInnen breiter und besser in Astronomie ausgebildet als anderswo; Mathematik, Physik und weitere naturwissenschaftliche Fächer werden in neuen Curricula gezielt und verstärkt abverlangt", erklärt Hensler.

Die anderen beteiligten österreichischen Institutionen planen ebenfalls, beflügelt durch den ESO-Beitritt, einen Ausbau ihrer Tätigkeiten: Sabine Schindler, Leiterin des Institut für Astro- und Teilchenphysik der Universität Innsbruck, möchte die Astrophysik auf internationales Spitzenniveau bringen. Auch ein Zentrum für Astronphysik und Astronteilchenphysik sei geplant. Wolfgang Baumjohann, Leiter des Grazer Instituts für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), möchte etwa eine Nachwuchsgruppe im Bereich der Exoplanetenforschung aufbauen.

Auch der Österreichische Wissenschaftsrat begrüßte den Beitritt sehr. Die Entscheidung sei unumgänglich gewesen, um auch zukünftig exzellente Forschungsleistungen an allen drei universitären Standorten für Astronomie und Astrophysik bieten zu können. (APA/red)

Siehe auch: "Wissenschaftsrat empfiehlt ESO-Beitritt Österreichs" (September 2005)
"Österreich startet Beitrittsgespräche mit europäischer Südsternwarte" (April 2006)

<< zurück zur Übersicht
 
Impressum Druckversion
Universitat Wien | Dr.-Karl-Lueger-Ring 1 | 1010 Wien | T +43-1-4277-0