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Aufzuspüren: Österreichische Frauenbewegungen nach 1945
Forschungsprojekte
Gastbeitrag von Heidi Niederkofler am 19. Oktober 2004

Der Rede über Frauenbewegungen nach 1945 spürt ein Dissertationsprojekt am Institut für Geschichte der Universität Wien nach. Untersucht werden hierbei die Frauenorganisationen der politischen Parteien (SPÖ, ÖVP, KPÖ, VdU) sowie als parteiunabhängige Frauenorganisation der Bund österreichischer Frauenvereine. Anhand des Beispiels des Bundes Demokratischer Frauen Österreichs wird der Frage nachgegangen: Welche Erinnerungspraktiken gibt es innerhalb der Frauenorganisationen?

Die "Schaffung einer breiten, überparteilichen, demokratischen, fortschrittlichen Frauenbewegung" forderte Hella Postranecky, Vorsitzende des Zentralen Frauenkomitees der Kommunistischen Partei Österreichs, am 14. Parteitag im Jahr 1948. Wie ist diese Verbindung zwischen Frauenbewegung und Parteipolitik einzuordnen? Und was bedeutet sie für die Verwendung des Begriffs 'Frauenbewegung'? Um den KP-Parteitag herum hat sich der Bund Demokratischer Frauen Österreichs (BDFÖ) als eine der Kommunistischen Partei nahe stehende Frauenorganisation etabliert. Der Bund begriff sich laut Eigendefinition nicht als Frauenorganisation der KPÖ, sondern betonte seinen überparteilichen Anspruch, auch wenn es eine Reihe von Abhängigkeiten und Verpflichtungen gegenüber der Partei gab. 1948 ist für den Bund aber auch aus anderen Gründen erinnerungswert: In diesem Jahr erfolgte die Aufnahme in die Internationale Demokratische Frauenföderation (IDFF). Andere Version der Organisationsgeschichte Neben dieser in parteipolitischen und internationalen frauenbewegten Kontexten verorteten Geschichte des BDFÖ gibt es eine weitere. Eine kaum erinnerte oder festgehaltene und im parteiendominierten restaurativen Klima des Nachkriegsösterreichs weniger durchsetzungsmächtige Version. Der BDFÖ konstituierte sich im Juni 1946 auf Initiative eines illustren Proponentinnenkomitees: Die Gründung des BDFÖ ging von Frauen aus, von denen einzelne in frauenbewegten Kontexten in der Monarchie und in der Ersten Republik verortet waren. Als zentrale Anliegen wurden das Engagement für den Weltfrieden, der Kampf um Frauenrechte sowie Überparteilichkeit formuliert. Einen Anstoß zur Gründung des Bundes setzte auch die IDFF mit dem Aufruf zur Gründung von nationalen Komitees. Deutlich wird an diesen wenigen Worten über den BDFÖ, dass eine eindeutige und konsistente Charakterisierung des Bundes als Frauenbewegungs- oder Parteiorganisation schwer fällt. Das Einordnen entlang starrer Kategoriensysteme verstellt meiner Ansicht nach den Blick auf soziale Realitäten, die ambivalente und sich verändernde Position des Bundes ist so nicht erfassbar. Wieso wurde die im Parteikontext verortete Gründungsgeschichte von 1948 gegenüber jener von 1946 bevorzugt? Dominanz der politischen Parteien Die KPÖ baute nach 1945, wie die anderen politischen Parteien im Übrigen auch, eine Frauenorganisationsstruktur auf. Diese war wie vor dem Zweiten Weltkrieg in die Gesamtstruktur der KPÖ eingebunden und stellte keine gesonderte Organisation dar. Wie bereits in der Ersten Republik galten die politischen Parteien als politikmächtigste Institutionen. Die Parteiendominanz im Feld des Politischen bedeutete eine Beschränkung der Relevanz und Handlungsfähigkeit anderer AkteurInnen. Unter diesen Vorzeichen ist einerseits die Verdrängung von nicht-parteipolitischen Organisationen, wie nicht zuletzt auch dem BDFÖ, aus dem historisch-politischen Gedächtnis einzuordnen; andererseits hatte die Dominanz der politischen Parteien auch zur Folge, dass etwa soziale Bewegungen bis in die 1970er Jahre kaum eine Bedeutungsmacht erlangen konnten. Kommunismus vs. Frauenbewegung Die politische Polarisierung und Blockbildung im Zuge des Kalten Krieges wirkte sich über die IDFF auch auf den BDFÖ aus: Die IDFF wurde zusehends, nicht zuletzt auch aufgrund ihrer Aktivistinnen wie ihrer inhaltlichen Anliegen, ideologisch mit dem Kommunismus in Zusammenhang gebracht. Dies bewirkte eine Veränderung der Aktivistinnen des BDFÖ, verstärkt auch durch das Anliegen, der IDFF beizutreten: Frauen aus dem Umfeld frauenbewegter oder nicht-parteipolitischer Zusammenhänge zogen sich aus dem Bund zurück. Parallel dazu fand eine Bewegung der Annäherung zwischen KPÖ und BDFÖ statt: Der Bund erhielt starken Zulauf von Frauen aus dem KP-Umfeld, die KPÖ-Frauenstruktur wurde in den BDFÖ überführt und damit wurde der BDFÖ zur der KPÖ nahe stehenden Frauenorganisation. Der überparteiliche Anspruch des BDFÖ, der nicht zuletzt auch durch die politische Lagerbildung und das größere Mobilisierungspotential bedingt ist, kollidierte mit den konkreten Verflechtungen mit der KPÖ. Die Bindung an eine politische Partei bedeutete für den BDFÖ jedoch nicht das Ende der Selbstsetzung als "überparteiliche Frauenbewegung". Als solche ist sie von den ForscherInnen ernst zu nehmen und darüber hinaus gilt es mit ihr, dominante wie auch periphere Bedeutungsfelder des Begriffes 'Frauenbewegung' zu ergründen.   Mag.a Heidi Niederkofler, 2002 bis 2004 DOC-Stipendiatin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, schreibt an einer Dissertation am Institut für Geschichte (Univ.-Prof. Dr. Edith Saurer) bzw. Zeitgeschichte (ao. Univ.-Prof. Dr. Johanna Gehmacher). Arbeitstitel: "Erinnerungspraktiken und Nachfolgeansprüche in frauenbewegten Zusammenhängen am Beispiel der Frauenorganisationen der politischen Parteien und des Bundes Österreichischer Frauenvereine in Österreich nach 1945".  

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