![]() Faserbündel und Markstrahlen in der Rinde von Trichilia catigua - Longitudinalschnitt, 400fache Vergrößerung. (Fotos: S. Glasl) ![]() Strukturformel eines der Hauptinhaltstoffe der Rinde von Trichilia catigua (7-Exo-hydroxy-N-methyl-catuabin D) ![]() Die dünnschicht- chromatographische Überprüfung von verschiedenen Catuaba-Mustern unter UV-Licht zeigt die Heterogenität der im Handel erhältlichen Produkte. Institut für Pharmakognosie |
Baumrinde gegen schwindende Manneskraft? |
| Forschungsprojekte |
| Roland Dreger (Redaktion) am 22. Oktober 2004 |
Seit der Markteinführung von Viagra spricht man(n) offen darüber: die erektile Dysfunktion (Impotenz). Und seitdem steigt auch die Nachfrage nach pflanzlichen Alternativen zur blauen Potenzpille. Zwei dieser "Wundermittel" aus der Natur wurden am Institut für Pharmakognosie der Universität Wien näher unter die Lupe genommen. |
Dabei wurde der Frage nach den in den Präparaten enthaltenen Stammpflanzen sowie deren Inhaltsstoffen nachgegangen. Über die Ergebnisse zum pflanzlichen Potenzmittel Catuaba berichten die ForscherInnen nun in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Planta Medica. Ursprung in der Volksmedizin Catuaba-Präparate haben ihren Ursprung in der traditionellen brasilianischen Volksmedizin. Sie werden dort als Potenzmittel und Aphrodisiakum eingesetzt. "Der Begriff Catuaba steht in Südamerika jedoch für eine Reihe ganz unterschiedlicher Pflanzen, denen diese Wirkung nachgesagt wird", räumt Co-Autorin ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Sabine Glasl vom Institut für Pharmakognosie ein. Als eine der häufigsten Stammpflanzen in den untersuchten Zubereitungen konnten die Wiener PharmakognostInnen den Baum Trichilia catigua identifizierten, aus dessen Rinde im lateinamerikanischen Raum ein Teeaufguss zubereitet wird. Heterogene Zusammensetzung der Präparate In Zusammenarbeit mit dem Institut für Pharmazeutische Chemie und Technologie der Karl-Franzens-Universität Graz und dem Londoner Wolfson Institute for Biomedical Research untersuchten die Wiener ForscherInnen Extrakte aus der Rinde des Baumes sowie zahlreiche frei im Handel erhältliche Catuaba-Präparate aus Österreich, Deutschland, den Niederlanden, England und Brasilien. Wobei eine äußerst heterogene Zusammensetzung zu Tage kam. Nur etwa 50 Prozent enthielten ausschließlich die Rinde von Trichilia catigua. Einige waren Mischungen beziehungsweise enthielten zur Gänze Rindenteile anderer Pflanzen ? was aber nur wenig überraschte, so Glasl. Denn die Produkte werden meist als Nahrungsergänzungsstoffe deklariert und ohne jegliche Qualitätskontrolle im Internet oder auf Märkten angeboten. Wirkungsweise weitgehend unbekannt Wie die Catuaba-Extrakte wirken, ist noch weitgehend unbekannt. "Mit Sicherheit lässt sich nur sagen, dass es sich dabei um einen vollkommen anderen Wirkmechanismus als bei Viagra handelt", kommentiert Prof. Sabine Glasl die aktuellen Ergebnisse. Als potentiell interessante Inhaltsstoffe konnten die WissenschafterInnen spezielle Alkaloide in einem Teil der untersuchten Proben nachweisen. "Diese Stoffgruppe ist pharmakologisch sehr aktiv. Alkaloide können vielfältige pharmakologische Wirkungen aufweisen." Ob sie tatsächlich für die angenommene Potenz fördernde Wirkung verantwortlich sind, sollen weitere Studien zeigen. Karibischer Baum als Potenzmittel? Und auch bei den Extrakten der zweiten untersuchten Pflanze - dem Baum Chione venosa - zeigte sich kein dem in Viagra enthaltenen Inhaltstoff Sildenafil ähnlicher Wirkmechanismus. Die Rinde des Baumes wird im karibischen Raum - in Alkohol eingelegt - als Potenzmittel und Aphrodisiakum verwendet. Als Hauptinhaltsstoffe haben sich so genannte Iridoide (spezielle Kohlenwasserstoffverbindungen) und weitere stickstoffhaltige Verbindungen herauskristallisiert. Iridoide spielen allgemein in der Phytotherapie eine wichtige Rolle. Sie sind beispielsweise für die beruhigende Wirkung des Baldrians verantwortlich. Vor Selbstversuchen wird gewarnt In der Volksmedizin werden sowohl Catuaba-Präparate als auch die Rinde von Chione venosa seit Jahrzehnten eingesetzt. Erfahrungsberichte scheinen die Wirkung zu bestätigen. Und von Catuaba weiß man, dass es auch in Österreich zumindest vereinzelt von SexualtherapeutInnen bei der Behandlung von Potenzproblemen Verwendung findet. Vor Selbstversuchen mit diesen oder ähnlichen Potenzmitteln und Aphrodisiaka warnt Sabine Glasl dennoch ausdrücklich - auch wenn sie eine nebenwirkungsfreie Anwendung suggerieren. Keinerlei Qualitätskontrollen "Erektile Dysfunktion betrifft einen hohen Prozentsatz an Männern; das Interesse an solchen pflanzlichen Viagra-Alternativen ist dementsprechend groß. Von den wenigsten kennt man bislang allerdings den Wirkmechanismus. Zudem weisen diese Nahrungsergänzungsstoffe in keiner Weise eine gesicherte Qualität hinsichtlich der Inhaltsstoffe auf", gibt Glasl zu bedenken. (ro) Literatur: Kletter Ch., Glasl S., Jurenitsch J. et al.: "Morphological, Chemical, and Functional Analysis of Catuaba Preparations". Planta Med 2004, 70: 993-1000. (Abstract) |



