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Die Sonder- und Heilpädagogin Birgit Virtbauer ist seit Juni 2009 Behindertenbeauftragte der Universität Wien


Barrierefrei Studieren an der Universität Wien Bessere Orientierung für Blinde an der Universität Wien Diversity Management an der Universität Wien Bericht zur Sozialen Lage gesundheitlich beeinträchtiger Studierender 2006 Studierenden-Sozialerhebung 2006 Studierende mit Behinderung oder chronischer Krankheit an der Universität Wien (PDF)        
Behindertenbeauftragte Birgit Virtbauer: "Selbstbestimmung fördern"
Studium/Lehre, Service
Schiefer Petra (Redaktion) am 30. Juni 2009

Seit 1. Juni 2009 ist Birgit Virtbauer die neue Behindertenbeauftragte der Universität Wien. Als Nachfolgerin von Leo Schlöndorff ist nun sie für die Beratung von Studierenden mit Behinderung(en) oder chronischen Krankheiten zuständig. An ihrem neuen Arbeitsplatz - im Beratungszentrum von Student Point - sprach Virtbauer mit "dieUniversität-online" über ihre Aufgaben, Ziele und Wünsche.

Redaktion: Was sind Ihre Aufgaben als Behindertenbeauftragte der Universität Wien?

Birgit Virtbauer: In erster Linie, Studierende mit Behinderung oder chronischen Krankheiten zu beraten. Da Studierende natürlich mit Lehrenden in Kontakt sind, bin ich oftmals hier die Schnittstelle: Ich berate StudentInnen hinsichtlich der Studienorganisation, z.B. wenn es darum geht, eine geänderte Prüfungsmodalität von einem oder einer Lehrenden zu erwirken. Das ist z.B. dann notwendig, wenn ein Student oder eine Studentin Probleme mit der Grafomotorik - also mit dem Schreiben - hat und deshalb bei einer schriftlichen Prüfung länger für die Beantwortung der Fragen braucht. Die Studierenden können dann in solchen Fällen mit mir in Kontakt treten, damit ein spezieller Prüfungsrahmen für sie organisiert wird - was laut Universitäts-Gesetz möglich ist. Weiters informiere ich die StudentInnen über die bestehenden finanziellen Fördermöglichkeiten oder über die Option, persönliche Assistenz am Studienort zu beantragen.

Redaktion: Welche Herausforderungen bieten Ihnen Ihre neue Aufgabe, bzw. welche Ziele möchten Sie im Rahmen Ihrer Tätigkeit erreichen?

Birgit Virtbauer: Eine große Herausforderung ist die Bewusstseinsbildung. Aber nicht nur bei den MitarbeiterInnen und Studierenden der Universität Wien, sondern auch bei den StudentInnen mit Behinderung selbst. Denn sehr viele wissen gar nicht, dass es eine Behindertenbeauftragte gibt. Studien haben gezeigt, dass wenig Bewusstsein für das Informationsangebot - sei es in Hinblick auf die Ansprechpersonen oder auf die konkreten Unterstützungsmöglichkeiten - vorhanden ist. Diese Bewusstseinsbildung wird ein Schwerpunkt meiner Arbeit sein. Ein weiterer bezieht sich auf Studierende mit psychischer Beeinträchtigung. Dabei handelt es sich zwar um eine verhältnismäßig kleine Gruppe, die aber in ihrem Studium sehr stark beeinträchtigt ist.
Mein Ziel ist es also zunächst, Informationen zu vermitteln und meine Stelle sichtbar zu machen. Aber ich will auch darauf aufmerksam machen, dass es Studierende mit Beeinträchtigungen gibt. Viele von ihnen sind praktisch unsichtbar - manchmal auch, weil sie selbst aus den verschiedensten Gründen unsichtbar bleiben möchten.

Redaktion: Was wurde an der Universität Wien in den letzten Jahren in Hinblick auf Beratung und Unterstützung für Studierende mit Behinderung erreicht?

Birgit Virtbauer:
Es ist grundsätzlich toll, dass es an der Universität Wien die Stelle eines oder einer Behindertenbeauftragten gibt - das ist nicht an jeder Universität der Fall. Außerdem ist diese Stelle hier ausschließlich für die Belange von Studierenden mit Behinderung oder chronischer Krankheit gedacht und läuft nicht parallel zu einer anderen Tätigkeit. Darüber hinaus ist vor kurzem das Blindenleitsystem im Hauptgebäude (Anm. siehe "Bessere Orientierung für Blinde an der Universität Wien") und im Neuen Institutsgebäude installiert worden, was sicherlich eine große Hilfe für Studierende mit Sehbehinderung darstellt.

Zudem hat die Universität Wien schon früher ein positives Zeichen gesetzt, indem sie die Studiengebühren für Studierende mit Behinderung generell erlassen hat - noch bevor sie allgemein abgeschafft wurden. Das ist ein Signal dafür, dass die Universität Wien eine weitgehende Barrierefreiheit schaffen möchte. Positiv hervorzuheben ist zudem, dass Studierende mit Behinderung oder chronischer Krankheit von den Auswahlverfahren ausgenommen sind.

Redaktion: Wie sehen Sie die Stellung von Menschen mit Behinderung in der österreichischen Gesellschaft im Allgemeinen?

Birgit Virtbauer: Barrierefreiheit ist ein großes Ideal, das sicherlich nicht zur Gänze erreicht ist - weder für Studierende mit Behinderung noch für Menschen mit Behinderung im Allgemeinen. Aber es sind die kleinen Schritte, die wichtig sind, und diese werden gesetzt. Für SchülerInnen mit Behinderung ist es aber noch immer schwieriger, an eine Universität zu wechseln, als für SchülerInnen ohne Behinderung oder chronische Krankheit.

Redaktion:
Ist Behinderung Ihrer Meinung nach immer noch ein Tabuthema?


Birgit Virtbauer: Auf gewisse Weise ja, und zwar sowohl bei den betroffenen Studierenden selbst als auch in ihrem Umfeld. Für Studierende mit Behinderung oder chronischer Krankheit stellt es oft eine große Hürde dar, ihre Behinderung immer wieder zu kommunizieren, offen damit umzugehen und zu sagen: "Ja, ich habe eine Behinderung und daraus resultierend habe ich bestimmte Bedürfnisse oder benötige spezielle Unterstützungsmaßnahmen." Das ist ein sehr großer Schritt für sie. Auf der anderen Seite fällt es ihren StudienkollegInnen, Lehrenden oder dem allgemeinen Universitätspersonal schwer, mit anderen Lebensumständen und Kommunikationsformen konfrontiert zu werden. Manche nehmen eine Art "Mitleidshaltung" an, anstatt ihre KollegInnen mit Behinderung als selbstbestimmte und eigenständige Menschen wahrzunehmen. Genau das ist eines meiner Ziele als Behindertenbeauftragte: diese Selbstbestimmung, die generell durch ein Studium gefördert werden soll, auch innerhalb dieser Zielgruppe zu stärken.  

Redaktion:
Sie haben sich bereits vorher im Rahmen des Projektes "Diversity Management" an der Universität Wien für Chancengleichheit eingesetzt!


Birgit Virtbauer:
Ja, dabei geht es jedoch nicht um eine spezielle Zielgruppe, wie dies bei meiner neuen Funktion als Behindertenbeauftragte der Fall ist. Vielmehr ist es das Ziel des Projekts, eine Bewusstseinsbildung für verschiedene Gruppen, die an der Universität Wien vertreten sind und teilweise diskriminiert werden, zu erreichen. Dabei handelt es sich um ein sehr breites Spektrum, das von der Geschlechterdimension über die Dimension Alter, sexuelle Orientierung bis hin zu verschiedenen ethnischen Gruppen reicht.

Redaktion: Was ist Ihre Motivation, die sie in diese Arbeit mit einbringen?

Birgit Virtbauer: Ich freue mich auf den direkten Kontakt mit Studierenden mit Behinderung oder chronischer Krankheit, sei es in der Beratungstätigkeit als auch im Rahmen anderer Maßnahmen. Den Anspruch, Chancengleichheit zu fördern, nehme dabei ich aus meiner vorhergehenden Tätigkeit mit. (ps)


Mag. Birgit Virtbauer arbeitet seit 1. Juni 2009 als Behindertenbeauftragte der Universität Wien. Die Sonder- und Heilpädagogin engagierte sich zuvor für das Projekt "Diversity Management" an der Universität Wien.



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