Schlagwörter wie Teamfähigkeit, Wissensmanagement, interkulturelle Kommunikationsfähigkeit oder Medienkompetenz kennt man vor allem aus der Wirtschaft. Aber auch in der Wissenschaft sind diese Kompetenzen gefragt. In Zusammenarbeit mit den Fakultäten für Informatik, Philosophie und Bildungswissenschaft, Sozialwissenschaften, der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät, der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät sowie dem Center for Teaching und Learning beschäftigt sich Gerhard Budin vom Zentrum für Translationswissenschaft in diversen Projekten mit der Umsetzung von E-Bologna in Lehre und Lehrentwicklung an der Universität Wien. Dazu gehören die didaktische und inhaltliche Weiterentwicklung der forschungsbasierten Lehre, die Umsetzung der gesamtuniversitären E-Learning-Strategie sowie die Ausbildung von WissensexpertInnen.
Metafachliche Kompetenzen stärken
Ein Ausgangspunkt für diese transfakultäre Kooperation war das vom European Social Fund unterstützte Projekt "Knowledge Experts", das im Jahr 2007 abgeschlossen wurde und dessen Ergebnisse, so Projektleiter Budin, tagtäglich in die Lehrpraxis der beteiligten Disziplinen umgesetzt werden: "Im Rahmen des Projekts wurden innovative Curricula und neue Studiengänge zur Ausbildung von ExpertInnen im Bereich der Wissensarbeit entwickelt."
Konkret geht es dabei um den Erwerb fachunabhängiger Kompetenzen in unterschiedlichen Berufsprofilen, in denen wissensbezogene Kulturtechniken und Bildungstechnologien zum Einsatz kommen. Dazu gehören alle Aspekte des aktiven und kritischen Umgangs mit Wissen, wie z.B. Fähigkeiten zum gezielten Wissenserwerb, zur Unterstützung von individuellen und kollektiven Lernprozessen oder zur Kommunikation in interkulturellen Handlungsumgebungen – "aber eben auch die bewusste Gestaltung von computer- und internetgestützten Lernumgebungen", so Budin.
Erweiterungscurriculum und Master of Higher Education
Bereits mit Erfolg implementiert wurde das Erweiterungscurriculum "eTutorInnen und Knowledge Experts", das erstmals ein interdisziplinäres Angebot zur Ausbildung von E-TutorInnen und FachtutorInnen an der Universität Wien anbietet. Ein interdisziplinäres Projektteam arbeitet darüber hinaus am Konzept für einen Universitätslehrgang im Bereich "Higher Education", der durch die gebündelte Vermittlung der genannten Schlüsselkompetenzen die Chancen der AbsolventInnen am Arbeitsmarkt erhöhen soll.
Gender, Diversity und E-Learning
Dabei spielt die stetige Weiterentwicklung von Lernumgebungen eine wichtige Rolle. Hier werden u.a. Softwaresysteme und Lernplattformen, aber auch Wissens- und Sprachtechnologien getestet und evaluiert. "Ein wichtiges Kriterium dabei ist die Eignung dieser Technologien für kollaborative Arbeitsumgebungen, da Teamfähigkeit als zentrale soziale Kompetenz bereits im Laufe des Studiums erlernt werden sollte", so Budin.
Der Fokus bei der Gestaltung der Lernumgebungen liegt auf Personen, die berufsbegleitend studieren oder biografiebedingt ihr Studium abgebrochen und später wieder aufgenommen haben. "Diese Zielgruppe besteht statistisch gesehen vorwiegend aus Frauen", sagt der Experte. Neben Professionalisierung ist der zunehmende Einsatz von E-Learning ein wichtiger Schritt in Richtung "Empowerment" - nicht nur von Frauen, sondern im Sinne des Diversity Management auch anderer benachteiligter Gruppen: "Blended Learning-Lehrveranstaltungen erlauben sowohl räumlich und zeitlich flexibles Studieren als auch intensive Betreuungsphasen sowie das Berücksichtigen besonderer Bedürfnisse, z.B. sprachliche Hindernisse."
Administration durch E-Technologien erleichtern
Daneben stellt die Bologna-Architektur auch eine bürokratische Herausforderung dar. Notwendige administrative Prozesse zu vereinfachen, hängt sowohl mit den angesprochenen technischen Kompetenzen als auch mit Blended Learning zusammen: "So stellt etwa der Notenexport direkt aus der Lernumgebung eine massive Verwaltungsvereinfachung für Lehrende dar", betont Budin, der überzeugt ist, dass auch die letzten "E-Learning-Muffel" noch auf den Geschmack kommen werden: "Denn klassische, hierarchisch strukturierte Vorlesungen zu halten, ist aus didaktischer Sicht sicher nicht mehr die beste Form der Wissensvermittlung. Heute stehen nicht mehr die Lehrenden, sondern die Lernenden und deren aktive Wissensaneignung im Mittelpunkt." (br) |