"Naturwissenschaftliche Bildung ist eine wichtige Voraussetzung für die Teilnahme an einer von naturwissenschaftlichem Wissen und Technik durchdrungenen Gesellschaft", meint Dr. Franz Radits, Leiter des Pilotprojekts "KIP - Kids Participation in Educational Research". Viele FachdidaktikerInnen stimmen überein, dass Lernen in persönlichem Kontakt mit NaturwissenschafterInnen in deren Forschungsfeldern einen wesentlichen Beitrag zur Bildung leisten kann. Dieses Desiderat zu überprüfen, ist ein zentrales Forschungsziel des KIP-Teams, bestehend aus Manfred Durchhalter, Günther Pass, Franz Rauch, Irmgard Stelzer, Barbara Strametz und Ilse Wenzl. Das Projekt des Österreichischen Kompetenzzentrums für Didaktik der Biologie (AECC-Bio) startete im Herbst 2008 an der Universität Wien.
Am 5. Dezember 2008 wird das mit Drittmitteln des Wissenschaftsministeriums über die Initiative "Sparkling Science" finanzierte Projekt erstmals an der Fakultät für Lebenswissenschaften präsentiert. Im Rahmen einer öffentlichen Reflexionswerkstatt tauschen SchülerInnen, LehrerInnen und WissenschafterInnen ihre ersten Kooperationserfahrungen aus. Prof. Dr. Dirk Krüger von der Freien Universität Berlin wird den Hauptvortrag halten. ExpertInnen aus Fachdidaktik, Biowissenschaften und Schulpraxis werden im Anschluss die prinzipielle Frage "In welchem Sinn können SchülerInnen forschen?" mit PraktikerInnen diskutieren.
Eine stabile Brücke zwischen Universität und Schule - Modell 2010
KIP gibt SchülerInnen und LehrerInnen Gelegenheit, in fünf biowissenschaftlichen Forschungsprojekten (Neurobiologie: Axel Schmid, Umweltforschung: Kathrin Pascher, Meeresbiologie: Monika Bright, forensische Palynologie: Martina Weber und Evolutionsbiologie: Johannes Spaethe) ihr Bild über die Biowissenschaften auszudifferenzieren.
Die Grundlage bildet ein Arbeitsmodell, das den regulären Biologieunterricht, die Arbeit in den Forschungseinrichtungen und in Planungswerkstätten eng miteinander vernetzt. Dies soll LehrerInnen unterstützen, die Erlebnisse an der Universität in ihren normalen Unterricht zu integrieren. Prozessbegleitend erfassen FachdidaktikerInnen Daten über die Lehr- und Lernprozesse aller Akteure und die Einstellungsänderungen der SchülerInnen und LehrerInnen zur naturwissenschaftlichen Forschung. Die Ergebnisse werden in mehreren Fallstudien kondensiert und sollen helfen, ein empirisch begründetes Kooperationsmodell ("Modell 2010") zu formulieren. "Evidence based" zu arbeiten, ist für Franz Radits dabei besonders wichtig. "Gerade in der Wissenschaftskommunikation gibt es viele Zuschreibungen über die Wirkungs- und Funktionsweise der Kooperationen, die nicht empirisch belegt wurden", weiß der Projektleiter.
Hohe Kooperationsbereitschaft
Sowohl die WissenschafterInnen als auch die LehrerInnen und SchülerInnen zeigten von Anfang an ein hohes Maß an Kooperationsbereitschaft. Bei der Auswahl der Klassen spielten zwei Kriterien eine Rolle: Zum einen sollte es eine möglichst heterogene Gruppe an Schultypen geben, zum anderen sollten LehrerInnen mehrjährige Unterrichtserfahrung haben. "Es geht nicht darum, dass die LehrerInnen die SchülerInnen bei den WissenschafterInnen abgeben, sondern sie wollten von Anfang an eine aktive Rolle übernehmen", so Franz Radits.
An die 20 Forschungsprojekte der Lebenswissenschaften bekundeten die Bereitschaft mitzuarbeiten. "Wir konnten leider nur fünf davon auswählen. Wir wählten jene Themen, die mit Lernfeldern im Schulunterricht korrelieren", erläutert Franz Radits. Auf die Frage nach Motiven für die Mitarbeit in KIP antworten die WissenschafterInnen differenziert: "Unvoreingenommene wie Lehrer oder Schüler können durch ihre Außenperspektive einen interessanten Aspekt reinbringen", stellt ein Biologe fest. Eine Biologin fokussiert auf den Bildungswert der Kooperation: "Es stehen aufklärende Aspekte im Vordergrund. Das Verständnis für die Forschung soll geweckt werden."
Derzeit laufen die Gespräche über die konkreten Schüleraktivitäten noch. Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung am 5. Dezember 2008 im Geo-Zentrum der Universität Wien wird darüber berichtet werden. (mw)
Eröffnungsveranstaltung "KIP - Kids Participation in Educational Research" Freitag, 5. Dezember 2008, 17 bis 19 Uhr Hörsaal 2 des Geo-Zentrum (UZA II) Althanstraße 14, 1090 Wien Nähere Informationen (PDF)
Das Projekt "KIP - Kids Participation in Educational Research" des AECC-Bio (Austrian Educational Competence Centre - Österreichisches Kompetenzzentrum für Didaktik der Biologie an der Universität Wien) läuft unter der Leitung von Dr. Franz Radits im Rahmen des BMWF-Programms "Sparkling Science". Es startete im Oktober 2008 und läuft zwei Jahre. |