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Birgit Erdle hat im laufenden Semester die Käthe-Leichter-Gastprofessur für Gender Studies inne.


Einladung zur Käthe-Leichter-Vorlesung CV Birgit R. Erdle Website von Birgit R. Erdle Institut für Germanistik der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät Institut für Anglistik und Amerikanistik der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät Gender-Ausschuss der Kulturwissenschaftlichen Fakultäten Käthe-Leichter-Gastprofessur  
Birgit R. Erdle: Eine Literaturwissenschafterin geht den "Dingen" auf den Grund
Porträts Neo-Professuren, Professuren
Marion Wittfeld (Redaktion) am 20. April 2010

Im laufenden Sommersemester 2010 hat die Literaturwissenschafterin Birgit R. Erdle die Käthe-Leichter-Gastprofessur für Gender Studies an der Universität Wien inne. Am Montag, 26. April 2010, 18 Uhr, hält sie im Kleinen Festsaal ihre Käthe-Leichter-Vorlesung zum Thema "Traumtext oder Bilderatlas: Charlotte Beradts Sammlung 'Das Dritte Reich des Traums'". Die Gastprofessur ist diesmal gleichzeitig am Institut für Germanistik und am Institut für Anglistik angesiedelt.

Schon früh stand für Birgit Erdle fest, dass sie beruflich "etwas mit Büchern" machen möchte. Wirft man einen Blick auf ihren Lebenslauf, scheint sich dieser Wunsch mehr als erfüllt zu haben. Sie selbst beschreibt ihre Arbeit folgendermaßen: "Ich liebe es, in Archiven zu forschen. 2008 hatte ich für zwei Monate ein Stipendium im Literaturarchiv in Marbach, das habe ich als unglaublichen Luxus empfunden." Auf die Lehre würde Birgit Erdle, die seit 2006 am Leo-Baeck-Institut in London unterrichtet, aber keinesfalls verzichten: "Wissenschafterin zu sein ist meine Leidenschaft. Für mich ist es dabei wichtig, Forschung und Lehre zu verbinden."

Diesem Interesse kommt die Käthe-Leichter-Gastprofessur, die Erdle im Sommersemester 2010 an der Universität Wien besetzt, sehr entgegen: "Es ist für mich eine große Freude und Ehre, die interdisziplinär und international ausgerichtete Professur zu übernehmen. Ich finde es wichtig, dass es dieses Engagement für Gender Studies an der Universität Wien gibt. Der Zusammenhang zwischen Geschlechterforschung und Kulturwissenschaften muss auch in Zukunft weiter gestärkt werden." Ihren Wien-Aufenthalt möchte die gebürtige Deutsche zusätzlich dazu nutzen, etwas mehr über die Namenspatin des Lehrstuhls zu erfahren: "Käthe Leichter wurde offenbar direkt aus ihrer Wiener Wohnung heraus verhaftet. Ich frage mich zum Beispiel: Gibt es - jenseits ihrer gedruckten Schriften - einen Nachlass? Was ist aus den Dingen geworden, mit denen sie gelebt hat?"

Das Erzählen der Dinge


Das Interesse an den materiellen Besitztümern von Käthe Leichter kommt nicht von ungefähr: Derzeit bilden "Dinge" den Lehr- und Forschungsmittelpunkt von Birgit Erdle. Dabei spielen vor allem drei Gegenstandsbereiche eine Rolle: der kulturwissenschaftliche Blick auf Dinge, die Memoria als literarisches Verfahren sowie die Frage, wie in Restitutionsdebatten Dinge sichtbar gemacht werden. "In den letzten zehn Jahren haben Gegenstände in der Kulturwissenschaft einen neuen Reiz bekommen. Insbesondere von der Genderforschung kommende Literaturwissenschafterinnen wie beispielsweise die Amsterdamer Literatur- und Kulturwissenschafterin Mieke Bal greifen dieses Thema mehr und mehr auf. Zusätzlich interessiert mich der literarische Text als Schauplatz eines Gedächtnisses der Dinge. Ich nenne diese Art des literarischen Erinnerungsverfahrens 'serielles' oder 'listenförmiges Erzählen' - ein Erzählen, das aufzählt. Des Weiteren untersuche ich, wie in Restitutionsdebatten geraubtes jüdisches Eigentum, Dinge wie Bücher, Schmuck, Möbel etc., eine Geschichte erzählen."

Weniger Lesezeit für Studierende

Die Leidenschaft fürs Lehren merkt man Birgit Erdle an: "Die Studierenden sind heutzutage in einer viel schwierigeren Situation, als ich es damals war", so die Wissenschafterin, die 1994 an der Universität Zürich promovierte und sich 2009 mit der Arbeit "Literarische Epistemologie der Zeit. Lektüren zu Kant, Kleist, Heine und Kafka" an der TU Berlin habilitierte: "Ich habe den Eindruck, es gibt keine wirkliche Lesezeit mehr. Es fehlt die Möglichkeit, in der Bibliothek Zeit zu verbringen, 'den Zufall spielen zu lassen' und so auf neue Themen und Fragestellungen zu stoßen. Das Studium wird durch den Bologna-Prozess immer stärker reglementiert."

"In Wien ergeben sich schnell gute Kooperationen"


Neben der Lehrtätigkeit begeistert Birgit Erdle in Wien vor allem eines: "Es scheint mir, dass sich hier sehr leicht Kooperationen mit anderen Einrichtungen ergeben. Ich habe bisher keine Stadt erlebt, in der das so schnell und freundlich möglich zu sein scheint. Dies kann man als DozentIn dann natürlich auch wieder für Studierende nutzen." (mw)

Die Käthe-Leichter-Vorlesung "Traumtext oder Bilderatlas: Charlotte Beradts Sammlung Das Dritte Reich des Traums" von Univ.-Prof. Dr. Birgit R. Erdle, M.A., die im laufenden Sommersemester die Käthe-Leichter-Gastprofessur für Frauen- und Geschlechterforschung im Bereich der Vergleichenden Literaturwissenschaft am Institut für Germanistik und am Institut für Anglistik und Amerikanistik der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät innehat, findet am Montag, 26. April 2010 um 18 Uhr im Kleinen Festsaal der Universität Wien statt.

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