![]() Areal der hellenistischen Stadt von Westen aus gesehen. ![]() Lehmziegelmauer, 1. Jhdt. v. Chr. bis 1. Jhdt. n. Chr. ![]() Malereifragmente, 1. Jhdt. n. Chr. ![]() Stuckfries Detail, 1. Jhdt. n. Chr. (Fotos: Institut für Klassische Archäologie/Universität Wien) Institut für Klassische Archäologie Archäologenteam findet in Palmyra Gebäude mit Meerestier-Dekoration |
Das hellenistische Palmyra |
|
| Forschungsprojekte | |
| Dieter N. Unrath (Redaktion) am 15. November 2004 | |
Palmyra, eine Oasenstadt in Syrien, auf halbem Wege zwischen Damaskus und dem Euphratknie liegend, erlebte seine größte Blüte vom 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. als wichtige Handelsmetropole im Vorderen Orient. Ein Forschungsprojekt unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Andreas Schmidt-Colinet vom Institut für Klassische Archäologie untersucht die weniger bekannte, hellenistische Siedlung in Palmyra. |
|
Während ArchäologInnen über die Geschichte und Kultur der Oasenstadt Palmyra der römischen Kaiserzeit des 1. bis 3. Jahrhunderts n. Chr. durch literarische und archäologische Quellen gut informiert sind, war das "hellenistische" (also vorrömische) Palmyra bisher nur aus literarischen Quellen zu erschließen. Ein internationales Kooperationsprojekt hat sich zum Ziel gesetzt, die urbanistischen Strukturen dieser hellenistischen Siedlung zu erforschen. Das Institut für Klassische Archäologie kooperiert hierbei mit der Außenstelle Damaskus der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts und mit der Generaldirektion der Altertümer und Museen Syriens. Modernste Feldforschung machte Stadt "sichtbar" Auf dem etwa 20 Hektar großen Gelände südlich der römischen Siedlung vermutete Prof. Andreas Schmidt-Colinet, der seit 1980 Forschungen in Palmyra betreibt, schon lange eine vorrömische, "hellenistische" Siedlung. Daher wurde 1997 und 1998 eine elektromagnetische Prospektion mit einem Caesiummagnetometer ? ein Gerät, das Erdwiderstände misst und so Mauern etc. "sichtbar" macht ? durchgeführt. Nach der Auswertung am Computer fand man eine komplette unterirdische Stadt. "Seit vier Jahren führen wir gezielte Sondagen (Grabungen) durch, um etwas über das Alter der Siedlungsstrukturen herauszufinden", bemerkt Schmidt-Colinet. In diesen vier Jahren machten die ForscherInnen zahlreiche Funde: Keramik (Krüge, Amphoren), Wandmalereifragmente, Stuckfriese mit applizierten Masken, Fischen und Muscheln, die vergoldet waren. "Die EinwohnerInnen waren sicherlich keine armen Menschen", interpretiert der Archäologe. Weiters konnten eine durchgehende Siedlungskontinuität festgestellt und weiträumige Handelsbeziehungen für Palmyra nachgewiesen werden. Kein Wunder, war doch Palmyra die Drehschreibe für den Orienthandel und für den Handel entlang der Seidenstraße: "Das Handelsnetz in Palmyra kann man sich wie die mittelalterliche Hanse vorstellen, sie betrieben Welthandel und hatten sehr viele Kontore", erklärt Andreas Schmidt-Colinet. Im Zentrum der hellenistischen Stadt entdeckten die ArchäologInnen, die u.a. von der Fritz-Thyssen-Stiftung (Köln) finanziell unterstützt werden, eine monumentale Anlage, die aufgrund ihrer ungewöhnlich qualitätvollen Wandmalerei und Stuckdekorationen am ehesten als Heiligtum oder als Karawanenbau angesehen werden kann. "Fest steht, dass es sich um ein für Palmyra ungewöhnlich luxuriöses Anwesen handelt", freut sich Schmidt-Colinet über den interessanten Fund. Neueste Ergebnisse Dieses Jahr (vom 23. August bis 6. Oktober 2004) folgten weitere Grabungen, dabei entdeckten die AltertumsforscherInnen bei einem vom FWF mitfinanziertem Projekt, dass bei der monumentalen Anlage noch weitere Räumlichkeiten vorhanden sind, die der Magnetometer nicht sichtbar machte, weil diese zu tief lagen. "Weitere Maueren, die im Magnetogramm nicht aufscheinen, machen deutlich, dass die Gesamtanlage viel komplexer ist, als dies nach dem Magnetogramm zu vermuten war", stellt der Archäologe fest. Durch die Analyse der ergrabenen architektonischen Befunde lassen sich einzelne Mauertechniken sowie Bauphasen unterscheiden. "In früheren Phasen sind die Fundamente sowie die Sockelzonen der aufgehenden Wände aus Bruchsteinmauerwerk, die darüber liegenden Wände aus Lehmziegeln errichtet. In jüngeren Phasen ? ca. seit der Zeitenwende ? bestehen die Sockelzonen aus großen Kalksteinquadern. Die Wände waren verputzt und zum Teil mit Wandmalerei und Stuck geschmückt", erklärt Schmidt-Colinet. Atlas von Palmyra Den Beweis, dass bereits vom 3. bis 1. Jahrhundert v. Chr. Menschen hier ansässig waren und dass eine Siedlungskontinuität vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. bestand, konnten die ForscherInnen somit erbringen: "Wir können zum ersten Mal für den Vorderen Orient eine kontinuierliche Abfolge? über 600 Jahre ? von Keramik und von anderen Funden sowie von Siedlungskontinuität nachweisen", erzählt Schmidt-Colinet, der auch stellvertretender Vorstand des Instituts für Klassische Archäologie ist. In naher Zukunft wird das Projekt kaum abgeschlossen sein, weitere Grabungen und Forschungen sind notwendig: "Für die nächsten Kampagnen ist deshalb geplant, einerseits die Sondagen zu erweitern und zu vertiefen, andererseits sollen die archäologischen und naturwissenschaftlichen Untersuchungen und Analysen des Fundmaterials fortgesetzt werden", erklärt der Archäologe. Mittelfristiges Ziel ist die Herausgabe eines topographischen Gesamtplans von Palmyra ? eines Atlas von Palmyra, der im Rahmen eines internationalen EU-Projektes entsteht. (du) Buchtipps: Andreas Schmidt-Colinet (Hrsg.): Palmyra. Kulturbegegnung im Grenzbereich. Zabern Verlag, Mainz 1995, 2. Aufl. 1997 Andreas Schmidt-Colinet und Georg A. Plattner: Antike Architektur und Bauornamentik. Grundformen und Grundbegriffe. Facultas Verlags- und Buchhandels AG, Wien 2004
|




