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Universität Wien lädt zum Forum Offener Brief an die Vertreterinnen und Vertreter des Plenums
Dekane der Universität Wien orten Ausweichen der Politik
Forschungspolitik
Redaktion am 13. November 2009

"Seit vielen Jahren das blanke wissenschaftspolitische Chaos" orten die Dekane der Universität Wien. "Es herrscht derartiger Unmut unter den Dekanen, dass wir nicht länger schweigen können", betonte der Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, Heinz Mayer, bei einer Pressekonferenz am Freitag, 13. November 2009. Man könne "nicht länger hinnehmen, dass die Lage durch Politikeräußerungen heruntergespielt wird". Die FakultätsleiterInnen sprechen sich für ein System der Studienplatzbewirtschaftung und gegen ein Gegeneinander-Ausspielen von Forschung und Lehre aus.

Die Besetzung von Hörsälen würde einerseits den Vorlesungsbetrieb empfindlich stören, so Mayer. Andererseits hätten die BesetzerInnen mit vielen Forderungen aber recht. So herrsche in vielen Fakultäten in unterschiedlicher Intensität die Ansicht, dass der Bologna-Prozess zu einer Verschulung, der Einschränkung der wissenschaftlichen Freiheit sowie in Folge zu verminderten Berufsaussichten führen würde. Gar keine Freude hat Mayer mit der Bedingung von Wissenschaftsminister Johannes Hahn, die angekündigten 34 Millionen Euro aus seiner Ministerreserve ausschließlich für die Lehre zu verwenden. "Dieses Auseinanderdividieren von Forschung und Lehre kann nicht sein."

Anstatt sich endlich der Grundsatzfrage der Universitäts-Finanzierung zu widmen, habe die Politik bei der letzten Novelle des Universitätsgesetzes bloß diskutiert, wer wie in welchen Gremien vertreten sein solle, so Mayer: "Das sind doch nur Peanuts." Man habe geschaut, wie die eigene Klientel bedient werden könne und welche Maßnahmen nichts kosten.

Geklärt werden müsse endlich, was ein Studienplatz koste und wie viele davon die Gesellschaft bzw. der Steuerzahler zu finanzieren bereit seien, betonte Chemie-Dekan Bernhard Keppler. Derzeit habe die Universität Wien mehr als 80.000 Studenten, produziere aber nur 6.000 AbsolventInnen pro Jahr. Finanziere man nicht vernünftige Betreuungsverhältnisse, müsse man sich fragen, ob man nicht mit weniger Studierenden unter besseren Voraussetzungen mehr AbsolventInnen hervorbringen könne. Auch er warnte davor, Forschung und Lehre auseinanderzudividieren.

Anliegen der Studierenden ernstnehmen

Heinz Fassmann, Dekan der Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie, ortet ebenfalls ein Ausweichen der Politik bei den entscheidenden Fragen: "Wir sprechen am Sonntag über Forschung und Lehre als Treibstoff einer rohstoffarmen Gesellschaft, und am Montag haben wir es schon vergessen." Das Uni-Budget dürfe nicht erst bis 2020 erhöht werden, sondern es brauche einen verbindlichen fünfjährigen Finanzplan. "Man muss den Studenten ein Signal geben, dass ihre Anliegen ernstgenommen werden." Dazu zähle auch, den "Etikettenschwindel mit angeblich zusätzlichen 34 Millionen Euro für die Unis zu unterlassen, die ohnehin wieder nur aus dem Uni-Budget kommen". Wenig hält Fassmann auch von Hahns Hochschuldialog - "ein Gipfeltreffen mit 51 Personen, wo jeder 35 Sekunden oder eine Minute sprechen darf".

Mayer forderte die Politik auf, mit den StudentInnen in einen echten Dialog zu treten. "Was sollen die sich denken, wenn der Kanzler an einem Abend sagt, er ist für Zugangsbeschränkungen, und am nächsten Tag erinnert er sich nicht?" Man müsse den Leuten nicht ständig rechtgeben, sondern mit ihnen diskutieren und sie ernstnehmen. "Unsere Wissenschaftspolitik ist völlig jämmerlich", meinte Mayer. Die Besetzungen kosteten die Uni Wien 20.000 bis 25.000 Euro pro Tag - "wenn ich das Geld für Investitionen ausgeben könnte". Und an die Adresse der protestierenden Studierenden: "Wissenschaftsministerium besetzen - wenn schon". Er habe der Hochschülerschafts-Chefin sogar angeboten, dabei mitzumachen, wenn dafür die BesetzerInnen aus dem Audimax abzögen. (APA)

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