"Wir sehen die Mikroben nicht, und dennoch begleiten sie uns täglich durch das Leben", erklärt Kongressorganisator Doz. Mag. Dr. Tom Battin vom Department für Limnologie und Hydrobotanik. In der Natur wandeln Mikroben unermüdlich Stoffe um, ermöglichen Kompostierung, reinigen das Wasser und sind an der CO2- und Methan-Emission beteiligt. "Dennoch wissen wir wenig über ihre Diversität und deren Rolle für die Umwelt", so Battin. Während sich die Wissenschaft in den letzten Jahren stark dem Verlust pflanzlicher und tierischer Biodiversität widmete, wurden Mikroben weitgehend vernachlässigt.
Mikroben steuern globale Umweltprozesse
Im Rahmen des Kongresses "Microbial Diversity and Ecosystem Functions" (7. bis 11 März 2007, finanziert von der European Science Foundation ESF) am WasserCluster Lunz kamen die ForscherInnen zu dem Schluss, dass die Biodiversität von Mikroben, ähnlich wie jene von Tieren und Pflanzen, betrachtet gehört, da Mikroben globale Prozesse in der Umwelt steuern. Weiters beeinträchtigen menschliche Aktivitäten Mikroben zunehmend, was wiederum zu Rückkoppelungen, inklusive Klimaveränderung, führt.
Rote Liste für Mikroben
Aus dieser Motivation heraus fanden die ForscherInnen, dass das komplexe Zusammenspiel zwischen mikrobieller Diversität und Ökosystemen verstärkt von interdisziplinären Teams untersucht werden muss. Wie für Tiere und Pflanzen sollte es auch Rote Listen für Mikroorganismen geben, forderten die WissenschafterInnen. Die Bedeutung von Mikroorganismen etwa für das Weltklima ist bislang noch unterschätzt.
Mikroben tragen zum Klimawandel bei
Mikroorganismen - vor allem Bakterien und Pilze - spielen etwa bei der Produktion des Treibhausgases Methan eine entscheidende Rolle. "Allerdings gibt es nicht nur Methan produzierende, sondern auch Methan abbauende Bakterien", erklärt Battin. Mikroben können also den Ausstoß von Treibhausgasen steigern oder senken. Um Methan abbauen zu können, bedarf es allerdings bestimmter Böden mit wenig Sauerstoff, beispielsweise in Mooren herrschen derartige Bedingungen. Wenn immer mehr dieser Bakterien verschwinden, weil auch Moore immer seltener werden, so trägt dies unmittelbar zum Anheizen des Klimawandels bei. "Der Schutz von Mikroorganismen und deren Vielfalt bedeutet daher den Schutz von deren Lebensräumen", so Battin.
Mikroorganismen sind "die Chefs"
Generell kratzen die Ökologen, was die Welt der Bakterien, Pilze und Viren angeht, erst an der Oberfläche. Es wird aber immer mehr klar, welche enorme Bedeutung das Heer der Mikroben auf praktisch alle Ökosysteme hat. "Tatsächlich sind Mikroorganismen die wesentlichen Player, gleichsam die Chefs im globalen Gefüge, ohne sie geht gar nichts", berichtet Battin. Bei der Untersuchung von Gewässern hat sich etwa gezeigt, dass die so genannte Selbstreinigungskraft von Flüssen und Bächen vor allem auf Mikroben zurückzuführen ist. Ein verschmutzter Bach ohne Bakterien und Pilze bleibt ein verschmutzter Bach. (APA/red)
Der Workshop "Microbial Diversity and Ecosystem Functioning" fand von 7. bis 11. März 2007 am WasserCluster Lunz in Niederösterreich statt und wurde von Tom Battin (Department für Limnologie und Hydrobotanik) und Peter Frenzel (Max-Planck-Institut (MPI) für Terrestrische Mikrobiologie in Marburg) organisiert. Der WasserCluster Lunz ist ein interuniversitäres Zentrum, an dem die Universität Wien, die Donauuniversität Krems und die Universität für Bodenkultur beteiligt sind. |