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Ein außergewöhnliches Ereignis im Botanischen Garten: Die Indische Lotosblume blüht!


Ihre Blüten sind kurzlebig. Am Morgen gehen die Knospen auf, ...


... um sich dann zur Mittagszeit völlig zu öffnen. Am nächsten Tag schon verlieren sie die Kronblätter und übrig bleibt der markante Fruchtstand.


Im Botanischen Garten erfolgt die Kultur in einem historischen Freilandbecken ohne zusätzliche Heizung und Winterschutz. Die Pflanze auf dem Bild ist ca. 15 Jahre alt. (Fotos: R. Hromniak)


Der Fruchtstand der Lotosblume findet in der Weihnachts- und Trockenstraußbinderei häufig Verwendung. Die samenartigen Früchte sind botanisch gesehen Nüsse.


Auf diesem Bild sind zwei besondere Effekte zu beobachten: der Lotoseffekt und der Gasaustausch der Rhizome, der über die Blätter erfolgt. (Fotos: F. Pflügel, Universität Wien)


Botanischer Garten der Universität Wien Fakultätszentrum für Biodiversität der Fakultät für Lebenswissenschaften Department für Biogeographie Department für Strukturelle und Funktionelle Botanik Informationsblatt zur Indischen Lotosblume (PDF)
Lesen Sie auch: Artikel im Dossier "Botanischer Garten"  
Die Indische Lotosblume "Padma" blüht!
Botanischer Garten, Jahr der Biodiversität 2010
Redaktion am 13. August 2010

Die großen rosa Blüten der Indischen Lotosblume sind ein ebenso kurzes wie faszinierendes tropisches Ereignis im Botanischen Garten, auf das LiebhaberInnen sehnsüchtig warten. Derzeit ist es wieder soweit: "Padma" blüht in voller Pracht. Heuer hat sie erstmals über 30 Blütenknospen entwickelt, von denen die Hälfte bisher geblüht hat. Heute sind z.B. gleichzeitig vier der wunderschönen Blüten geöffnet. Je nach Wetter werden sich in den nächsten Tagen weitere auftun. Am schönsten sind sie an einem sonnigen warmen Tag ab ca. 10 Uhr bis in den frühen Nachmittag.



Die Indische Lotosblume (Nelumbo nucifera) stammt eigentlich aus Ost-Asien und braucht für üppiges Wachstum und eine gute Blüte viel Wärme bzw. ein sehr mildes Klima. Inzwischen ist die Blüte der Pflanze für den Botanischen Garten und seine Besucherinnen und Besucher selbstverständlich geworden, obwohl sie das ganze Jahr im Freien ohne zusätzliche Beheizung des Wasserbeckens kultiviert wird.

Dies war bisher ein kleines gartenbauliches Wunder, inzwischen scheint es so, dass die Kultur und Blüte dieser wunderschönen asiatischen Blumen in guten warmen Lagen auch im Hausgarten durchaus möglich ist. "Auch die Kultur im Wasserbottich auf der Terrasse sollte gelingen. Im Winter muss das Rhizom aber geschützt im kühlen Keller bei weniger als zehn Grad Celsius untergebracht werden", sagt Frank Schumacher vom Department für Biogeographie: "Doch Achtung - wenn es der Pflanze gefällt, vereinnahmt dieser wunderschöne Exot nach und nach leicht den gesamten heimischen Gartenteich."

Ein paar gärtnerische Tricks, das pannonische und städtische Klima sowie Ausdauer und etwas Glück ermöglichen also ein kleines Blütenwunder im Freien - im Übrigen nicht nur in Wien sondern auch im Linzer Botanischen Garten.

Sinnbild für das Universum

Im Hinduismus und Buddhismus gilt die Lotosblume als Symbol für Reinheit; im Hinduismus ist die als heilig angesehene Pflanze gar ein Sinnbild für das Universum. In Indien heißt die Lotosblume "Padma". Padma war im alten Indien das Urmeer, aus dem das Universum entstand. Der kegelförmige Fruchtknoten symbolisierte den Himalaja, die Blütenblätter die Völker und Kulturen. Brahma hat seinen Platz im Zentrum der Blüte, Buddha sitzt auf einem Blatt - im Lotos-Sitz.

Für die Botanik und Forschung hat die Pflanze, die viel näher mit den großen Platanen verwandt ist als mit den Seerosen, ebenfalls einiges zu bieten. Am bekanntesten ist der für technische Oberflächenversiegelungen höchst spannende Lotoseffekt - Wasser perlt auf den großen, schildförmigen Blättern wie auf einer heißen Herdplatte ab und sie bleiben immer sauber. Die Farb- und Lackindustrie versucht derzeit, diesen Effekt technisch umzusetzen. Nie wieder Auto putzen - die BesitzerInnen wird's freuen, die Tankstellen wohl weniger …

Gasaustausch wissenschaftlich beschrieben

Stefan Vogel, emeritierter Honorarprofessor am Department für Strukturelle und Funktionelle Botanik, und sein Team haben in den letzten Jahren den interessanten Gasaustausch zwischen den unterirdischen Pflanzenteilen (Rhizom) und den Blättern der Lotosblume sowie neue Drüsenstrukturen in den Blüten erstmals wissenschaftlich ergründet und beschrieben. Der Gasaustausch dient der Belüftung der Rhizomgewebe, die im sauerstoffarmen Schlamm der Gewässer stecken. Das Phänomen ist besonders an heißen Tagen sichtbar, wenn Wasser auf dem Blatt steht und die Gase wie bei einer Aquariumbelüftung aus der Blattmitte blubbern.

Weitere Exoten im Botanischen Garten

Neben der Lotosblume sind im Botanischen Garten zurzeit auch andere winterharte Exoten im Freien in Blüte: z. B. der Losbaum (Clerodendrum trichotomum) in Gruppe 32 und der Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) am Tropenhaus und in Gruppe 10. (red/br)

Indische Lotosblume (Nelumbo nucifera)
Botanischer Garten der Universität Wien, Wasserbecken im Freiland zwischen Gruppe 13 und 18
Eingänge: Eingang Mechelgasse/Ecke Prätoriusgasse und Eingang über das Obere Belvedere-Alpengarten, 1030 Wien
Weitere Informationen und Öffnungszeiten
Informationsblatt zur Indischen Lotosblume und zum Lotoseffekt (PDF)

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