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Die Medienwissenschafterin Christine Ehardt ist Teil des Mentoring-Projektes der Universität Wien und ...


...untersucht in ihrer Dissertation die Kulturgeschichte des Radios.


Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät   "muV" - Mentoring-Programm für Nachwuchs-wissenschafterinnen der Universität Wien   Artikel (November 2006): Prime Time Hörspiel
Die Kulturgeschichte des Radios
Forschung, Forschungsprojekte
Pamela Paulic (Redaktion) am 18. Februar 2010

Die Welt des Radios hat sich verändert: Immer mehr Menschen konsumieren Radiobeiträge und Musik über das Internet. Technologien - wie z. B. der IPod - ermöglichen es, ein "Programm" nach eigenem Wunsch zusammenzustellen und so quasi den ganzen Tag über "Radio zu hören". Die Medien-wissenschafterin Christine Ehardt - Teilnehmerin des Mentoring-Programms "muV" - begibt sich in ihrer Dissertation auf die Spuren der Kulturgeschichte des Radios zwischen Attraktions- und Massenmedium. Zugleich versucht sie, einen Ausblick auf die Zukunft des Radios in Österreich zu geben.

1924 ging in Österreich der erste Radiosender unter dem Namen "Radio Wien" auf Sendung. Im Mittelpunkt der damaligen Übertragungen stand die klassische Musik. Heute, rund 85 Jahre später, ist das Radio für die meisten Menschen zu einem unverzichtbaren Bestandteil des täglichen Lebens geworden. Doch: Nicht nur das Erscheinungsbild des Mediums, auch seine Rolle in der Gesellschaft hat sich im Laufe der Zeit verändert. Christine Ehardt vom Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft widmet sich in ihrer Dissertation dem kulturgeschichtlichen Aspekt des Radios.

"In meiner Untersuchung ist es mir wichtig, mich nicht nur - wie bisherige Forschungen - auf die Technik- oder Hörspielgeschichte in Österreich zu beschränken", so die Wissenschafterin, die auch am Mentoring-Programm der Universität Wien teilnimmt. Sie will sich in ihrer Arbeit u.a. auf die gesellschaftlichen, politischen und auch wirtschaftlichen Rahmenbedingungen konzentrieren, die ihr im Zusammenhang mit dem Medium Radio relevant erscheinen.

Ehardt sieht ihre Dissertation als eine thematische "Vertiefung" und "Erweiterung" ihrer bisherigen Arbeit. Bereits 2006 forschte die Medienwissenschafterin zu einem verwandten Thema: Sie wirkte am FWF-Projekt "Hörinszenierungen österreichischer Literatur im Radio (1945-2000)" der Theater-, Film- und Medienwissenschafterin Hilde Haider-Pregler, die nun ihre Dissertationsbetreuerin ist, mit.

Vom Attraktionsmedium …

Den Beginn ihrer Untersuchungen setzt die Medienwissenschafterin mit 1883 an. Hier fand die erste Ausstellung, die auch das elektronische bzw. technische Hören thematisierte, statt. Im Zuge dieser Veranstaltung gab es - zumindest für damalige Zeiten – ein besonderes Experiment: Musiker haben an verschiedenen Orten mit ihren Instrumenten gespielt, und die BesucherInnen der Ausstellung konnten via Kopfhörer den Klängen lauschen.

"Das ist für mich ein historischer Punkt, an dem das Verlangen, die Wünsche und Hoffnungen der Menschen gegenüber den Medien besonders stark sichtbar wurden", so Ehardt. Ihre bisherigen Forschungen zeigen: Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts funktioniert Radio nicht als Massenmedium, sondern als Attraktionsmedium. Die Menschen sind fasziniert von den neuen Möglichkeiten, die die Jahrhundertwende - das "Zeitalter der technischen Erfindungen" - mit sich bringt. Ehardt: "Radio wird in dieser Zeit oft zwanglos gemeinsam mit anderen Medien - z. B. mit dem Einsatz von Diaprojektoren - kombiniert."

… zum Massenmedium ...

Doch die Zeiten ändern sich auch für das Radio: "In den 1930er-Jahren wird es zu einem Propagandamedium; in den 1950ern, nachdem das Fernsehen auftaucht, erhält es immer mehr den Status eines Begleitmediums", erörtert die Wissenschafterin. Auch in den 1980er- und 90er-Jahren verändert sich das Erscheinungsbild des Radios. Ehardt: " Es ist eine Zeit des Aufbruchs, in der viele neue Medien, wie z. B. das Internet, auftauchen."

Diese technologischen Veränderungen sind auch für den Rundfunk relevant, denn es entstehen damit neue Nutzungsmöglichkeiten - wie z. B. die Übertragung von Radio über das Internet. Sie führen aber auch zu neuen Herausforderungen für die ProduzentInnen, RedakteurInnen oder ProgrammdirektorInnen der heimischen Radiosender. "Wer heute Musik oder spezielle Beiträge hören will, stellt sich sein 'eigenes Radioprogramm' aus dem vorhandenen Angebot der verschiedensten Sender einfach im Internet zusammen", so die Mentee.

... und zurück?

Für die RadiohörerInnen des 21. Jahrhunderts scheint Individualität an erste Stelle zu stehen. In Bezug auf den Konsum von Radiobeiträgen oder Musik gilt: Qualität kommt vor Quantität. Ehardt: "Ich sehe das derzeitige Angebot im Bereich des Formatradiosektors - wie z. B. bei den Privatradios - kritisch und glaube nicht, dass diese auf ein Massenpublikum ausgerichteten Formate so weiter bestehen können."

Für die Nachwuchswissenschafterin ist klar: In Zukunft wird sich das Programm der Medien immer weiter in ein audiovisuelles Programm verwandeln. "Für diese Zwecke ist der Computer - im Speziellen das Internet - besonders geeignet. Er wird zum neuen Supermedium." Die starre Aufteilung der verschiedenen Medien, wie z. B. im Falle des Fernsehens oder des Radios, wird immer durchlässiger.

Radio intermedial

Auf die Frage, was sie mit ihren Forschungen zum Thema Radio erreichen will, hat Christine Ehardt gleich eine Antwort parat: "Ich möchte aufzeigen, dass Radio keine Beschränkung auf das Akustische sein muss, und dass die Aufteilung in verschiedene Medien nicht mehr wichtig ist. Das 'intermediale Radio' ist die Zukunft." (pp)

Mag. Christine Ehardt vom Theater-, Film- und Medienwissenschaft ist Teilnehmerin des Mentoring-Programms "muV" der Universität Wien. Dieses Programm folgt dem Ziel, Nachwuchswissenschafterinnen durch die Unterstützung von renommierte Professorinnen und Professoren der Universität Wien zu fördern. Im Rahmen ihrer Dissertation, die von Univ.-Prof. i.R. Dr. Hilde Haider-Prengler betreut wird, widmet sich Ehardt der Kulturgeschichte des Radios in Österreich.

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