Wer regelmäßig grünes Gemüse und Pflanzenöl konsumiert, beugt möglicherweise aktiv einer Erkrankung mit Typ II-Diabetes vor. Im EU-Projekt "DIAPLANT", einer Kooperation der Universität Wien und der Comenius-Universität Bratislava, untersucht Karl-Heinz Wagner vom Department für Ernährungswissenschaften die Rolle dieser Lebensmittel in der Prävention und Therapie von "Altersdiabetes". Dabei soll u.a. geklärt werden, ob grünes Gemüse und pflanzliches Öl auch gegen häufige Sekundärerkrankungen von DiabetikerInnen - wie z.B. Krebs - helfen können. |
Weltweit leiden etwa 246 Millionen Menschen an Diabetes mellitus. In Österreich liegt die Zahl der Erkrankten offiziell bei ca. 300.000, die Dunkelziffer ist aber mindestens genauso hoch. Eine Form der "Zuckerkrankheit" - der sogenannte Typ II-Diabetes - wäre in vielen Fällen jedoch vermeidbar, meint Karl-Heinz Wagner: "Diese Erkrankung, auch als Altersdiabetes bezeichnet, ist im Gegensatz zum Typ I-Diabetes nicht angeboren, sondern wird durch Risikoverhalten - wie Rauchen, Bewegungsmangel oder falsche Ernährung - begünstigt."
Im österreichisch-slowakischen Gemeinschaftsprojekt "DIAPLANT" versucht Wagners Team am Department für Ernährungswissenschaft gemeinsam mit den KooperationspartnerInnen von der Medizinischen Fakultät der Comenius-Universität Bratislava sowie KollegInnen aus Australien, Dänemark und Schweden zu beweisen, dass gesunde Ernährung nicht nur präventiv gegen Typ II-Diabetes eingesetzt werden kann, sondern auch in der Therapie großes Potenzial besitzt. Getestet werden soll weiters, ob gesundes Essen auch gegen mit Diabetes assoziierte Folgeerkrankungen wie Krebs oder Herz-Kreislauferkrankungen vorbeugen kann.
Gesunde Nahrungsmittel
Im Zentrum des Projekts stehen zwei Nahrungsmittel, die als gesund gelten: grünes Gemüse wie Brokkoli oder Kohlsprossen sowie pflanzliches Öl. "Wir werden untersuchen, ob diese Lebensmittel den Krankheitsverlauf der PatientInnen tatsächlich positiv beeinflussen", so Wagner. Beim grünen Gemüse sind viele Inhaltsstoffe wie Folsäure und Vitamin K relevant. Pflanzenöl hingegen verfügt über mehrfach ungesättigte Fettsäuren und ist reich an Vitamin E.
Weniger (oxidativer) Stress
Die Inhaltsstoffe unserer Lebensmittel besitzen möglicherweise das Potenzial, oxidativen Stress zu senken", sagt Projektmitarbeiterin Elisabeth Müllner. Oxidativer Stress ist eine Stoffwechsellage, bei der es zur Bildung von freien Radikalen kommt, und die bei Diabetes-PatientInnen besonders häufig auftritt. Freie Radikale können die DNA schädigen; fehlerhaftes Erbgut wiederum begünstigt Krankheiten wie Krebs.
Strangbrüche mit Comet Assay messen
Die geschädigten oder fehlerhaften DNA-Abschnitte dienen den WissenschafterInnen als "Biomarker", mit deren Hilfe sie feststellen können, wie und in welchem Maße das Erbgut auf bestimmte Nährstoffe reagiert. Zum Einsatz kommen dabei zwei Methoden: der sogenannte "Comet Assay" (Einzelzellgelelektrophorese) und die Mikrokernanalyse.
Mit dem Comet Assay können sogenannte Strangbrüche gemessen werden: "Die DNA besteht aus einem Doppelstrang - bei hohem oxidativem Stress können einer oder sogar beide Stränge brechen", erklärt Elisabeth Müllner: "Diese Schäden kann der Körper aber selbstständig wieder reparieren." Geprüft werden soll nun, ob die gewählten Nahrungsmittel die Selbstreparatur der DNA tatsächlich begünstigen.
Mikrokerne als Indizien für Folgeerkrankungen
Als zweite Methode wird die Mikrokernanalyse angewandt. "Bei Mikrokernen handelt es sich um Schäden, die bei der Zellteilung zusätzlich zu den normalen Zellkernen entstehen können", erläutert Wagner. Ihr Vorhandensein ist ein Indiz für mögliche Folgeerkrankungen - allerdings sind die Mikrokerne im Gegensatz zu Strangbrüchen irreparabel: "Richtige Ernährung kann jedoch ihre Bildung reduzieren."
Ablauf der Untersuchung
Im österreichischen Teil des EU-Projekts werden 100 Typ II-DiabetikerInnen acht Wochen lang beobachtet. In dieser Zeit müssen sie täglich 300 Gramm Gemüse und 25 Gramm Pflanzenöl zu sich nehmen. "Um die Veränderungen im Körper festzustellen, nehmen wir den ProbandInnen während und nach den acht Wochen insgesamt vier Mal Blut ab und untersuchen es auf oxidativen Stress, Entzündungsmarker und DNA-Schäden", erklärt Wagner.
Die Ergebnisse werden mit den Resultaten der Zellkulturstudien an der Universität Bratislava verglichen. Aber nicht nur in der grenzüberschreitenden Forschungszusammenarbeit wird Wissenstransfer großgeschrieben: "Ziel des Projekts ist es auch, die Ergebnisse und daraus abgeleitete Verhaltensempfehlungen direkt an die Betroffenen in den beiden Partnerländern weiterzugeben." (pp)
Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Karl-Heinz Wagner vom Department für Ernährungswissenschaften und dem Emerging Field "Oxidative Stress and DNA Stability" leitet den österreichischen Teil des slowakisch-österreichischen Forschungsprojekts "DIAPLANT". Das Projekt, das 2009 startete und bis 2012 läuft, wird von der Europäischen Kommission im Rahmen von "creating the future - Programm zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit Slowakei-Österreich 2007-2013" mit 560.000 Euro gefördert. Die Projektleitung des slowakischen Teils hat Prof. Ing. Z. Ďuračková, PhD von der Medizinischen Fakultät der Comenius-Universität Bratislava inne.
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