Chor und Orchester der Universität Wien bieten allen Universitätsangehörigen die Möglichkeit, sich neben Studium, Forschung und Beruf auch musikalisch zu engagieren. Am Samstag, 20., Montag, 22. und Dienstag, 23. Juni 2009, können sich Interessierte beim Verdi-Requiem in der Nepumukkirche - jeweils um 20.30 Uhr - von den Fähigkeiten der SängerInnen und MusikerInnen überzeugen. "dieUniversität-online" hat die drei bevorstehenden Konzerte zum Anlass genommen und den künstlerischen Leiter des Universitätschors und -orchesters Vijay Upadhyaya zum Interview gebeten. |
Der Chor der Universität Wien geht aus dem im 19. Jahrhundert von Anton Bruckner gegründeten "Akademischen Singverein Wien" hervor. Dieser löste sich nach den Kriegswirren auf. 1994 gründete der studierte Sänger und Dirigent Vijay Upadhyaya den Chor neu. Derzeit musizieren ca. 400 Studierende in sechs verschiedenen Chorgruppen. Im "Voice Club" können sich Anfänger und Liebhaber moderner Musik musikalisch austoben, die "Femmes Vocals" richten sich hingegen konkret an Frauen. Weitere Chöre sind: der "Kammerchor", das "Vienna Vocal Consort", der "Symphonische Chor" und der "Frauen-Chor". Das Orchester der Universität Wien, das von Upadhyaya 1999 neu konzipiert wurde, besteht aus ca. 70 Instrumentalisten. Hier besteht für die MusikerInnen die Möglichkeit gemeinsam mit dem Chor oder in einem kleineren Ensemble, das sich auf Kammermusik spezialisiert hat, aufzutreten.
Redaktion: Was fasziniert Sie am universitären Musizieren?
Vijay Upadhyaya: Der Chor und das Orchester der Universität Wien haben eine lange Geschichte. Der Universitätschor, vormals akademischer Sing- und Orchesterverein der Jahrhundertwende, ist sogar mit Anton Bruckner in Verbindung zu bringen. Er hat an der Universität Wien seinen Ehrendoktor bekommen und war hier auch Lektor. Nach einer fast hundertjährigen Pause durfte ich den Chor 1994 wieder neu gründen und das Orchester 1999 konzipieren. Das war eine besondere Herausforderung für mich. Nun sind wir mit dem neugegründeten Chor schon im 15. und mit dem Universitätschor schon im achten Studienjahr.
Redaktion: Wie sind Chor und -orchester im universitären Leben einzuordnen? Wie profitiert die Universität Wien von diesen Institutionen?
Upadhyaya: Bei uns kann man sich neben dem universitären auch ein musikalisches Wissen aneignen. Außerdem ist es möglich, auch Konzerterfahrung zu sammeln, da Chor und Orchester im Jahr im Durchschnitt an die 30 Konzerte geben. Die Mitglieder sehen sich als BotschafterInnen der Universität. Mit unseren Auftritten tragen wir die Marke "Universität Wien" in die Welt hinaus. Um dies zu verdeutlichen: Die Website des Chors und des Orchesters hat täglich 400 Zugriffe, das sind 12.000 Leute im Monat. So kann man uns durchaus als eine musikalische Ressource sehen, auf die die Universität immer zurückgreifen kann.
Redaktion: Welche künstlerische Ausrichtung haben Chor und Orchester?
Upadhyaya: Wir haben jedes Jahr ein neues Thema. Nächstes Jahr ist Musik aus Lateinamerika an der Reihe. Also Salsa, Bossa Nova, Samba und andere typische lateinamerikanische Musik. Im Durchschnitt singen SängerInnen und musizieren InstrumentalistInnen bis zu fünf Jahre bei uns. Das ist einer der großen Vorteile, wenn man bei uns mitmacht: Bleibt man diese Jahre so hat man fünf verschiedene musikalische Richtungen miterlebt und-gestaltet.
Redaktion: Was muss man mitbringen, um beim Chor oder im Orchester mitwirken zu können?
Upadhyaya: Mitmachen kann grundsätzlich jede und jeder. Allerdings muss man, um beim Universitätsorchester mitspielen zu können, bereits ein Instrument gut beherrschen. Beim Chor sieht es ein wenig anders aus: Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, um einzusteigen. Man muss vorsingen und wird dann aufgrund dessen in fünf Stufen eingeteilt. Jedes Jahr gibt es dazu von Oktober bis November einen AnfängerInnenkurs, der auf dieses Einstufungssingen vorbereitet.
Redaktion: Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen? Upadhyaya: Leider haben wir noch zu wenig Universitätsangestellte in unserem Chor und Orchester. Die meisten unserer Mitglieder sind noch Studierende. Aber wir haben auch zwei AkademikerInnenchöre. Wichtig ist: Wir sind keine exklusiver Chor für StudentInnen. Wir wollen auch ProfessorInnen, AssistentInnen und MitarbeiterInnen der Universität animieren, bei uns mitzumachen. Viele von ihnen haben schon einmal ein Instrument gelernt; und gerade im Orchester können wir immer neue talentierte MusikerInnen gebrauchen. Im Herbst ist es zudem angedacht, ein eigenes Orchester speziell für diese Personengruppe zu gründen.
Redaktion: Gibt es zukünftige Veranstaltungen auf die sie sich besonders freuen?
Upadhyaya: Am Samstag, den 20. Juni, werden der Chor und das Orchester das Requiem von Giuseppe Verdi zu ersten Mal aufführen. Dieses Requiem gilt als Verdis beste Oper und ist vor allem für die Sänger und SängerInnen eine große Herausforderung. Wir sind der einzige Laienchor, der es sich leisten kann, - sowohl stimmlich als auch finanziell - dieses Requiem vorzutragen. An diesem Konzert nehmen 80 MusikerInnen aus dem Orchester und 200 SängerInnen aus dem Universitätschor teil. Diese Veranstaltung ist auch der Atmosphäre wegen etwas Besonders. Ein geistliches Werk in einem geistlichen Rahmen in der Nepumukkirche aufzuführen, lässt ein musikalisches Erlebnis der besonderen Art erwarten.
Redaktion: Wenn Sie den Chor mit drei Worten beschreiben müssten, welche wären das?
Upadhyaya: Da fallen mir spontan Tradition, Revolution und Offenheit ein: Tradition, weil wir großen Wert auf den Erhalt der traditionellen Musik legen. Revolution und Offenheit, weil wir Neuem offen gegenüber stehen und auch offen für neue Mitglieder sind.
Konzerte des Chors und des Orchesters der Universität Wien: Requiem von Giuseppe Verdi Samstag 20., Montag 22. und Dienstag 23. Juni 2009, jeweils um 20.30 Uhr Nepumukkirche, Nepomukgasse 1, 1020 Wien Einladung (PDF)
Karten: 16 Euro Abendkasse, 11 Euro beim Portier im Hauptgebäude der Universität Wien |