![]() Dachbereich des Hauptgebäudes der Universität Wien, 1945. Fotos: Archiv der Universität Wien ![]() Bibliothekszugang, 1945. ![]() Juristenstiege mit der Statue Kaiser Franz Josephs, 1945. ![]() Innenhof, 1945. Institut für Zeitgeschichte Universitätsarchiv Studieren an der Universität Wien zwischen 1945 und 1955Kurt Schubert: "Unser Haus für das neue Österreich!" |
Die Wiedereröffnung der Universität Wien am 2. Mai 1945 |
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| 1945-55 | |
| Anna Kim (Redaktion) am 2. Mai 2005 | |
24 Bomben trafen während des Zweiten Weltkriegs das Hauptgebäude der Universität Wien, mehr als 500 StudentInnen bauten die Universität und ihre Institute wieder auf. Nachdem von insgesamt 770 UniversitätslehrerInnen 322 zwischen 1938 und 1945 entlassen, vertrieben oder deportiert worden waren, sollten nach Kriegsende nur 92 ProfessorInnen und DozentInnen wieder an die Universität Wien zurückkehren. |
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Jede Geschichte hat eine Vorgeschichte. Dass die Universität Wien heute vor 60 Jahren, am 2. Mai 1945, unter schwierigen Bedingungen wieder eröffnet werden konnte, hatte die unrühmlichen Jahre des Zweiten Weltkriegs zur Voraussetzung. Nationalsozialistische Säuberungswelle Am 22. März 1938 fand unter Rektor Fritz Knoll, einem Botaniker, der zum "kommissarischen Leiter" ernannt worden war, die Vereidigung der ProfessorInnen der Universität Wien auf den "Führer" statt. In diese Zeit fällt die erste und größte nationalsozialistische Säuberungswelle des Lehrkörpers, die durch Dekrete des Unterrichtsministers und Professors für Urgeschichte, Oswald Menghin, am 22. April 1938 amtlich bekräftigt wurde. An diesem Tag allein wurde 252 UniversitätslehrerInnen der Lehrauftrag entzogen. Ende Mai folgte der nächste Schritt ? die Zwangspensionierung und Entlassung der jüdischen BeamtInnen. All dies war ein herber Rückschlag vor allem auch für die österreichische Wissenschaft: "Die Folgen dieses massenhaften, kulturellen Exodus wurden niemals kompensiert. Dieses Defizit wirkte sich mindestens bis in die 1970er Jahre aus", so ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Friedrich Stadler vom Institut für Zeitgeschichte. Wiederaufbau mit Hilfe von "EinsatzstudentInnen" Der Wiederaufbau des Hauptgebäudes am Ring und der verschiedenen Institutsgebäude begann zunächst auf administrativer Ebene: Für Sonntag, den 15. April 1945, berief Kurt Schubert, der spätere Ordinarius am Institut für Judaistik, eine Professorenkonferenz im Institut für Ägyptologie und Afrikanistik in der Frankgasse 1 ein. Sechs Professoren von insgesamt 20 angeschriebenen meldeten sich auf Schuberts Aufruf, der über Studierende der Katholischen Studentenseelsorge zugestellt worden war ? unter deutschem Artilleriebeschuss und trotz russischer Sperren. Sie übertrugen Schubert für drei Tage die provisorische Rektorenwürde (anschließend wurde Ludwig Adamovich zum Rektor gewählt), um die Eröffnung der Universität durchzuführen. Noch am selben Tag wurde an mehreren Bäckereien und "Bezirksbürgermeisterämtern" angekündigt, dass alle StudentInnen, die sich für das Sommersemester inskribieren wollten, unverzüglich zur Universität kommen und einen zehnstündigen Räumungsdienst leisten sollten. Schon in den ersten Wochen meldeten sich 300, Ende April 500 "EinsatzstudentInnen". Ihre Aufgaben waren neben dem Wiederaufbau u.a. die provisorische Beerdigung gefallener Soldaten sowie der Schutz der Universitätsinstitute vor Plünderungen. Für besondere Verdienste wurden Prämien verteilt, beispielsweise ein Laib Brot und 500 g Zucker. Die Inskriptionsfrist begann am 2. Mai, Semesterbeginn war am 28. Mai 1945. Entnazifierungsmaßnahmen Auch auf personeller Ebene wurde der Wiederaufbau in Angriff genommen. Dr. Kurt Mühlberger vom Universitätsarchiv spricht von 61 Prozent des Lehrkörpers, der zwischen 1938 und 1945 vertrieben wurde, sei es aus rassistischen oder politischen Gründen. Viele von ihnen wurden verhaftet und deportiert, wurden in Konzentrationslagern ermordet oder flohen in Länder wie die USA, Großbritannien, Australien oder Brasilien. Am stärksten waren die (damalige) Rechts- und Staatswissenschaftliche und die Medizinische Fakultät betroffen. Sie mussten einen Verlust von 55 bzw. 53 Prozent des Lehrkörpers hinnehmen. Lediglich 92 ProfessorInnen und DozentInnen, also 29 Prozent der Vertriebenen, kehrten letztlich zurück. Der personelle Wiederaufbau erwies sich als Problem der so genannten "Vergangenheitsbewältigung". Wegen der totalitären Struktur des NS-Regimes gab es viele belastete oder minder belastete Nationalsozialisten. So wurden an den Universitäten Entnazifizierungskommissionen sowohl für Lehrende als auch für Studierende eingerichtet. Reintegration ehemaliger Nationalsozialisten Die Entnazifierung, die kurz nach dem Krieg noch sehr ernst genommen worden war, wurde ab 1947, wie Friedrich Stadler beschreibt, "eher nachlässig, passiv gelöst". Anfänglich wurden schwer Belastete außer Dienst gestellt, später jedoch, im Zuge der "Normalisierung" und des Kalten Krieges, fuhren die politischen und wissenschaftlichen Eliten einen "sanfteren Kurs", so Stadler: "Das heißt, es gab Wiedereinstellungen, Pardonnierungen, Pensionierungen und Emeritierungen." Dies führte zu einer Integration bzw. Teil-Integration ehemaliger NSDAP-Mitglieder und von WissenschaftlerInnen, die zwar keine Mitglieder gewesen waren, aber durch ihre Lehre und Forschung im Sinne der NS-Ideologie gewirkt hatten. (ak)
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