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Den Ursachen für das so genannten "Foxing" (rote Flecken auf der abgebildeten Buchseite) wollen die MikrobiologInnen mit Hilfe von DNA-Analysen auf die Spur kommen.


Institut für Mikrobiologie und Genetik
Istituto Centrale per la Patologia del Libro
DNA-Analysen gegen bibliophile Mikroorganismen
Forschungsprojekte
Roland Dreger (Redaktion) am  4. November 2004

Sie haben alte Bücher zum Fressen gern: Bakterien, Pilze und Insekten sind neben diversen Umwelteinflüssen hauptverantwortlich für die Zerstörung historischer Papier- und Pergamentobjekte. Im Rahmen eines soeben begonnenen FWF-Projekts rückt man den Mikroorganismen nun mit DNA-Fingerprints zu Leibe.

Die modernen Analysemethoden aus der Molekularbiologie sollen helfen, den Vorgang der Zerstörung besser zu verstehen, und letztlich neue Impulse für Restaurierung und Konservierung liefern. Das Institut für Mikrobiologie und Genetik der Universität Wien arbeitet dabei im Rahmen des Projekts "Mikrobielle Kolonisierung von Papier und Pergament" eng mit dem Istituto Centrale per la Patologia del Libro (ICPL) in Rom zusammen. Von dem auf Papierrestaurierung spezialisierten Institut werden auch die Papier- und Pergamentproben bereitgestellt. Bewährte Methoden neu eingesetzt Zerstörerische Bewohner von Kunstwerken aller Art sind am Institut für Mikrobiologie und Genetik mittlerweile seit zehn Jahren Gegenstand der Forschung. Für deren Identifizierung adaptierten die WissenschafterInnen ihre molekularbiologischen Methoden und konnten damit schon so manchen mikrobiellen Kunstbanausen dingfest machen. "Bei Papier und Pergament werden diese Techniken jetzt allerdings das erste Mal zum Einsatz kommen", erläutert die Leiterin des Projekts, Dr. Guadalupe Pinar. Ökologische Nische für Mikroorganismen Die Mikrobiologin erwartet sich davon ein besseres Verständnis über die vielfach noch unerforschten und sehr komplexen mikrobiellen Lebensgemeinschaften, deren Existenz sich klassischen Untersuchungsmethoden weitgehend entzieht. Geplant ist zudem ein umfassender Katalog dieser sehr oft hoch spezialisierten Mikroorganismen. Diese nützen zum Teil Papier- und Pergamentseiten als ökologische Nische. Zerstörungswerk meist unübersehbar Die Auswirkungen der Kolonisierung durch Mikroorganismen sind vielfältig: Schäden durch biochemische Stoffwechselprodukte, mechanische Zerstörung, Flecken und Verfärbungen von gelb über rot bis violett. Darunter sehr weit verbreitet das so genannte "Foxing" - runde rötliche Flecken, die sich in großer Zahl auf den Seiten alter Bücher breit machen. Über den Auslöser ist die Fachwelt bisher uneins. Untersuchungen mittels klassischer Kultivierungstechniken brachten unterschiedliche Pilze als potenzielle Verursacher zu Tage. DNA-Untersuchungen könnten diesbezüglich nun endgültig Klarheit schaffen, hofft Pinar.  Nur 0,1 bis 10 Prozent kultivierbar Die modernen Verfahren haben gegenüber der klassischen Kultivierung gleich mehrere Vorteile: Zum einen hängt das Ergebnis beim Kultivieren sehr stark vom Nährmedium sowie der Temperatur ab, zum anderen können dabei schnell wachsende Arten über andere dominieren. Nur etwa 0,1 bis 10 Prozent der Mikroorganismen, so schätzen die ForscherInnen der Universität Wien, können mit Kultivierungsmethoden überhaupt angezüchtet werden. Und nicht unwesentlich bei wertvollen historischen Objekten: Es wird sehr viel weniger an Probenmaterial benötigt - einige Milligramm reichen aus. Modernes Papier hat schlechtere Qualität  Vom Befall durch Bakterien und Pilze betroffen sind durchaus nicht nur alte Bücher. Die moderne Papiererzeugung und das Recycling von Papier führen dazu, dass die Kontamination mit Mikroorganismen bereits bei der Erzeugung des Papiers beginnt. "Die Qualität des Papiers von heute ist etwa im Vergleich zu dem aus dem Mittelalter sehr viel schlechter", bemerkt Guadalupe Pinar. "Es ist leichter zu kontaminieren und hält wesentlich kürzer."  Hilfestellung bei der Restaurierung Von den Forschungsergebnissen profitieren könnten vor allem RestauratorInnen. Denn nicht immer ist eine Restaurierung der alten Objekte auch mit Erfolg gekrönt, weiß die Mikrobiologin: "Bei falscher Restaurierung kann die Zerstörung danach oft noch größer sein als zuvor - dann etwa, wenn die Bakterien das eingesetzte Biozid als Nährstoff nützen." Ein wesentliches Ziel des Projekts ist es deshalb, die Effektivität und Langzeitwirkung der eingesetzten Restaurierungsmaßnahmen zu überprüfen und gemeinsam mit den RestauratorInnen Verbesserungen zu erarbeiten. (ro)  

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