Gerhard Drekonja, langjähriger Professor für Außereuropäische Geschichte an der Universität Wien, ist im März 2010 von der Universidad del Norte in Barranquilla (Kolumbien) mit dem Titel "Profesor Honorario" geehrt worden. Mit der Verleihung bedankt sich die Privatuniversität beim mittlerweile emeritierten Lateinamerika-Experten für dessen tatkräftige Unterstützung beim Aufbau eines neuen Magisterprogramms für Internationale Beziehungen. |
Die Universidad del Norte ist eine Privatuniversität in der kolumbianischen Industrie- und Hafenstadt Barranquilla. Mit der Ehrung, die nicht mit dem in Wien verliehenen "Honorarprofessor" verwechselt werden darf, wird Gerhard Drekonja lebenslang zu einem Mitglied des Kollegiums. Gleichzeitig markiert sie auch den Schlusspunkt einer mehrjährigen intensiven Kooperation mit der kolumbianischen Hochschule, deren Ziel die Errichtung eines Magisterprogramms ("Maestría") für Internationale Beziehungen mit Schwerpunkt EU gewesen ist.
"Konnte sehr viel bewegen"
"Die Universidad del Norte hat mich noch in meiner aktiven Zeit als Professor in Wien eingeladen, an einer Reihe von Kurzzeitseminaren teilzunehmen. Als ich dann Emeritus war, wurde ich gefragt, ob ich nicht länger bleiben möchte, um gemeinsam mit KollegInnen die Maestría aufzubauen", schildert Drekonja das Zustandekommen der Zusammenarbeit. Diese Einladung habe er dann auch angenommen und ab 2008 drei Wintersemester als Gastprofessor in Barranquilla verbracht. "In dieser relativ kurzen Zeit konnte ich sehr viel bewegen. Das neue Magisterprogramm ist im Jänner 2010 offiziell eröffnet worden", freut sich Drekonja.
Dass der österreichische Lateinamerika-Experte bei den kolumbianischen KollegInnen derart gefragt ist, hat er eigenen Angaben zufolge seinem guten Ruf zu verdanken: "Mein Name als Autor ist in Kolumbien vor allem bei AkademikerInnen, die sich mit Außenpolitik beschäftigen, sehr bekannt." Ausschlaggebend hierfür war bereits eine seiner früheren Lehrtätigkeiten an der Universidad de los Andes in Bogotá. Dort entstanden um 1980 einige Texte zur Außenpolitik Lateinamerikas und der Dritten Welt, die noch heute als Lehrbücher große Anerkennung finden.
Universität Wien - bekannt in Kolumbien
Den Empfang des Titels "Profesor Honorario" empfindet Drekonja als "große Ehre", die letztendlich nicht nur ihm als Person, sondern auch der Universität Wien zugutekomme. Zum Beleg hierfür verweist der frischgebackene Ehrenträger auf eine Reihe von kolumbianischen Medienberichten zu Kongressen, in denen er als prominenter Redner und Vertreter der Wiener Hochschule genannt wird: "Durch die Ehrung bzw. die Kooperation im Allgemeinen ist die Universität Wien in Kolumbien ein Begriff geworden. Österreich wird in Barranquilla heute ganz bestimmt nicht mehr mit Australien verwechselt."
Kolumbianisches Universitätssystem
Die Universidad del Norte beschreibt der selbsternannte "Lateinamerika-Vagabund", der sich neben seiner akademischen Tätigkeit unter anderem auch als Korrespondent, Entwicklungsexperte, Risk-Analyst und Feldforscher seine Sporen verdiente, als eine sehr ehrgeizige Privatuniversität. Die Bildungseinrichtung, die mittlerweile seit 40 Jahren besteht, ist Heim für rund 6.000 StudentInnen. "Wer dort studieren will, muss zwar recht tief in die Tasche greifen, kann dafür aber auch eine echte Dienstleistung vom Lehrpersonal erwarten, das unter großem Leistungsdruck steht", schildert er. StudentInnen aus ärmeren Einkommensschichten werde mit einem reichhaltigen Stipendienprogramm unter die Arme gegriffen.
Was die generelle Situation und Qualität der Universitätslandschaft in Kolumbien betrifft, lässt sich laut Drekonja kein pauschales Urteil abgeben: "Die Privatuniversitäten orientieren sich weitgehend am nordamerikanischen Leistungssystem. Die öffentlichen Universitäten haben hingegen mit schweren politischen und sicherheitstechnischen Problemen zu kämpfen, die mitunter auch Anlass dafür sein können, dass StudentInnen ganze Semester verlieren." (ms)
Emer. Univ.-Prof. Dr. Gerhard Drekonja wurde im März 2010 von der Universidad del Norte in Barranquilla mit dem Titel "Profesor Honorario" geehrt.
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