Mit dem Antritt der Professur für "Theorie des Films" am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft ist Univ.-Prof. Dr. Elisabeth Büttner, M.A., sozusagen an die Universität Wien "zurückgekehrt", um das aufzubauen, was ihr während ihres eigenen Studiums hier gefehlt hat: Nach vier Semestern im damaligen Studiengang Theaterwissenschaft wechselte die film- und medienbegeisterte Studentin Anfang der 1980er Jahre an die Freie Universität Berlin, wo es bereits eine Professur für Film und einen diesbezüglichen Studienschwerpunkt gab.
25 Jahre später, in denen Büttner neben ihrer Habilitation eine lange Reihe von Publikationen verfasst sowie außeruniversitäre Forschungs- und Lehraufträge an deutschen und österreichischen Universitäten und Fachhochschulen wahrgenommen hat, ist sie nun selbst die erste "Filmprofessorin" Österreichs.
Besondere Situation am Institut mitdenken
Denn auch das Fach Theaterwissenschaft hat sich seit Büttners Studienzeit weiterentwickelt und an gesellschaftliche wie technologische Veränderungen angepasst, was sich nicht nur in einer inhaltlichen und methodischen Rekonzeptualisierung, sondern auch in einer Umbenennung widerspiegelt: "Im Jahr 1999 erfolgte die Namenserweiterung auf Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft", erzählt Büttner: "Seither sind die Studierendenzahlen explodiert: Wir haben zurzeit über 4.000 StudentInnen."
Aber nicht nur die hohen Studierendenzahlen stellen die neue Professorin vor eine didaktische Herausforderung: "Wir haben es hier mit einer besonderen Übergangssituation zu tun", erklärt Büttner: "Zum einen findet am Institut gerade ein kompletter Generationenwechsel auf der Ebene der ProfessorInnen statt. Zum anderen gilt es, den neuen, mehrgliedrigen Studienplan für die Studierenden auf den Weg zu bringen und dabei die drei Sektoren Theater-, Film- und Medienwissenschaften gleichberechtigt zu integrieren sowie die Bologna-Studienarchitektur zu implementieren."
Film in seiner ursprünglichen Form
Neben der kompakten Vermittlung von Wissensgrundlagen der Film-, Theater- und Medienanalyse legt Elisabeth Büttner in der Lehre besonderen Wert darauf, bei den Studierenden Begeisterung für "ihren Gegenstand" zu wecken. "Ich unterrichte leidenschaftlich gerne", sagt die Neo-Professorin, der es ein Anliegen ist, das Bewusstsein ihrer StudentInnen für die Zusammenhänge zwischen Bild und Gesellschaft, Bild und Wirklichkeit sowie Bild und Körper zu schärfen.
Dabei ist es Büttner wichtig, den StudentInnen das Medium Film in seiner ursprünglichen Materialität und den entsprechenden Formaten nahe zu bringen: "Die Studierenden sollen den Film in jener Form sehen, für die er konzipiert wurde - nicht nur über die Medien Video oder YouTube", so die Filmprofessorin: "Dazu gehört auch, dass der/die ProfessorIn den einen oder anderen Sonntagabend gemeinsam mit den Studierenden im Kino verbringt." Hier wird das Institut in Zukunft verstärkt mit außeruniversitären Einrichtungen, etwa dem Österreichischen Filmmuseum oder dem Filmarchiv Austria, aber auch mit Wiener Programmkinos wie dem Schikaneder-Kino, kooperieren.
"Fühler" nach Osten ausstrecken
In der Forschung nimmt Büttner die geographische Lage der Stadt Wien zum Anlass, um die institutionellen "Fühler" stärker gegen Osten auszustrecken: "Budapest, Prag oder Moskau zum Beispiel haben exzellente filmwissenschaftliche Institutionen. Hier möchte ich einen gemeinsamen Forschungscluster aufbauen, der u.a. Fragen nach der Historizität des Wissens und des Kinos stellt." Darüber hinaus plant die Professorin, einen internationalen Forschungsschwerpunkt zum Thema "Bilderwissen des Gestischen" zu etablieren.
Auch die Internationalität und der wissenschaftliche Austausch am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft sollen künftig mehr gefördert werden. Hier plant die Filmwissenschafterin ein "Scholar in Residence"-Programm: "Ich werde international renommierte ExpertInnen für etwa einen Monat pro Semester nach Wien einladen und sowohl in die Lehre als auch in die film- und medienwissenschaftliche Diskussion am Institut einbinden."
Gedächtnis der Bilder
Weiters steht die Auseinandersetzung mit dem Thema Archivierung von audiovisuellen Materialen bevor: "Das ist eine Frage der Infrastruktur, mit der sich medienwissenschaftliche Institutionen auf der ganzen Welt beschäftigen: Wie machen wir unsere Materialien verfüg- und haltbar?", beschreibt Büttner die Herausforderung: "Wir stehen vor der Aufgabe, der Gesellschaft ein 'Gedächtnis der Bilder' bereitzustellen."
Filmstadt Wien
An der Universität Wien begeistert die Filmwissenschafterin neben der guten Organisation vor allem die fachliche Vielfalt: "Viele Disziplinen setzen sich auf die eine oder andere Weise mit dem Thema Film auseinander, daraus ergeben sich zahlreiche spannende Anschluss- und Kooperationsmöglichkeiten." Aber auch außeruniversitär hat Wien einiges zu bieten: "Viele großartige Institutionen beschäftigen sich mit Film bzw. sind filmvermittelnd tätig und schaffen eine inspirierende Atmosphäre", schwärmt die großstadtbegeisterte neue Professorin: "Wien war, ist und bleibt eine Filmstadt." (br)
Die Antrittsvorlesung von Univ.-Prof. Dr. Elisabeth Büttner mit dem Titel "Der Sprung in den Bildern. Filmästhetik als Produzent von Geschichtlichkeit" findet am Mittwoch, 28. Mai 2008 um 17 Uhr im Kleinen Festsaal der Universität Wien statt. |