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Martin Hopf bei seiner Antrittsvorlesung am Montag, 16. März 2009. Im Hintergrund Christoph Dellago, Dekan der Fakultät für Physik.


Vizerektorin Christa Schnabl begrüßte die Anwesenden ...


... im Lise-Meitner-Hörsaal der Fakultät für Physik.


Porträt über Martin Hopf CV Martin Hopf Österreichisches Kompetenzzentrum für Didaktik der Physik
Entwicklung des Physikunterrichts - Aspekte fachdidaktischer Forschung
Antrittsvorlesungen
Gastbeitrag von Martin Hopf am 18. März 2009

Martin Hopf hielt am 16. März 2009 seine Antrittsvorlesung zum Thema "Entwicklung des Physikunterrichts: Aspekte fachdidaktischer Forschung". In einem Gastbeitrag hat der Professor für Physikdidaktik und Leiter des Österreichischen Kompetenzzentrums für Didaktik der Physik seine Antrittsvorlesung zusammengefasst.

Wie die großen Vergleichsstudien TIMSS und PISA gezeigt haben, liegen die Leistungen österreichischer SchülerInnen im Mittelfeld. Andere Studien belegen, dass Physik zu den schwierigsten und unbeliebtesten Schulfächern zählt. In Anbetracht des stetig steigenden Bedarfs an naturwissenschaftlich ausgebildeten ArbeitnehmerInnen besteht dringender Handlungsbedarf. Diese Frage fällt in den Kernbereich des Tätigkeitsgebiets der Physikdidaktik: Dort wird das Lehren und Lernen der Physik wissenschaftlich untersucht.

Dabei geht es zum Beispiel darum, Wirkungsmechanismen zu identifizieren, die es SchülerInnen erleichtern, Physik zu lernen. Versteht man Physikdidaktik als nutzenbasierte Grundlagenforschung, so stellen sich zwei Herausforderungen: Zum einen geht es darum, den Wissensstand über den Verlauf von Lernprozessen zu erweitern, zum anderen aber den Physikunterricht weiter zu entwickeln und zum Beispiel lernwirksame Unterrichtsmaterialien bereitzustellen.

Alltagsvorstellungen versus physikalische Beschreibungen

Die besondere Schwierigkeit dabei liegt aus wissenschaftlicher Sicht unter anderem darin, dass SchülerInnen mit Vorstellungen in den Unterricht kommen, die sich im Alltag bewähren. Oft sind diese Vorstellungen aber nicht mit physikalischen Beschreibungen vereinbar. So haben unsere Alltagserfahrungen uns überzeugt, dass eine Kraft dazu dient, eine Bewegung aufrecht zu erhalten. Physikalisch betrachtet ist aber eine Kraft zur Änderung einer Bewegung notwendig.

Bedarf an Unterstützungsmaßnahmen identifizieren

Forschungsergebnisse belegen, dass Physikunterricht nur dann erfolgreich ist, wenn diese Vorstellungen berücksichtigt werden. Allein der Einsatz neuer Experimente oder Medien verbessert das Lernen der Kinder und Jugendlichen ebenso wenig wie die Variation von Unterrichtsmethoden. Vielmehr ist es wichtig, genau zu analysieren, welche Unterstützungsmaßnahmen an welcher Stelle des Lernprozesses besonders gut von SchülerInnen akzeptiert werden. Durch ein solches Vorgehen kann Physikunterricht konstruiert werden, bei dem Jugendliche größere Lernerfolge als bei traditionellem Unterricht erreichen können.

Projekt: Neue Sachstruktur im Unterricht testen

Im Rahmen eines größeren Forschungsprojektes wird der Einfluss einer solchen Sachstruktur im Bereich der Newton´schen Mechanik in Schulstufe 7 untersucht. Dabei wird eine Sachstruktur verwendet, die von zweidimensionalen Bewegungen direkt zur Dynamik überleitet. Zentraler Aspekt ist dabei die Einführung der Geschwindigkeitsänderung als eigenständige Größe und die Verwendung der integralen Form der Newtonschen Bewegungsgleichung.

Es zeigen sich dabei ermutigende erste Ergebnisse: SchülerIinnen, die nach der neuen Sachstruktur unterricht wurden, zeigen signifikant höheres fachliches Verständnis. Besonders gut gelingen die Vermittlung des Geschwindigkeitsbegriffs und die Anbahnung des Zusammenhangs zwischen Kraft und der Änderung einer Bewegung. Daneben zeigen diese Jugendlichen sowohl höheres Interesse am Physikunterricht als auch mehr Selbstvertrauen.

Alternative zu traditionellem Physikunterricht

Falls sich diese Ergebnisse im Verlauf dieser Untersuchung erhärten, könnte eine Erfolg versprechende Alternative zu traditionellem Physikunterricht identifiziert werden, die für die Schulpraxis hohe Relevanz besitzt.
Die Identifikation wirksamer Sachstrukturen – auch in anderen Inhaltsgebieten der Physik - und besonders deren empirische Untersuchung stellen ein langfristiges Forschungsprogramm der Physikdidaktik dar, von dem die Schulpraxis enorm profitieren kann.

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