Als Mädchen den Traumberuf Mathematikerin anzustreben, ist gar nicht so einfach. Vorurteile und mangelnde Vorbilder erschweren vielen Frauen die mathematische Laufbahn. Dem will die Fakultät für Mathematik u.a. im Rahmen eines Frauenförderungsprojekts aktiv entgegenwirken. Ein symbolisches Zeichen wird am Mittwoch, 28. April 2010 mit der Umbenennung eines Hörsaals nach einer international bekannten Absolventin gesetzt: Der neue Olga Taussky-Todd Raum (vormals Seminarraum C 209) wird um 16 Uhr feierlich durch Vizerektor Johann Jurenitsch eröffnet. |
"Gerade zu Beginn unseres Mathematikstudiums sahen wir uns oft mit bestimmten Vorurteilen konfrontiert", erinnern sich Julia Neidhardt und Liselotte Tschepen, Mitarbeiterinnen im Frauenförderungsprojekt der Fakultät für Mathematik: "Kommentare waren zum Beispiel: Ein etwas ungewöhnliches Studium für eine Frau, nicht? Gibt es das überhaupt - Mathematikerinnen? Oder: Hat je eine Frau wissenschaftliche Beiträge in diesem Fach geliefert?"
Solche Fragen sind für junge Mathematikstudentinnen oft schwer zu beantworten, denn auch die Lehrenden in dieser Studienrichtung sind zum Großteil Männer. Allerdings werden viele Tutorien von Studentinnen gehalten. In den Einführungsvorlesungen über die historische Entwicklung der Mathematik ist jedoch meist nur von Mathematikern die Rede.
Hilda Geiringer und Olga Taussky-Todd: Bekannte Absolventinnen der Universität Wien
"Als Studentinnen stießen wir aber im Internet auf die Biographiensammlung von Mathematikerinnen des Agnes Scott Colleges. Auf dieser Seite fanden wir auch zwei Absolventinnen der Universität Wien: Hilda Geiringer und Olga Taussky-Todd. Ihre Biographien haben uns sehr beeindruckt und wir haben uns überlegt, wie man die Leistungen dieser Frauen an der Universität Wien sichtbar machen könnte."
Auf der Ehrentafel der Fakultät für Mathematik werden nur Personen vermerkt, die offiziell im Personalstand der Universität Wien sind - was weder Taussky-Todd noch Geiringer je waren. Harald Rindler, dem Dekan der Fakultät für Mathematik und Vorstand des Instituts für Mathematik, war es jedoch ein wichtiges Anliegen, jungen Studentinnen geeignete Vorbilder zu präsentieren. "Gemeinsam mit Professor Karl Sigmund entwickelten wir daraufhin die Idee eines Olga Taussky-Todd Raums an unserer Fakultät. So stoßen junge Mädchen in Zukunft bereits beim Durchblättern des Vorlesungsverzeichnisses auf den Namen einer bedeutenden Mathematikerin. Und nicht nur das: Im Wintersemester 2010 tritt auch die erste weibliche Mathematikprofessorin ihre Stelle an der Universität Wien an", so Neidhardt und Tschepen.
Olga Taussky-Todd
Die Mathematikerin Olga Taussky-Todd studierte von 1925 bis 1930 in Wien und dissertierte bei Philip Furtwängler über Zahlentheorie. Durch mehr als 200 wissenschaftliche Arbeiten, insbesondere zur linearen Algebra, zur Matrizentheorie, zur numerischen Mathematik oder zur algebraischen Zahlentheorie, wurde Olga Taussky Todd zu einer der bekanntesten und vielseitigsten Mathematikerinnen des 20. Jahrhunderts.
Festakt am Mittwoch, 28. April 2010
Der Festakt zur offiziellen Eröffnung des Olga Taussky-Todd Raums findet im Rahmen des mathematischen Kolloquiums statt. Nach der Begrüßung durch Dekan Harald Rindler eröffnet Vizerektor Johann Jurenitsch den neu getauften Raum. Anschließend sprechen Julia Neidhardt und Liselotte Tschepen über die Hintergründe der Umbenennung, bevor Karl Sigmund "über Olga Taussky-Todd" referiert. Nach einer abschließenden Lesung von Auszügen aus der Autobiographie von Olga Taussky-Todd wird zum Buffet geladen.
Eröffnung des Olga Taussky-Todd Raums Mittwoch, 28. April 2010, 16 Uhr im Olga Taussky-Todd Raum (früher Seminarraum C 209), UZA 4 Nordbergstraße 15, 1090 Wien
Einladung (PDF)
Literaturtipp: Broschüre: "Wiener Mathematikerinnen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts" von Brigitte Bischof, hrsg. von X2 - Frauenförderungsprojekt der Fakultät für Mathematik der Universität Wien (Julia Neidhardt und Liselotte Tschepen), Druckerei Fiona, Wien 2008. Weitere Informationen |