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Die Archäologin Brigitte Cech bei der Verleihung des FWF-Preises für Wissenschaftskommunikation. Sie wird Schulkinder in die Ausgrabungsarbeiten einbinden. Foto: Marc Seumenicht/FWF


Ausgrabungen in Hüttenberg: Brigitte Cech mit Studentinnen des UCL (University College London). Fotos: Brigitte Cech


Die Grabungsschnitte des Jahres 2005 mit vier Schmelzöfen.


Freilegen eines Schmelzofens.


Institut für Ur- und Frühgeschichteder Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät Institut für Klassische Archäologieder Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät  
"Ferrum Noricum" - ein Synonym für Qualität und Härte
Forschungsprojekte
Bernadette Ralser (Redaktion) am 16. Januar 2007

Ein antiker Markenname: "Ferrum Noricum". Es war dem gebildeten Bürger im Römischen Reich ein Begriff. Der "norische Stahl" stand für Qualität und Härte. Abgebaut und verhüttet wurde das viel gerühmte Metall, welches historischen Quellen zufolge bis in die weit entfernten römischen Provinzen verhandelt wurde, in Österreich: In Hüttenberg in Kärnten liegt die mit rund fünfzigtausend Quadratmetern wohl größte Fundstelle römischer Eisenproduktion.

Der Hüttenberger Erzberg war ab der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. bis zur Mitte des 4. Jahrhunderts n. Chr. Bergbau- und Verhüttungsstätte von Eisenerz. "Ganze 400 Jahre lang wurde dort ununterbrochen Eisen produziert - eine riesige Zeitspanne", erzählt die Archäologin Dr. Brigitte Cech, die seit 2003 gemeinsam mit Studierenden des Instituts für Ur- und Frühgeschichte und des Instituts für Klassische Archäologie der Universität Wien Grabungen in Hüttenberg durchführt: "Wir sprechen hier von einer Großindustrie." Aus Inschriften weiß man, dass der Handelsweg des norischen Eisens vom nahe gelegenen Umschlagplatz Magdalensberg (Kärnten) zunächst in die blühende Handelsmetropole Aquileia im heutigen Friaul (Italien) führte. Dort wurde der geschätzte Stahl zum jeweiligen Bestimmungsort verschifft.

Die ideale Fundstelle

Hüttenberg war nicht nur eines der bedeutendsten Zentren des römischen Hüttenwesens, sondern wahrscheinlich die Hauptproduktionsstätte von Ferrum Noricum. Das zu untersuchende Gebiet ist dementsprechend groß. "Wir hatten das Glück, mit der Fundstelle Semlach/Eisner gleich zu Beginn der Grabungen die ideale Grabungsstelle zu entdecken", freut sich Cech: "Sie ist überaus gut erhalten. Nach dem Ende der Eisenproduktion hat außer einigen grasenden Kühen niemand die unter einer dünnen Humusschicht verborgenen Schätze gestört - es wurde nicht einmal gepflügt!"

Archäologie und Geophysik

Der erste Spatenstich entscheidet meist über Erfolg oder Scheitern einer Grabung. Deshalb gilt es, schon im Vorfeld der Ausgrabungstätigkeit detaillierte Informationen über das jeweilige Areal zu sammeln. Hier kommt neben der Luftbildarchäologie die Methode der Geophysikalischen Prospektion zum Einsatz, die auf der Untersuchung des Erdmagnetfeldes basiert. Dieses verändert sich unter anderem durch Hitzeeinwirkung - dadurch sind Feuerstellen, Herde, Öfen oder Schlackenhalden messbar. In den Schmelzöfen, die zum Verhütten des Eisenerzes verwendet wurden, herrschten immerhin Temperaturen von bis zu 1550 Grad. Durch die Zusammenarbeit mit Geophysikern der Montanuniversität Leoben konnten die durch Verhüttungsprozesse entstandenen Anomalien im Magnetfeld der Erde geortet und damit das riesige Untersuchungsgebiet um den Hüttenberger Erzberg eingegrenzt werden. Aber nicht nur die Größe der Fundstelle verschafft dem Projekt internationale Beachtung, betont Brigitte Cech: "Es gibt keine vergleichbar ergiebige Fundstelle im europäischen Raum."

Zeitliche Einordnung

Auch die Datierung der Schmelzöfen passierte in Zusammenarbeit mit dem Department Angewandte Geowissenschaften und Geophysik der Montanuniversität Leoben. Mit Hilfe der Paläomagnetik, einer weiteren geophysikalische Methode, die sich mit dem Erdmagnetfeld beschäftigt, konnten die entdeckten Schmelzöfen zeitlich eingeordnet werden. "Wir haben bis jetzt insgesamt sechs Schmelzöfen freigelegt, fünf davon gehören der Spätphase an, wurden also im 4. Jahrhundert n. Chr. verwendet", erklärt Cech.

Vom Eisenerz zum Stahl

Die Öfen waren bis zu zweieinhalb Meter hoch, ein Schmelzvorgang dauerte ungefähr zwölf Stunden. Der vorgeheizte Ofen wurde mit abwechselnden Lagen von Eisenerz und Holzkohle beschickt. Blasebälge sorgten für die entsprechende Windzufuhr. Die beim Schmelzprozess entstehenden Schlacken wurden abgestochen, also entfernt. Übrig blieb die so genannte "Eisenluppe" - etwa 30 bis 50 Kilogramm bei einer Ausgangsmenge von 500 Kilogramm Eisenerz. Die Eisenluppe musste, da noch mit Schlacke und Holzkohle versetzt, so lange "ausgeschmiedet" werden, bis das Eisen "rein" war.

Meister ihres Faches

Dieser Prozess des Ausschmiedens entschied neben der Qualität des jeweiligen Erzes über die spätere Härte und Schmiedbarkeit des Stahls. Hier waren die Hüttenberger Schmiede anscheinend Meister ihres Faches. "Die fortschrittliche Verarbeitung, die dem fertigen Eisen einen hohen Kohlenstoffgehalt gab, hat wohl wesentlich zur Berühmtheit von Ferrum Noricum beigetragen", vermutet die Archäologin.

Florierende Industrie

Diese Berühmtheit erklärt wohl auch die Anziehungskraft des Industriezentrums Hüttenberg. Die Funde geben eindeutige Hinweise darauf, dass nicht nur Berg- und Hüttenarbeiter sowie Schmiede, sondern auch Verwaltungsbeamte sowie Vertreter anderer Berufsgruppen nebst deren Familien in Semlach gewohnt haben. Mauerreste römischer Gebäude, kaiserzeitliche Keramik, Münzen, Glasfunde und Tierknochen, die Spuren professioneller Schlachtung aufweisen, zeugen von einem blühenden Wirtschaftsstandort. Von den Ergebnissen ihrer Forschungsarbeit erwartet sich Brigitte Cech also nicht nur neue Erkenntnisse über die Besonderheiten in der Verarbeitung von Ferrum Noricum: "Die Untersuchung der vorgefundenen Infrastruktur kann uns auch Wesentliches darüber verraten, wie die Menschen dort gelebt und gearbeitet haben." (br)


Das FWF-Projekt "Ferrum Noricum Hüttenberg" läuft seit 2003; im September 2008 findet in Hüttenberg eine internationale Tagung zum Thema statt. Für ein Projekt zur Einbindung von Schulkindern in die Ausgrabungsarbeiten wurde Brigitte Cech im Herbst 2006 mit dem FWF-Preis für Wissenschaftskommunikation ausgezeichnet.  

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