Den wenigsten ist der Name Artur Brauner ein Begriff, obwohl Brauner – 1918 in Lodz geboren und Überlebender der NS-Judenverfolgung – seit über 60 Jahren als Filmproduzent aktiv ist. Seine Arbeiten, etwa die berühmten Karl-May-Verfilmungen mit Pierre Briece als Winnetou und Lex Barker als Old Shatterhand oder seine zahlreichen Edgar-Wallace-Verfilmungen, kennt ein Millionenpublikum. Diese Filme bescherten Artur Brauner den kommerziellen Erfolg, um anspruchsvolle Filme über die Shoah und den mörderischen Antisemitismus und dessen Folgen nach 1945 produzieren zu können. Davon sind manche seiner Filme, wie HITLERJUNGE SALOMON oder ZEUGIN AUS DER HÖLLE, einem größeren Publikum bekannt. Viele seiner bewegenden filmischen Auseinandersetzungen sind jedoch weitgehend unbekannt geblieben. Es sind Filme, die wunde Stellen der Erinnerung berühren, Filme gegen das Vergessen und Filme, die sich aktuellen Fragen von Schuld und Verantwortung stellen.
Deutschsprachige Filme über den Nationalsozialismus
Das Medium Film kann, wie Artur Brauners persönliches Engagement zeigt, eine "Verpflichtung als Zeitzeuge" übernehmen und heutige Generationen erreichen. So wie diese Verpflichtung die Retrospektive am Mauthausen Memorial 2009 bestimmte, tut sie dies auch für die aktuelle Filmschau, die diesmal Artur Brauner, dem wohl wichtigsten Produzenten und aktiven Drehbuchgestalter von deutschsprachigen Filmen über den Nationalsozialismus, die Verfolgung der europäischen Juden und das Fortleben von Rassismus und Antisemitismus seit 1945, gewidmet ist.
Die Retrospektive 2010, kuratiert von Frank Stern, Professor für Visuelle Zeit- und Kulturgeschichte am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien und Stephan Matyus vom Bundesministerium für Inneres, zeigt fünf herausragende Spielfilme und findet im Metro-Kino in Wien statt. Die Filmabende werden von Frank Stern eingeleitet, und nach jedem Film wird die Möglichkeit eines Publikumsgesprächs geboten.
Programm: Fünf Spielfilme
DER LETZTE ZUG, BABIJ JAR und VON HÖLLE ZU HÖLLE sind eine Filmtriologie von Artur Brauner. Sie handeln von der Deportation Berliner JüdInnen, dem Massaker an der jüdischen Bevölkerung in der Nähe Kiews und dem Pogrom an der jüdischen Bevölkerung nach der Befreiung im Juli 1946 in Kielce. Der vierte Film der Retrospektive ist MORITURI. Artur Brauner drehte den Streifen unmittelbar nach der Befreiung und er spielt in den letzten Tagen der NS-Herrschaft. Die Spielfilme basieren auf wahren Begebenheiten, und entstanden oftmals unter Mitwirkung oder auf der Grundlage persönlicher Erinnerungen Überlebender. Der letzte Film der Reihe, ZU FREIWILD VERDAMMT, handelt von der 13-jährigen Ruth, der die Flucht gelingt und die sich allein, ständig von Verrat und Todesgefahr bedroht, durch ganz Polen schlägt und überlebt. Die Hauptdarstellerin des Filmes wird am 14. und 15. Jänner an der Retrospektive teilnehmen.
Das Bundesministerium für Inneres und der Schwerpunkt Visuelle Zeit- und Kulturgeschichte am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien führen seit einigen Jahren eine jährliche Filmretrospektive vor den Mauern des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen durch. Diese wird jeweils im Jänner in Wien wiederholt. (vs)
Film-Retrospektive "Verpflichtung als Zeitzeuge" Montag, 11. bis Freitag, 15. Jänner 2010 Beginn jeweils um 19.30 Uhr METRO Kino, Johannesgasse 4, 1010 Wien Programm
Der Eintritt ist frei. Um rechtzeitige Reservierung im BM für Inneres wird gebeten: BMI-IV-7@bmi.gv.at oder T +43-1-531 26-3852. |