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Institut für Zoologie
Artikel "Feldhamster in Favoriten" von Eva Millesi (Nov. 2001)  
Fortpflanzungsstrategien von Hamsterweibchen
Forschungsprojekte
Simone Kremsberger (Redaktion) am 23. Juni 2004

Im Gegensatz zu anderen winterschlafenden Säugern werfen weibliche Feldhamster bis zu dreimal pro Saison. Ao. Univ.-Prof. Dr. Eva Millesi vom Institut für Zoologie der Universität Wien untersucht anhand einer Hamsterkolonie in einer Wiener Wohnsiedlung die Zusammenhänge zwischen Winterschlaf und Fortpflanzungsstrategien von Hamsterweibchen.

Wer Hamster nur in Gestalt von Goldhamstern im Käfig kennt, sollte sich einmal in der Wiener Kundratstraße in Favoriten genau umschauen. Im Morgengrauen und zu später Stunde sind ? natürlich nur in ihrer Wachphase zwischen April und Oktober ? die hier beheimateten Feldhamster aktiv. Doch Vorsicht: Die rotbraunen Steppentiere, die man hierzulande vor allem im Osten findet, sind keine Spielkameraden, sondern unsoziale Gesellen. Umso interessanter sind ihr Sonderstatus unter den winterschlafenden Tieren und ihre erstaunliche Fruchtbarkeit, der bis zu drei Würfe pro Saison entspringen. Bis zu drei Würfe pro Saison Ao. Univ.-Prof. Dr. Eva Millesi vom Institut für Zoologie der Universität Wien hat die Feldhamsterkolonie, die in Bauten unter den Grünanlagen einer Favoritener Wohnsiedlung haust, zum Gegenstand langjähriger Forschungsarbeit gemacht. Das aktuelle FWF-Projekt trägt den Titel ?Fortpflanzungsstrategien weiblicher Feldhamster? und thematisiert die Wechselwirkungen zwischen Winterschlafgewohnheiten und Fortpflanzungsentscheidungen der Nager. ?Hamster sind im Gegensatz zu anderen Winterschläfern flexibler. Sie sind nicht primär vom Körperfett abhängig, sondern greifen auf Vorräte zurück, die sie ?hamstern? und im Bau anreichern. Eine weitere Besonderheit ist, dass sie in der Saison zwischen April und Oktober bis zu drei Würfe schaffen?, schildert Millesi. ?Wenn ein Tier drei Würfe pro Jahr zustande bringt, hat das wahrscheinlich Konsequenzen für den Winterschlaf. Die Frage, die uns beschäftigt, ist in erster Linie, ob durch den Zeitpunkt der Geburt - also früh oder spät im Jahr - eine Lebensstrategie in der Fortpflanzung festgelegt wird, oder ob diese je nach Kondition der Mutter oder anderen Umweltbedingungen von Jahr zu Jahr wechselt.? ?Qualität oder Menge? Zwei Strategien sind bei Hamsterweibchen zu beobachten: Setzen manche Weibchen eher auf ?Qualität gegenüber Menge?, haben also wenige Würfe pro Saison und kümmern sich dafür länger um die Jungen, so können sich besonders fruchtbare Hamsterweibchen nur kurze Säugezeiten leisten. Wie einige andere Säugetierarten sind sie in der Lage, schon wieder trächtig zu werden, während sie noch einen Wurf säugen. Dieses Phänomen wird postpartum Östrus genannt und bedeutet, dass kurz nach der Geburt ein Zyklus abläuft, in dem sich die Weibchen verpaaren, bevor noch die hemmende Wirkung der Säugephase auf die Eierstöcke eingetreten ist. Millesi erläutert: ?Wie man sich vorstellen kann, zehrt das natürlich an den Kräften und kostet auch Zeit, die sonst für die Winterschlafvorbereitung genützt werden könnte. Diese Weibchen gehen für ihr eigenes Überleben ein höheres Risiko ein, haben aber mehr Nachkommen als andere, die dafür vielleicht noch mehrere Fortpflanzungssaisonen vor sich haben. Beide Strategien können vorteilhaft sein - welche die bessere ist, hängt natürlich von vielen Umweltbedingungen (Nahrungsverfügbarkeit, Raubtiere, klimatische Bedingungen) ab.? Energiesparen im Torpor Auch für ein Jungtier ist es von Belang, ob es als Frühgeborenes im Mai oder im letzten Wurf im August auf die Welt kommt. ?Alle Tiere sind nach ihrer ersten Winterschlafphase geschlechtsreif. Bei sehr günstigen Bedingungen schaffen es früh geborene Weibchen allerdings schon im Jahr davor und können einige Wochen nach ihrer Geburt schon selbst Junge zur Welt bringen. Das sind dann natürlich späte und meistens auch nur sehr kleine Würfe?, so Eva Millesi. ?Wir untersuchen an individuellen Weibchen, wie konstant diese Strategien sind?, fasst die Wissenschafterin zusammen. Zu diesem Zweck führt sie mit ihrem Team Temperaturmessungen an den Tieren im Winterschlaf durch. Wie alle winterschlafenden Säugetiere schalten die Feldhamster auf Mindesttemperatur, ihre Körperfunktionen sind verlangsamt. Die Energieausgaben sind im so genannten ?Torpor? minimal. In periodischen Intervallen gibt es jedoch Phasen, wo sie sich z.B. durch Zitterbewegungen aufwärmen. Feldhamster sind aufgewärmt in der Lage, etwas zu fressen oder sogar den Bau kurzfristig zu verlassen. Millesi beschreibt: ?Die Wärmephasen sind das Teure am Winterschlaf ? sie kosten fast 90 Prozent der Energie, die im Winterschlaf ausgegeben wird. Hamster schaffen Ausgleich durch Nahrungsaufnahme. Sie können mit ihren Energieausgaben haushalten ? etwa durch Phasen, in denen sie nicht ganz, sondern nur halb abkühlen.? (sk)  

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