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Department für Geodynamik und Sedimentologie der Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie Biologische Station Neusiedler See
Fotobericht: "Geologisches Abenteuer am Neusiedler See"
Forschungsprojekte
Pamela Paulic (Redaktion) am 16. Oktober 2009

Schlamm und Neusiedler See gehören zusammen. Das weiß, wer im burgenländischen See schon einmal schwimmen war. Doch auch unter der nassen Sandschicht gibt es einiges zu entdecken: Im Rahmen eines aktuellen FWF-Projekts untersuchten Ulrike Exner vom Department für Geodynamik und Sedimentologie und ihr Team - Studierende und WissenschafterInnen - vier Tage lang (29. September bis 2. Oktober 2009) mittels Bohrungen den Untergrund des Sees. Die Analyse der Proben soll Aufschluss über die Beschaffenheit der Sedimentschicht geben.

Vor 15 Millionen Jahren gab es im Burgenland noch ein Meer mit Riffen und Salzwasserfischen. Heute befindet sich dort einer der wenigen Steppenseen in Europa: der Neusiedler See. Die Zeit hat hier nicht nur die Erdoberfläche verändert - auch im Untergrund hat sich so einiges getan. Im Gegensatz zu anderen Gebieten wie dem Wiener Becken ist die burgenländische Gegend aus geologischem Blickwinkel noch nicht ausreichend untersucht worden. Das soll sich nun ändern: Im Zuge des FWF-Projekts "Modellierung natürlicher Störungsysteme" untersucht Ulrike Exner gemeinsam mit Gastprofessor Markus Schwab vom GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ), dem Doktoranden András Zámolyi und einem Studierendenteam (alle vom Department für Geodynamik und Sedimentologie) die Ablagerungsgesteine (Sedimente) unter dem Neusiedler See.



"Basis für die Untersuchungen war die geophysikalische Messkampagne, die 2008 von der EÖTVÖS Universität Budapest am Neusiedler See durchgeführt wurde", so Ulrike Exner, Leiterin des FWF-Projekts "Modellierung natürlicher Störungsysteme". Die ungarischen GeologInnen haben ein seismisches Profil des Seeuntergrundes aufgenommen. Exner: "Anhand der Aufnahmen, die die Schichten und Bruchzonen unter dem See zeigen, haben wir festgelegt, wo wir bohren werden." Mit Hilfe dieser Bohrungen lässt sich das seismische Bild des Sees einerseits präzisieren, andererseits können die ForscherInnen dadurch auch die Sedimentschichten genauer bestimmen.



Um zu untersuchen, welche Ablagerungsschichten sich im Seeboden befinden, ist ein besonderes Equipment erforderlich. "Die Firma UWITEC wurde mit der Bohrung beauftragt", sagt Exner: "Sie hat uns die nötige Ausrüstung für unsere Bohrungen zu Verfügung gestellt." Einen großen Beitrag zum Erfolg der Forschungen am Neusiedler See war für die GeologInnen der Universität Wien auch die "Biologische Station Neusiedler See". Mit ihrer Hilfe konnte nicht nur die bürokratische Vorarbeit, also die Beantragung von Genehmigungen, erledigt werden, sondern die MitarbeiterInnen der Station bereicherten die "Expedition" auch durch ihr Wissen rund um den Neusiedler See. "Für mich war die Bohrung am See Neuland. Das Know-How kam einerseits von der Bohrfirma, andererseits von Markus Schwab vom GFZ", erklärt Exner. Der deutsche Limnogeologe Schwab hält derzeit eine Lehrveranstaltung am Department für Geodynamik und Sedimentologie und wird, gemeinsam mit seinen StudentInnen, die Ergebnisse der Bohrungen auswerten. "Zehn StudentInnen aus seiner Lehrveranstaltung waren schon bei den Bohrungen dabei. Sie halfen dabei, die Sedimentkerne zu bergen, danach zu öffnen und zu reinigen", so die Geologin.



Am ersten Tag der Bohrung, dem 29. September 2009, zeigte sich der Neusiedler See von seiner stürmischen Seite. "Unter diesen Bedingungen war eine Bohrung am Vormittag nicht möglich", so Exner (im Bild rechts). Denn das Gestänge, das für die Aushebung der Sedimentkerne notwendig war, hätte durch den unruhigen Wellengang beschädigt werden können. Schlussendlich spielte das Wetter aber doch noch mit, und die Bohrungen konnten beginnen.



"Wir haben an vier Stellen jeweils drei Meter tief in den Seeboden gebohrt. Obwohl wir es gehofft hatten, konnten wir wegen des harten Untergrunds nicht tiefer gehen", so die Geologin. Auch die Studierenden mussten mit anpacken: Ihr Körpergewicht und ihre Kraft waren notwendig, um das Rohr für die Bohrungen zu stabilisieren.
 


Zurück an Land wurden die Sedimentkerne mit Hilfe von Wasserdruck aus dem Rohr, das für die Bohrungen notwendig war, herausgepresst. Exner: "Die Maschine, die dafür benötigt wurde, hat Richard Niederreiter von der Bohrfirma eigenhändig konstruiert."
 


Die auf diese Weise gewonnenen Sedimentkerne wurden in zwei Hälften geschnitten und näher analysiert. "Die geologische Analyse führen wir selbst durch, für die Untersuchung der Fossilien, die in den Sedimenten enthalten sind, holen wir uns ExpertInnen des Naturhistorischen Museums dazu."


 
Auf die Frage nach dem Erkenntnisgewinn einer solchen "Forschungsexpedition" meint Exner: "Geologen und Geologinnen interessieren sich für die Erdgeschichte. Für uns ist u.a. interessant, wie die Gesteine an ihren jetzigen Standort gekommen sind, welche Ablagerungsbedingungen geherrscht haben." Mit Untersuchungen dieser Art lassen sich auch Rückschlüsse auf das Klima vor zehn Millionen Jahren ziehen, und durch Erdbeben entstandene tektonische Bruchzonen identifizieren. Exner: "Wer die Geschichte der Erde in der Vergangenheit kennt, kann auf die Herausforderungen der Zukunft besser reagieren." (Text: Pamela Paulic, Fotos: Ulrike Exner)


Im Rahmen des dreijährigen FWF-Projekts "Modellierung natürlicher Störungsysteme" führten Mag. Dr. Ulrike Exner, GastProf. Dr. Markus Schwab, Doktorand Mag. András Zámolyi und Studierende (alle Department für Geodynamik und Sedimentologie) Bohrungen am Neusiedler See durch.

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