Dass Frösche quaken, ist bekannt. Zu ganz anderen, visuellen Methoden der Verständigung greifen Winkerfrösche. Um aufzufallen, "reden sie mit Händen und Füßen". Als führender Experte auf dem Gebiet der Kommunikation bei Amphibien gilt ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Walter Hödl vom Department für Evolutionsbiologie der Universität Wien. |
Als Hyla parviceps hat man es bei Gott nicht einfach im Tieflandregenwald von Venezuela. Mit gerade mal zwei Zentimeter Körpergröße, einer schmächtigen Statur, gepaart mit einem - gelinde gesagt - unscheinbaren Äußeren zählt dieser Baumfrosch nicht gerade zu den Womanizern im Blätterdickicht. Und dann noch diese hohe, piepsige Stimme. Demgegenüber steht eine schier übermächtige Geräuschkulisse und jede Menge Konkurrenz. Um hier aufzufallen, muss sich ein kleiner Regenwald-Frosch schon etwas ganz Besonders einfallen lassen. Und das macht er auch. Er winkt. Ob mit den Vorder- oder Hinterbeinen - um bei seiner angebetete Froschdame bleibenden Eindruck zu hinterlassen, scheut der Winzling keine Verrenkung.
Explosives Laichgeschehen
Und ein bleibender Eindruck ist ihm damit auch in der Wissenschaft sicher. Er ist einer von nur 16 weltweit bekannten Arten der so genannten Winkerfrösche. Man findet sie im Regenwald von Mittel- und Südamerika, Asien sowie Australien, vorwiegend in der Nähe tosender Wasserfälle oder Gebirgsbäche, dort wo permanenter Lärm akustische Froschkommunikation weitgehend unmöglich macht. Beim Hyla parviceps löst starke Konkurrenz dieses Verhalten aus. Denn wenn diese Frösche laichen, tun sie es in der Masse ? gemeinsam mit anderen Arten, auf begrenztem Raum, zur selben Zeit. "Explosives Laichgeschehen" nennt dies die Wissenschaft.
Starke Konkurrenz lässt Frösche winken
Seit 1997 untersucht Walter Hödl gemeinsam mit seinem Kollegen Adolfo Amézquita (Universidad de los Andes, Bogotá) die visuelle Kommunikation dieser Baumfroschart. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen haben die Wissenschafter nun im Fachmagazin "Herpetologica" zusammengefasst. Wie Hödl annimmt, sorgt die hohe Konkurrenz während des Laichens und das konzentrierte Froschkonzert dabei für einen extrem hohen selektiven Druck, was zur Ausbildung dieser optischen Kommunikationsform beim Hyla parviceps führte.
Gelbe Punkte steigern die Effizienz
"Mit seinen kurzen Stimmbändern kann der kleine Frosch nur hohe Stimmen erzeugen", erklärt der Zoologe. "Da hohe Frequenzen in dieser dichten Blätterlandschaft jedoch leicht reflektiert werden, hat er das Problem, dass diese nicht sehr weit reichen." Die visuelle Kommunikationsmethode ist da die wesentlich effizientere. Gelbe Punkte an den Zehen und schwarz-weiße "Ringelsocken" sorgen für eine noch höhere Erfolgsquote. Oft wird dabei auf akustische Laute sogar ganz verzichtet und konkurrierende Männchen tragen reine Winkduelle aus.
Neufassung der Lehrbücher nötig
Erstmals schriftliche Erwähnung finden winkende Frösche zu Beginn des vorigen Jahrhunderts. Eigentlich war es nur ein Nebensatz in den Aufzeichnungen eines deutschen Naturforschers in Brasilien. Erst mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Phänomens durch Hödl und Amézquita nahm die akademische Welt Notiz davon. Die Lehrbücher mussten daraufhin umgeschrieben werden. Denn davor war bei Fröschen lediglich von akustisch kommunizierenden Amphibien die Rede.
Schallblase als optisches Kommunikationsmittel
Mittlerweile kennt man an die 20 unterschiedliche optische Signalvarianten bei Fröschen ? vom Auf- und Abhüpfen bis zur Änderung der Körperfarbe. Auf eine höchst faszinierende Art ist Prof. Hödl vor etwa drei Jahren in Afrika gestoßen. Die Suche nach Winkerfröschen (in Afrika ist bislang keine winkende Art bekannt) hat ihn in das Usambara Bergland von Tansania geführt. Winkerfrösche fand er dort zwar keine, jedoch einen unscheinbaren braunen Frosch namens Phrynobatrachus krefftii mit einer knallgelben Schallblase an der Kehle. Die, wie sich herausstellte, kaum zur akustischen, sondern vorwiegend zur optischen Kommunikation dient. Es war die erste Froschart überhaupt, bei der eine vorwiegend optische Funktion der Schallblase nachgewiesen werden konnte.
"Robofrog" als Konkurrent
Die vermutlich bei den meisten Fröschen auftretende duale (akustische und optische) Funktion der Schallblase konnte erst kürzlich an amazonischen Pfeilgiftfröschen eindeutig demonstriert werden. Die ForscherInnen konstruierten eigens zu diesem Zweck einen "Robofrog" aus Silikon samt nachgebildeter Schallblase und Lautsprecher. Die Ergebnisse dazu waren dem renommierten Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) im Februar immerhin eine Coverstory wert und sorgten dort für einiges an Aufsehen in der Fachwelt. (ro)
Die Untersuchungen von Prof. Walter Hödl zur optischen und akustischen Kommunikation bei Regenwaldfröschen wurden vom FWF in den vergangenen Jahren im Rahmen mehrerer Projekte finanziert. Sein aktuelles Projekt "Akustische Diversität amazonischer Pfeilgiftfrösche" läuft noch bis August 2005.
Literaturtipps:
Adolfo Amézquita and Walter Hödl: How, when, and where to perform visual displays? The case of the Amazonian frog Hyla parviceps. Herpetologica 2004 60: 20-29.
Walter Hödl, Adolfo Amézquita, and Peter M. Narins: The role of call frequency and the auditory papillae in phonotactic behavior in male Dart-poison frogs Epipedobates femoralis (Dendrobatidae). Journal of comp. Physiol. A 2004 190:823-829
Peter M. Narins, Daniela S. Grabul, Kiran K. Soma, Philippe Gaucher, and Walter Hödl: Cross-modal integration in a dart-poison frog. PNAS 2005 102: 2425-2429.
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