Logo der Uni Wien
Logo der Uni Wien

Archiv der Online-Zeitung

Archiv der Online-Zeitung der Universität Wien
  •   Home
  •   Forschung
  •   Wissenschaft &     Gesellschaft
  •   Studium & Lehre
  •   Professuren
  •   Personalia
  •   Service
  •   Dossiers
  •   UniBlicke

David Bröderbauer befindet sich derzeit auf einem Forschungs- aufenthalt in China. Im "Xishuangbanna Tropical Botanical Garden" erforscht er die Interaktionen zwischen Aronstabgewächsen und ihren Bestäubern. (Foto: Werner Huber)


Department für Strukturelle und Funktionelle Botanik der Fakultät für Lebenswissenschaften Fakultätszentrum für Biodiversität der Fakultät für Lebenswissenschaften Xishuangbanna Tropical Botanical Garden


Lesen Sie auch: Artikel "Blütenstaub mit Zuckerguss" im Forschungsnewsletter Oktober 2008 Artikel im Dossier "Jahr der Biodiversität 2010" Artikel im Dossier "Notizen aus den Tropen"  
Früh forscht sich in Xishuangbanna
Forschungsprojekte
Daniela Hermetinger (Redaktion) am 18. August 2010

Der Biologe David Bröderbauer hat vor zwei Monaten die heimischen Gefilde verlassen, um in der chinesischen Provinz Yunnan die Evolution und Diversifikation der Blütenstände der Aronstabgewächse zu untersuchen. Im Rahmen eines FWF-Projekts interessiert er sich für die Interaktionen zwischen Pflanze und Bestäuber: Der blütentragende Kolben sowie das ihn umgebende Hochblatt der Araceen formen einen geschützten Paarungs- oder Brutplatz - und manchmal ein Gefängnis - für das, was darin "kreucht und fleucht".


(Foto: Sailesh Ranjitkar)

Noch bis Ende August 2010 wird der Nachwuchswissenschafter David Bröderbauer vom Department für Strukturelle und Funktionelle Botanik im Rahmen des FWF-Projekts "Evolution und Funktionalisierung der Kesselfallen in Araceae" im Xishuangbanna Tropical Botanical Garden der Chinesischen Akademie der Wissenschaften forschen. Dieser 1959 in Xishuangbanna, Provinz Yunnan eröffnete Botanische Garten - der größte seiner Art in China - erstreckt sich über eine Fläche von 900 Hektar und beherbergt mehr als 10.000 tropische Pflanzenarten. In zwei Feldforschungsstationen und zahlreichen Labors sind rund 160 ForscherInnen aus aller Welt am Werk. Xishuangbanna, ein autonomer Bezirk in der südlichen Provinz Yunnan, befindet sich an der Grenze zu Laos und Burma. Rund 30 Prozent der dortigen Bevölkerung gehört der ethnischen Minderheit der "Dai" an.



Der Garten ist eine Attraktion für zahlreiche BesucherInnen vor allem aus dem chinesischen Inland, die sich angesichts der Größe der Anlage bevorzugt in elektrobetriebenen "Golfwagen" fortbewegen. Der Biologe Bröderbauer verlässt sich aber auf sein chinesisches Fahrrad, mit dem er die verschiedenen Untersuchungsstandorte in und um den Garten aufsucht. Für ChinesInnen aus ländlichen Regionen sind ForscherInnen aus dem "Westen" nach wie vor eine kleine Sensation, weshalb ihm beim Vorbeiradeln häufig amüsierte "Hello"-Rufe oder ein erstauntes "Laowai!" (Ausländer) zu Ohren kommen.



Eine Kooperation mit dem chinesischen Fachkollegen Yin Jian Tao hat David Bröderbauer in diese Region geführt. Yin Jian Tao spürt in Yunnan unbekannte Arten der Aronstabgewächse auf und beschreibt sie für die Wissenschaft. Gemeinsam erforschen die beiden Biologen nun die tropischen Weiten in- und außerhalb des Botanischen Gartens. Neben der Bestäubungsbiologie sind nämlich auch die Verbreitung sowie die Verwandtschaftsverhältnisse der in Südchina verbreiteten Colocasia-Arten - eine Gattung der Araceen - noch nicht hinreichend erforscht.



Bröderbauer widmet sich nun in erster Line der Pflanzengattung Colocasia: Sie belohnt ihre Insektenbestäuber für deren Dienste in Sachen Reproduktion mit einem geschützten Brutplatz. So paaren sich etwa die im Bild zu sehenden Fruchtfliegen im Blütenstand (Infloreszenz) und legen dort auch ihre Eier ab. Im Schutz der Pflanze entwickeln sich die Larven und fliegen, sobald erwachsen, zur nächsten Blüte und wiederholen den Vorgang. Wie auch bei anderen Aronstabgewachsen - viele täuschen den Insekten lediglich einen Brutplatz vor - werden die Fliegen für kurze Zeit "gefangen" genommen. Indem die Pflanze das Hochblatt durch eine Einrollbewegung vorübergehend schließt, ist den Bestäubern der Ausgang versperrt.

David Bröderbauer interessiert sich insbesondere dafür, weshalb es in dieser symbiotischen Beziehung notwendig ist, die Insekten einzuschließen: "Die Hypothese lautet, dass nur so gewährleistet werden kann, dass die Fliegen so lange in der Pflanze verweilen bis der Pollen - der zur nächsten Pflanze transportiert werden muss - produziert wurde."



Um den Verlauf der Bestäubung und das Verhalten der Insekten im Blütenstand beobachten zu können, muss der Biologe früh aufstehen: Die Pflanze beginnt im Morgengrauen zu blühen und es gilt, noch vor den ersten Insekten einzutreffen. Neben den Beobachtungen führt Bröderbauer auch Experimente durch, bei denen der Sperrmechanismus des Hochblatts manipuliert wird. Er kann sich so ansehen, wie Fruchtfliegen reagieren, wenn sie den Bütenstand ungehindert verlassen können. Des Weiteren wird die Temperatur des Blütenkolbens während der Bestäubung gemessen. Eine Besonderheit der Araceen ist das Phänomen der Wärmeerzeugung (Thermogenese) zum Zwecke der besseren Duftausbreitung und als direkte Belohnung für die Insekten: "Je wärmer ihnen ist, desto schneller fliegen sie nämlich zur nächsten Infloreszenz, und die Bestäubung verläuft effektiver."



Die Gegend rund um den Botanischen Garten ist von zahlreichen Kautschukplantagen geprägt: Für die Reifenherstellung werden große Mengen an Rohgummi benötigt. Der hohe Marktpreis macht den Anbau für die Bauern besonders attraktiv. Den zahlreich angelegten Kautschukplantagen fielen große Waldflächen zu Opfer. Vereinzelt bleiben selbst die "heiligen Wälder", die einen wichtigen Bestandteil im Landschaftsbild der Dai-Dörfer ausmachen, von Abholzung nicht verschont. "Skurrilerweise wurde der Kautschuk in dieser Gegend vor rund 60 Jahren vom Gründer des Botanischen Gartens selbst eingeführt", weiß der Jungwissenschafter.



Während einer Exkursion in einen rund 60 Kilometer entfernten Naturwald wagen sich die Forscher auf diese Hängebrücken und blicken 30 Meter in die Tiefe. Bis zu 70 Meter hohe Bäume aus der Familie der Flügelfruchtgewächse (Dipterocarpaceae) sind in asiatischen Regenwäldern keine Seltenheit. Der "Sky-tree"(Parashorea chinensis), auch er gehört zu genannter Familie, ist aber eine Rarität die nur im südlichsten China und den angrenzenden Gebieten vorkommt.


(Foto: Zhao Jiang Bo)

"Chinesisches Englisch birgt oft einen sehr subtilen (vermutlich unfreiwilligen) Humor in sich. Im Land der konfuzianischen Sprichwörter wären eindeutige Aussagen aber auch sehr unangebracht", meint der Biologe und stürzt sich in neue Abenteuer. Mit Vorsicht, versteht sich! (dh)

Mag. David Bröderbauer vom Department für Strukturelle und Funktionelle Botanik ist Mitarbeiter im dreijährigen FWF-Projekt "Evolution und Funktionalisierung der Kesselfallen in Araceae" unter der Leitung von Univ.-Prof. i.R. Dr. Michael Hesse. Im Rahmen des Projektes kooperiert er mit Anita Diaz, Bournemouth University, und Yin Jian Tao, Xishuangbanna Tropical Botanical Garden.

<< zurück zur Übersicht
 
Impressum Druckversion
Universitat Wien | Dr.-Karl-Lueger-Ring 1 | 1010 Wien | T +43-1-4277-0