ERASMUS ist mehr als Studierendenaustausch. Das Hochschul- und Mobilitätsprogramm der EU umfasst viele unterschiedliche Aktivitäten: Neben dem Studierenden- und Lehrendenaustausch unterstützt ERASMUS auch Sprachkurse und thematische Netze zwischen Fakultäten in ganz Europa und beinhaltet weiters das Europäische System zur Anrechnung, Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen (ECTS). Unter dem Punkt "Europäische Zusammenarbeit von Hochschulen" (Erasmus 1) werden außerdem Projekte bewilligt, die sich mit der gemeinsamen Entwicklung, Umsetzung und Verbreitung von Lehrplänen (CD - Curriculum Development) sowie Intensivprogrammen (IP) befassen.
"Europameister" - 3 Lehrentwicklungsprojekte genehmigt
Österreich und speziell die Universität Wien waren bei der letzten Einreichrunde für "Erasmus 1 Projekte" im März 2005 erfolgreich wie nie zuvor, was zu einer Steigerung des Anteils österreichischer Hochschuleinrichtungen an Transnationalen Kooperationsprojekten führte: Europaweit wurden 238 Projekte und eine Fördersumme von über zehn Mio. Euro bewilligt, rund zehn Prozent der Projekte sowie der Gesamtmittel entfallen auf Österreich. Denn 23 der 26 Anträge, die von einer österreichischen Hochschule eingereicht wurden, wurden in Brüssel genehmigt - ein Zeichen der "überdurchschnittlichen Qualität" der österreichischen Projekte, hieß es dazu aus dem Ministerium. "Und die Universität Wien ist in dieser Antragsrunde 'Europameister' bei der Bewilligung von Lehrplanentwicklungsprojekten", ergänzt Maria Schmidt-Dengler von der DLE Forschungsservice und Internationale Beziehungen. Sie betreute und unterstützte die fünf bewilligen Projekte, die von Lehrenden der Universität Wien hauptverantwortlich koordiniert werden. Die beiden Intensivprogramme und drei Lehrplanentwicklungsprogramme starten mit 1. Oktober.
Intensivprogramme - religiöse Erziehung und Authentizität
Bei einem Intensivprogramm handelt es sich um ein kurzes Lehrprogramm, das Studierende und DozentInnen aus Hochschulen verschiedener Teilnehmerländer zusammenführt, um eine multinationale Lehre in Fachbereichen zu fördern. Weiters soll den StudentInnen und DozentInnen die Möglichkeit geboten werden, neue Lehrmethoden in einem internationalen Lehrumfeld einzusetzen. Ein Intensivprogramm dauert mindestens zehn Werktage und höchstens drei Monate.
Das eine Intensivprogramm, das im Wintersemester 2005/06 an der Universität Wien startet, ist eine Art Summer School und wird von Univ.-Prof. Dr. Martin Jäggle von der Katholisch-Theologischen Fakultät ("Der Beitrag der religiösen Erziehung zur europäischen Identität") betreut. Das andere mit dem Titel "Lifeworlds: Debating Authenticity" koordiniert der Ethnologe ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Fillitz; es handelt sich um eine Verlängerung seines bisherigen Projekts "Lifeworlds: Transitions between plural social milieux" (2003/04).
Lehrplanentwicklung: Kulturelle Differenzen, Niederländisch und Kognitionswissenschaft
Prof. Fillitz war bei dieser Einreichrunde nicht nur bei den Intensivprogrammen, von denen er seit 1998 fast jährlich eines durchführt, erfolgreich. Fillitz koordiniert auch eines der drei neuen Curriculum-Entwicklungsprogramme (gemeinsame Entwicklung von europäischen Studienabschlüssen), die im Oktober an der Universität Wien starten: "CREOLE: Cultural Differences and Transnational Processes". Bewilligt wurden weiters das auf zwei Jahre angelegte Projekt zur Entwicklung eines Bachelor-Programms, "DCC: Dutch Language, Literature and Culture in a Central European Context" des Nederlandisten Univ.-Prof. Mag. Dr. Herbert Van Uffelen vom Institut für Europäische und Vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft, und das Masterprogramm zu Kognitionswissenschaft von ao. Univ.-Prof. DI Dr. Franz-Markus Peschl (Institut für Wissenschaftstheorie), "MEi: CogSci: Middle European international master programme in Cognitive Science".
In den letzten Jahren wurde bereits ein Masterprogramm für Klinische Psychologie ("MAPS_C") unter der Leitung von Prof. Dr. Ilse Kryspin-Exner und Prof. Dr.Germain Weber fertig entwickelt, 2004 hat Prof. Dr. Dimitris Karagiannis (Institut für Knowledge and Business Engineering) mit der Entwicklung eines European Masters BIN-NET (Wirtschaftsinformatik) begonnen. Etablierte "Joint Master Programme", so Maria Schmidt-Dengler, sind die Vorraussetzung für eine Bewerbung zur Teilnahme an ERASMUS MUNDUS.
Nächste Einreichfrist: 1. März 2006
Durchschnittlich hat ein Projekt fünf bis sieben beteiligte Partner, erzählt Maria Schmidt-Dengler. "Man sollte die Partner(universitäten) vor der Zusammenarbeit bereits gut kennen", empfiehlt sie. Zur Einreichung selbst ist ihre Erfahrung, dass ein solides Projekt gut ein Jahr Vorbereitungszeit braucht. "Es ist viel Arbeit, aber es ist machbar", will sie Interessierte bestärken - und die gibt es für die nächste Einreichrunde im März 2006 bereits: Fünf Anträge seien "in der pipeline". Und es könnten in Zukunft mehr werden, glaubt sie: "Internationalisierung wird voraussichtlich auch bei den Leistungsvereinbarungen ein Thema sein, die Rahmenbedingungen sind durch den Bologna-Prozess besser geworden und die gesetzlichen Grundlagen für die Verleihung und Anerkennung von joint degrees sind in Österreich gegeben." Zum Prozedere erklärt sie, dass man für eine Einreichung im März jeweils bis November des Vorjahres mit ihr Kontakt aufnehmen sollte; die für Curricularentwicklung zuständigen Organe der Universität Wien sind einzubinden, Ende Jänner muss der Antrag zur Unterschrift dem Rektor vorliegen. (mh) |