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Die Kognitionsbiologin Sabine Tebbich untersucht in ihrem aktuellen Projekt die kognitive Anpassung bei werkzeuggebrauchenden Vögeln. Fotos: Patrick Meild


Sabine Tebbich mit ihrem Sohn im Zentrum von Puerto Ayora, Galapagos.


"Scalesia Zone" der Insel Santa Cruz, wo Sabine Tebbich und KollegInnen einige der Versuchstiere gefangen haben.


Die Vögel wurden darauf trainiert, mittels Haken Leckerbissen aus Behältern zu angeln.


In diesem Versuch wurde getestet, ob die Finken es schaffen, die kleine Box zu öffnen.


Darwin-Finken: Obwohl Darwin-Finken im Hauptwerk Charles Darwins "On the Origin of Species by Means of Natural Selection ..." (1859) nicht erwähnt werden, gehen Wissenschaftshistori- kerInnen davon aus, dass die Vielfalt der Finken auf den Galapagos-Inseln den Naturforscher zu seinen weltbewegenden Ideen inspiriert hat. WissenschafterInnen nehmen an, dass sich sämtliche 15 Arten der heutigen Darwin-Finken aus einer einzigen Spezies entwickelt haben. Mangels Konkurrenz haben die Finken jeweils verschiedene Lebensräume erobert und u.a. ihre Schnäbel an die verschiedenen Nahrungsquellen angepasst. (APA)
Department für Neurobiologie und Kognitionsforschung der Fakultät für Lebenswissenschaften The Charles Darwin Foundation (CDF) Charles Darwin Research Station auf den Galapagos-Inseln Die Galápagos-Inseln (Wikipedia)  
Galapagos-Inseln: Intelligente Darwin-Finken
Darwin-Jahr 2009, Forschungsprojekte
Theresa Dirtl (Redaktion) am  6. Februar 2009

Der Gebrauch von Werkzeug im Tierreich wird gemeinhin als anspruchsvolle Leistung betrachtet. Dennoch unterscheiden sich Spechtfinken, die u.a. Kaktusstacheln zum Nahrungserwerb einsetzen, in ihren kognitiven Leistungen nicht von verwandten Arten, die keine Werkzeuge einsetzen. Das fand Elise-Richter-Stipendiatin Sabine Tebbich gemeinsam mit der Doktorandin Irmgard Teschke über diese Gruppe der Darwin-Finken auf den Galapagos-Inseln heraus.

Spechtfinken erreichen mit Hilfe von "Werkzeugen" Beute, die für sie ansonsten unzugänglich wäre. So stochern die Vögel etwa mit einem Kaktusstachel in Bohrlöchern von Käfern oder Maden und holen sie sich heraus. Der Schnabel, der sich im Zuge der Evolution bei anderen Gruppen der Darwin-Finken stark in eine bestimmte Form entwickelte und für ganz bestimmte Aufgaben maßgeschneidert ist, ist bei den Spechtfinken unauffällig und eher ein "Allround-Werkzeug" geblieben.

Wie intelligent sind die Spechtfinken?

Im Rahmen ihres Elise-Richter-Stipendiums beschäftigt sich Dr. Sabine Tebbich vom Department für Neurobiologie und Kognitionsforschung intensiv mit den Spechtfinken, einer speziellen Art der Darwin-Finken. Dazu verbrachte sie drei Monate - Oktober 2008 bis Jänner 2009 - auf den Galapagos-Inseln, um vor Ort mit den Vögeln zu arbeiten. Konkret ging die Kognitionsbiologin in ihrer Forschung der Frage nach, ob sich der Werkzeuggebrauch der Spechtfinken auch in der Intelligenz einer Art niederschlägt. "Die Antwort ist eindeutig nein", so die Biologin: "Wir haben keine Unterschiede zwischen nah verwandten Darwin-Finken, nämlich solchen, die kein Werkzeug gebrauchen, und den werkzeuggebrauchenden Spechtfinken in punkto Intelligenz gefunden."

"Spechtfinken auf der Schulbank"

Die Galapagos-Inseln sind für VerhaltenforscherInnen ein "Paradies". "Da die Tiere auf der Inselgruppe generell nicht an Menschen gewöhnt sind, zeigen sie auch keinerlei Scheu", so Tebbich. Für ihre Versuche fingen die Forscherinnen Spechtfinken im Freiland ein und gewöhnten sie zuerst in einem Käfig, dann in eine Freilandvoliere an die Gefangenschaft. "Mit heimischen Vögeln, wie etwa Meisen oder Spatzen, könnten wir solche Versuche nicht durchführen. Wenn diese nicht mit der Hand aufgezogen sind, wäre ihr Stresslevel viel zu hoch", erklärt Tebbich: "Aber die Spechtfinken auf Galapagos sind schon nach nur zwei Tagen total ruhig und sehr motiviert, bei den Versuchen mitzumachen."

Im Rahmen der Versuchsreihen wurden die Vögel darauf trainiert, etwa mittels Haken Leckerbissen aus Behältern zu angeln. Anschließend wurden die Situationen modifiziert und geprüft, inwieweit die Vögel abseits der eingelernten Bewegung so etwas wie Einsicht in die Situation zeigen und ihre Strategien anpassen. Es zeigte sich, dass die Spechtfinken generell sehr geschickt agierten und durchaus auch lernfähig sind. So wird ein einmal für eine bestimmte Aufgabe eingesetzter Haken auch für modifizierte Herausforderungen beim Futtererwerb genutzt. Allerdings erwiesen sich Kleine Baumfinken, die von Natur aus keine Werkzeuge benutzen, als ebenso so geschickt und lernfähig wie die Spechtfinken.

Von Darwin-Finken zu den Krähen

Da nun eine der Hauptfragen von Sabine Tebbichs Forschung - ihr Elise-Richter-Stipendium läuft bis August 2012 - beantwortet ist, möchte sie ähnliche Versuchsreihen mit Neukaledonischen Krähen und Saatkrähen durchführen; erstere verwenden zur Futtersuche ebenfalls Werkzeug, Saatkrähen nicht. "Schon in Cambridge habe ich mit Krähen gearbeitet. Nun kann ich meine Forschungen dazu weiter vertiefen", erklärt Tebbich: "Es wird sich zeigen, ob die Neukaledonischen Krähen, die im Gegensatz zu den Spechtfinken verschiedene Werkzeuge benutzen und sie auch herstellen, ihren europäischen Verwandten, den Saatkrähen, in physikalischer Intelligenz überlegen sind."

Darwins Paradies ist bedroht

"Seit Charles Darwins Besuch auf den Galapagos-Inseln im Jahr 1835 haben sich Tier- und Pflanzenwelt deutlich verändert. Auch Arten der nach ihm benannten 'Darwin-Finken' sind bedroht", erklärt Sabine Tebbich, die sich neben ihrer Forschungsarbeit gemeinsam mit ihrer Kollegin Birgit Fessl dem Schutz der Galapagos-Inseln verschrieben hat: "Hauptprobleme sind dabei eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten sowie Parasiten." Birgit Fessl, die an der Universität Wien studierte, arbeitet derzeit in der "Charles Darwin Station" auf Galapagos und engagiert sich für den Erhalt von Flora und Fauna auf der Inselgruppe im Pazifik.

Ursprünglich war die Fauna eher konkurrenzarm, es gab kaum Räuber. "Wenn sich in einen solchen Lebensraum beispielsweise die extrem invasive Ratte drängt, so hat das dramatische Auswirkungen", so Tebbich. So fressen Ratten etwa die Eier von Vögeln, Schildkröten und Leguanen. Besonders schlimm steht es um den Mangrovenfinken, von dem es am Archipel insgesamt nur noch rund 100 Exemplare an drei Standorten gibt. Fessls Forschungen haben gezeigt, dass neben den Ratten eingeschleppte Fliegen den Vögeln zusetzen. (td/APA)

Dr. Sabine Tebbich vom Department für Neurobiologie und Kognitionsforschung forscht im Rahmen eines vierjährigen Elise-Richter-Stipendiums des FWF - gemeinsam mit der Doktorandin Irmgard Teschke - zu "Kognitiver Anpassung bei werkzeuggebrauchenden Vögeln".

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