Der viel zu kurze Sommer neigt sich dem Ende zu, der Herbst steht vor der Tür. Wer die letzten warmen Tage in einer grünen Oase mitten in Wien ausklingen lassen und nebenbei Wissenswertes rund um Heil- und Zauberkräuter, Früchte und Samen erfahren will, hat im September noch viermal die Möglichkeit, an einer der beliebten Gartenführungen im Botanischen Garten der Universität Wien teilzunehmen. |
Die Sammlungen des Botanischen Gartens
 Der Österreichische Drachenkopf (Dracocephalum austriacum) - eine gefährdete Art - blüht im Frühsommer in der pannonischen Gruppe des Botanischen Gartens.
Am Mittwoch, 8. September 2010, stehen die "Sammlungen des Botanischen Gartens" auf dem Programm der von Michael Kiehn, dem Direktor des Botanischen Gartens, geleiteten Gartenführung. Über 11.000 Pflanzenarten aus allen Kontinenten wachsen im Botanischen Garten und stehen für die universitäre Forschung und Lehre zur Verfügung, viele davon können aber auch von den GartenbesucherInnen bewundert werden. Bedeutende Forschungssammlungen sind zum Beispiel jene der Arten von Trockenstandorten Österreichs (z.T. in der Pannonischen Gruppe zu sehen) oder die Bromelien- und Orchideensammlungen. "Im Rahmen der Führung werden wichtige Sammlungen des Gartens, ihre Geschichte, die Herkunft der Pflanzen und an ihnen durchgeführte Forschungsprojekte vorgestellt", beschreibt Michael Kiehn.
Evolution und Pflanzendiversität
 Die Lotosblume (Nelumbo nucifera) ist eine Pflanzenschönheit mit interessanten Eigenschaften: Die Blätter sind flüssigkeitsabweisend, sodass beispielsweise Wasser einfach abperlt.
Die Vielfalt der Pflanzen wird von der ältesten und traditionsreichsten Forschungsrichtung innerhalb der Botanik untersucht: der Systematik und Taxonomie. "Dieser Forschungszweig ist - seinem Alter und schlechten Ruf zum Trotz - heute aktuell wie noch nie, u.a. dank der molekulargenetischen Methoden, die zum Teil sensationelle neue Erkenntnissen über die Phylogenie (Abstammung) der Pflanzensippen ermöglichten", sagt Manfred Fischer vom Department für Botanische Systematik und Evolutionsforschung. Während das Vorjahr Charles Darwin und der Evolution gewidmet war, ist im Jahr 2010 das Ergebnis der Evolution, eben die Biodiversität, zum "Jahresregenten" gewählt worden. In seiner Gartenführung am Mittwoch, 15. September 2010, wirft Manfred Fischer einen Blick auf diese Vielfalt und auf unsere heutigen Kenntnisse über deren Zustandekommen.
Hexengrün - Heil- und Zauberkräuter im HBV
 Die Alraune (Mandragora officinarum) wird vor allem durch ihre Kulturgeschichte oftmals als Ritual- und Zauberpflanze angesehen.
Die Woche darauf, am Mittwoch, 22. September 2010, heißt es "Hexengrün - Heil- und Zauberkräuter im HBV": Im vorchristlichen Europa war das Wissen über Heil-, Gift- und Zauberkräuter Grundlage der religiösen und medizinischen Praxis, im Mittelalter dann gewissermaßen Monopol der Klöster. Heute, in Zeiten der vielfachen Rückbesinnung auf Natürliches und Altüberliefertes, steht dieses Wissen wieder im Fokus des allgemeinen Interesses. "Der Botanische Garten der Universität Wien wurde ursprünglich als Medizinalgarten in diesem Kontext gegründet und er beherbergt bis heute eine Großzahl 'magischer' und heilender Pflanzen", betont Andreas Müller vom Department für Biogeographie, der BesucherInnen im Rahmen seiner Führung über die Heil-, Gift- und Zauberwirkung verschiedener Kräuter des Botanischen Gartens aufklären wird.
Wintervorbereitungen, Früchte und Samen
 Die Europäische Eichenmistel (Loranthus europaeus) hat gelbe Beeren und verliert im Winter ihre Blätter. (Fotos: Rudolf Hromniak/HBV)
Wo haben und wie schützen Pflanzen ihre Winterknospen? Auf diese und ähnliche Fragen wird am Mittwoch, 29. September 2010, eingegangen, wenn Josef Greimler, stellvertretender Leiter des Departments für Botanische Systematik und Evolutionsforschung, zu einer Führung mit dem Titel "Wintervorbereitungen, Früchte und Samen" lädt. "Die Strategien der verschiedenen pflanzlichen Lebensformen zum Überleben der kalten Jahreszeit werden vorgestellt, ebenso der Zusammenhang zwischen Klima und Lebensformen der Pflanzen. Die Vielfalt der Früchte und Samen und ihre Ausbreitung werden ebenfalls besprochen", erläutert Josef Greimler. (red)
Gartenführungen im Botanischen Garten der Universität Wien Mai und September: jeden Mittwoch Juni - August: jeden 2. und 4. Mittwoch Treffpunkt: jeweils 16.30 Uhr beim Gartenportier nächst dem Garteneingang Mechelgasse/Praetoriusgasse, 1030 Wien Weitere Informationen und Öffnungszeiten
Der Eintritt ist frei! |