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Institut für Geschichteder Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät
Initiativkolleg "Naturwissenschaften im historischen Kontext"
Initiativkollegs der Universität Wien
Geschichte der Naturwissenschaften in Österreich und international
Doktoratsprogramme, Forschungsprojekte, Studium/Lehre
Simone Kremsberger (Redaktion) am 27. September 2006

Einen Brückenschlag von Naturwissenschaften und Mathematik zu (Wissenschafts-) Geschichte und Philosophie vollzieht das Initiativkolleg "Naturwissenschaften im historischen Kontext" unter der Leitung des Historikers Mitchell Ash. Ab dem Wintersemester 2006/07 widmen sich zwölf KollegiatInnen verschiedenen Aspekten der Geschichte und Philosophie der Naturwissenschaften.

"Die Entwicklung der Wissenschaften seit 1848 in der Habsburger Monarchie und seit 1919 in Österreich ist in vielerlei Hinsicht hervorragend untersucht", sagt O. Univ.-Prof. Dr. Mitchell Ash vom Institut für Geschichte, "aber nicht flächendeckend in der Frage der Kontinuitätslinien angesichts der Brüche der Geschichte." Das aufzuarbeiten, ist eines der Ziele des dreijährigen Initiativkollegs (IK) "Naturwissenschaften im historischen Kontext", das im Wintersemester 2006/07 für zwölf NachwuchswissenschafterInnen startet.

Brücke zwischen Naturwissenschaften und Wissenschaftsgeschichte


Interdisziplinarität und Internationalität werden dabei groß geschrieben - und sind bereits durch das Forschungsthema vorgegeben, wie Prof. Ash erläutert: "Mit der Überbrückung von Wissenschaftsgeschichte und -theorie und Naturwissenschaften machen wir ein Themengebiet auf, das international bereits eingeführt ist, in Österreich aber noch nicht zufrieden stellend institutionalisiert ist."

Kooperationen inneruniversitär und international


Innerhalb der Universität Wien werden Kooperationen zwischen VertreterInnen der Fakultäten für Lebenswissenschaften, Physik, Mathematik, Philosophie und Bildungswissenschaft sowie der Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät vertieft.
Auch internationale Kooperationspartner - von der Arizona State University, der Ludwig-Maximilian-Universität München, dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin, der Goethe-Universität Frankfurt und der University of Cambridge - sollen aktiv in Lehre und Forschungsdiskussion einbezogen werden: "Wir werden WissenschafterInnen für Vorträge und Gespräche mit den KollegiatInnen nach Wien einladen und die KollegiatInnen haben die Möglichkeit, finanzielle Unterstützung für einen Aufenthalt am Ort des Kooperationspartners zu beantragen", schildert Ash.

Themen mit Medizin- und Life-Sciences-Bezug


Unter 56 BewerberInnen wurden zwölf ausgewählt: Fünf Frauen und sieben Männer aus Österreich, Deutschland, Italien, Polen und Australien, teils mit naturwissenschaftlichem und überwiegend mit geisteswissenschaftlichem Hintergrund, konnten sich gegenüber der "scharfen Konkurrenz", so Ash, durchsetzen. Das Spektrum der geplanten Dissertationsthemen ist weit gestreut: von wissenschaftshistorischen und demographischen Aspekten des Alterns bis zur Entwicklung der gerichtlichen Medizin in Wien. "Überraschend war, dass sechs Themen einen Bezug zur Medizin bzw. Life Sciences aufweisen", kommentiert Mitchell Ash.

Strukturiertes Curriculum


Die Ausbildung erfolgt "wirklich strukturiert", wie der IK-Sprecher betont: "Das ist eine neue Form der DoktorandInnenausbildung, die vom gemeinsamen Erwerb von Grundlagenwissen ausgeht." Im ersten Semester stehen etwa klassische Texte aus Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftstheorie auf dem Stundenplan, im zweiten Semester widmet man sich gemeinsam der Lektüre historischer und aktueller naturwissenschaftlicher Texte. Im dritten Semester beginnt die Forschungsphase und damit voraussichtlich eine Tandembetreuung der Dissertationen durch ein IK-Mitglied aus Geschichte oder Philosophie und eines aus Naturwissenschaften oder Mathematik. Fix- und Treffpunkt ist das wöchentliche DissertantInnenseminar, bei dem möglichst alle IK-WissenschafterInnen und Gäste aus dem Ausland anwesend sein werden.

Ausbildung mit Aussichten


Daneben arbeiten die KollegiatInnen im Rahmen einer 20-Stunden-Stelle an der Universität Wien als Lehr- und Forschungsassistenz: "Sie bekommen Aufgaben, die themenrelevant für sie selber sind", versichert Ash. Mit der Ausbildung können sie sich für eine wissenschaftliche Karriere oder eine Stellung im Kulturbetrieb - etwa in einem Science Museum oder Science Center - qualifizieren.

"Initiativ" bedeutet Anstoß


Mitchell Ash, der in Harvard promoviert hat, hätte sich auch selbst für das IK "Naturwissenschaften im historischen Kontext" beworben, wenn es dieses damals bereits gegeben hätte. Für ihn ist das Initiativkolleg hochschulpolitisch ein kluger Schritt und die Vorstufe zu einem PhD-Programm: "'Initiativ' bedeutet Anstoß, das soll der Anfang sein und keine 'Eintagsfliege' von drei Jahren." (sk)

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