Der türkische Kulturminister Atilla Koc und der Leiter der kulturpolitischen Sektion des Außenministeriums, Emil Brix, eröffneten Mittwochnachmittag die neuen Besucherstege in den antiken Luxusvillen. "Damit gibt es einen geordneten und die Ruine nicht beschädigenden Zugang in das Hanghaus", betonte der Direktor des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI), Professor am Institut für Klassische Archäologie und Grabungsleiter in Ephesos, Friedrich Krinzinger.
Viele Fresken und Mosaike im "Hanghaus 2"
Die ersten Räume der aus der römischen Kaiserzeit stammenden Gebäude wurden von Wissenschaftern des ÖAI in den 1950er Jahren, beginnend mit dem "Hanghaus 1", freigelegt. Das "Hanghaus 2" wurde 1962 bis 1964 erstmals großräumig angegraben. Im "Hanghaus 2" wurden sieben zweistöckige Wohneinheiten mit jeweils 170 bis 900 Quadratmeter entdeckt, die mit Fresken, Mosaiken, Marmor- und Buntsteinvertäfelungen reich ausgestattet sind. Seit dem Jahr 2000 schützt ein 4000 Quadratmeter großes, von Österreich geplantes und finanziertes Dach aus einer textilen High-Tech-Membran die antiken Mauern und Böden des rund 2000 Jahre alten Hanghauses vor Regen, Wind und Sonne.
Stege ermöglichen Zutritt für Touristen
Bisher war das Hanghaus für TouristInnen gesperrt und nur mit einer Spezialerlaubnis zu besichtigen. Die neuen, von der Türkei finanzierten Stege aus Edelstahl und Glas geben den Besuchern laut Prof. Krinzinger einen guten Überblick über das Hanghaus, führen die BesucherInnen aber nicht direkt in die Räumlichkeiten, um die kostbaren Oberflächen, vor allem Mosaike und Fresken, zu schonen. Für den Zutritt zum Hanghaus ist extra Eintritt zu entrichten, der Zugang nur gruppenweise möglich.
Mosaike und Fresken restauriert
Die von den österreichischen ArchäologInnen durchgeführten Renovierungen und baulichen Sicherungen im Hanghaus sind laut Krinzinger im wesentlichen abgeschlossen. Die WissenschafterInnen haben sich auch bemüht, die "Lesbarkeit der Ruine zu erhöhen". So wurden etwa die Säulen, die die Innenhöfe der einzelnen "Appartements" umgeben haben, wieder aufgerichtet und durch Querbalken verbunden, so dass ein besserer Eindruck der alten Gebäude entsteht. Positiver Nebeneffekt: Damit wurde auch die Erdbebensicherheit der Ruine erhöht.
Bereits in den vergangenen Jahren haben die ArchäologInnen zahlreiche in früheren Jahren abgenommene Mosaike und Fresken wieder an ihren ursprünglichen Ort zurückgebracht und restauriert. "Wir bemühen uns, den Glanz der Ruine wieder herzustellen", sagte Krinzinger. Dieser erschließt sich dem Besucher nun durch die neuen Stege. (APA)
Literaturhinweis: Hilke Thür (Hg.): Das Hanghaus 2 in Ephesos. Die Wohneinheit 4. Baubefund, Ausstattung, Funde. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 2005, 441 Seiten Textband, 246 Seiten Tafelband mit 224 Farbtafeln. |