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Homi K. Bhabha spricht in seinem Vortrag an der Universität Wien über die Ambivalenz kolonialer Verhältnisse. Foto: Harvard News Office Staff/Stephanie Mitchell


Institut für Germanistikder Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät
Homi K. Bhabha und der koloniale Diskurs
Veranstaltungen, Wissenschaft
Redaktion am  2. November 2007

Am Freitag, 9. November 2007, hält der renommierte Literaturtheoretiker Homi K. Bhabha den Vortrag "On Cultural Hybridity - Tradition and Translation". Der in Indien geborene Wissenschaftler lehrt und forscht an der Harvard University und unterrichtet als "Distinguished Visiting Professor in the Humanities" am University College in London. Bhabhas Vortrag ist eine Initiative, die Rezeption der Postcolonial Studies an der Universität Wien zu etablieren.

Homi K. Bhabha ist einer der bedeutendsten Literaturtheoretiker der Gegenwart und neben Edward Said, Gayatri Ch. Spivak und Stuart Hall der maßgebliche Repräsentant der Postcolonial Studies. Der Fokus seiner Arbeit sind Identitätskonstruktionen innerhalb des kolonialen Diskurses. Dabei gilt sein Interesse der Ambivalenz kolonialer Verhältnisse, die er nicht durch eindeutige Machtbeziehungen gekennzeichnet sieht. Die koloniale Identität bleibt immer auch vom "Anderen" abhängig bzw. wird vom "Anderen" irritiert und unterlaufen.

Produktive Zwischenräume


Es geht Bhabha um ein Aushandeln von produktiven Zwischenräumen und ein Miteinander, Ineinander und Gegeneinander unterschiedlicher Kulturen und kultureller Schichtungen. Dieses Denken bzw. die Arbeit "an der Grenze" äußert sich in theoretischen Figurationen, wie dem Begriff des "dritten Raumes" - als eines hybriden Raumes, der zugleich als Denkort verstanden werden kann, als "Schwellenraum zwischen den Identitätsbestimmungen".

Dekonstruktion der traditionellen Vorstellungen von Kolonisation


Bhabhas Arbeiten sind stark von poststrukturalistischem Denken geprägt, wie von Jacques Derridas Strategien der Dekonstruktion oder von Jacques Lacan und der Lacanianischen Psychoanalyse. Darüber hinaus bezieht er sich auf das Werk von Edward Said, besonders auf Saids Studie "Orientalism", deren Thesen er aufnimmt, kritisiert und weiterentwickelt. Im Zentrum von Bhabhas Kritik an Said steht dessen Konzentration auf die einseitige Richtung von kolonialer Macht. Said unterscheidet "latenten" und "manifesten" Orientalismus - eine Oppositionsbildung, die Bhabha ablehnt. Bhabha hingegen sieht darin - im Gestus dekonstruktiver Kritik - eine sich gegenseitig konstituierende Beziehung. (vs)

Vortrag von Homi K. Bhabha "On Cultural Hybridity ? Tradition and Translation"

Freitag, 9. November 2007 um 18.00 Uhr
Hauptgebäude Universität Wien, Kleiner Festsaal
Dr.-Karl-Lueger-Ring 1, 1010 Wien
Einladung (PDF)

Publikationsauswahl von Homi K. Bhabha
"Nation and Narration" (1990), "The Location of Culture" (1994), "Cosmopolitanism" (2002) und "Edward Said: Continuing the Conversation" (2005)

Konzeption und Organisation:
Anna Babka und Wolfgang Müller-Funk vom Institut für Germanistik der Universität Wien, wissenschaftliche Mitarbeit: Julia Malle. Mit freundlicher Unterstützung von: Stadt Wien, MA7.

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