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Ankündigung für ein chinesisches Konzert im Musikverein


Bhangra beim Vaisakhi-Mela in der Lugner City 2006.


Bollynight - im Club Ost, März 2006


Türkische Hochzeit. Foto: Sağlam, 2006


Türkisches CD Laden im 5. Bezirk. Foto: Gebesmaier 2008


Disco Pasha. Foto: Sağlam, 2008


Creative exchange: Alp Bora & Nim Sofyan. Foto: Sağlam, 2007


Institut für Europäische Ethnologie der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät Mediacult - Internationales Forschungsinstitut für Medien, Kommunikation und Kulturelle Entwicklung Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien
ImmigrantInnen in der Wiener Kreativszene
Forschungsprojekte
Theresa Dirtl (Redaktion) am  4. März 2009

Vom Hindi-Film über Türk-Pop bis hin zum chinesischen Neujahrskonzert - das kulturelle Schaffen von ImmigrantInnen in Wien ist vielfältig und zahlreich. Die Strategien, Netzwerke und Rahmenbedingungen dieses kreativen Unternehmertums untersucht ein interdisziplinäres Forschungsteam im Rahmen des WWTF-Projekts "Embedded Industries. Cultural Entrepreneurs in Different Immigrant Communities of Vienna".

Pompöse Tanzszenen und epische Hymnen, gepaart mit einer tragischen Liebesgeschichte: Seit einigen Jahren boomt der Bollywood-Film in Europa. Davon profitiert auch die indische Community in Wien, da indische Geschäfte, Videotheken und Kulturveranstaltungen nun von einer viel breiteren Kundschaft frequentiert werden. "Generell ist die Filmkultur für ImmigrantInnen aus Südasien sehr wichtig und präsent", erklärt Ass.-Prof. Mag. Dr. Bernhard Fuchs vom Institut für Europäische Ethnologie. Gemeinsam mit PD Dr. Andreas Gebesmair von Mediacult, Ao. Univ.-Prof. Dr. Ursula Hemetek von der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien und drei wissenschaftlichen MitarbeiterInnen untersucht Fuchs die Kreativszene von drei ImmigrantInnen-Gruppen: der südasiatischen, der chinesischen sowie der türkischen.

Türkische DJs und Bollywood-Clubbing

Das zweijährige Forschungsprojekt, das im Jänner 2007 startete, befindet sich derzeit in der Endphase. Neben den wissenschaftlichen Ergebnissen, die vom Team gerade ausgewertet werden, sind eine Publikation sowie eine DVD in Produktion. "Auf der DVD zeigen wir verschiedene Dokumentarfilme, die sich mit Migrationsgeschichten in den unterschiedlichen Communities beschäftigen sowie Beispiele kulturellen Unternehmertums, wie ein 'Making-of' eines deutschsprachigen Films im Bollywood-Stil oder türkische DJs beim Auflegen", erklärt Fuchs.

Wichtige Vernetzung

Die Mitglieder der südasiatischen Community - Indien, Nepal, Bangladesch und Pakistan - sind untereinander gut vernetzt, wie das Team herausgefunden hat. "Sowohl das sogenannte 'Bonding-Kapital', also die Vernetzung zwischen den unterschiedlichen ethnischen Gruppen Südasiens in Wien, als auch das starke 'Bridging-Kapital' zur Mehrheitsgesellschaft ist sehr groß", erklärt Bernhard Fuchs: "Da die Communities aus Nepal oder Bangladesch vergleichsweise klein sind, ist eine solche Vernetzung notwendig für einen wirtschaftlichen Erfolg."

Im Zuge des Projekts haben Bernhard Fuchs, der Kultursoziologe Andreas Gebesmair sowie die Ethnomusikologin Ursula Hemetek und ihr Team - Kim Kwok, Hande Saglam und Michael Parzer - unterschiedliche kulturelle Veranstaltungen der beteiligten Communities besucht, dokumentiert und mit den AkteurInnen qualitative Interviews durchgeführt. Hier wurden Schwerpunkte auf die jeweilige Biografie der MigrantInnen, die angebotenen Produkte, die Vermarktungsstrategien, Unterstützungen und Schwierigkeiten sowie auf die Netzwerke gelegt.

Vielfältig und divers

Gemeinsam ist den KünstlerInnen aus allen drei Communities, dass die wenigsten ihr kreatives Schaffen hauptberuflich ausüben (können): Als Beispiele nennt Fuchs die No-Budget-Produktionen österreichischer Filme im Bollywood-Stil, einen Zeitungskolporteur, der ein Drehbuch für einen Hindi-Film schrieb, türkische DJs, die Freitag und Samstag in türkischen Discos für den Sound sorgen oder Musiklehrer der anatolischen Langhalslaute Saz.

Generell werden auch viele türkische Events sowohl von TürkInnen als auch von ÖsterreicherInnen besucht, ob es sich um Populärmusik oder klassische Veranstaltungen handelt. Doch da die türkische Community zu den größten in Wien zählt, ist der "innerethnische Markt" viel größer, dadurch existieren verschiedene Angebote, die nur die türkische Community ansprechen sollen. "Das Image einer Kultur hängt damit natürlich auch zusammen: Die Türkei ist in Wien nicht so angesagt wie eben Indien", erläutert der Ethnologe Fuchs: "Es gibt auch türkische MusikerInnen, die bewusst vermeiden wollen, als MigrantInnen wahrgenommen zu werden - diese sind allerdings eher die Ausnahme."

China in Wien

Ein spezielles Phänomen der chinesischen Wiener Community sind die mehrmals jährlich stattfindenden chinesischen Neujahrskonzerte. "Das ist besonders spannend, weil hier ein bürgerliches 'Event' der Hochkultur in einen anderen kulturellen Kontext gesetzt wird", so Fuchs. Die Konzerte im Musikverein, bei denen fast ausschließlich KünstlerInnen aus China auftreten, sind immer ausverkauft; im Publikum finden sich in Wien lebende ChinesInnen, WienerInnen und auch viele TouristInnen. Ein wichtiges Produkt des Konzerts ist eine DVD, die in China großen Absatz findet. "Für die Karriere der KünstlerInnen ist der Auftritt beim chinesischen Neujahrskonzert in Wien ein großer Durchbruch."

Im Bereich der klassischen und traditionellen Musik gibt es in Wien auch einen Verein, der sich der Pflege der Peking-Oper widmet. Die Populärkultur findet ihren Ausdruck hauptsächlich in Karaoke-Bars. "Diese Bars sind sehr beliebt in der chinesischen Community, besonders auch bei Klassik-StudentInnen."

Ob klassisch, traditionell oder populär

Eine weitere Frage des Projekts - neben Vernetzungen und Strategien der KünstlerInnen - war auch, inwieweit sich Elemente der Musik, ob klassisch, traditionell oder populär, durch die Migration verändert haben oder dadurch beeinflusst wurden. Mit diesem Aspekt, der von Community zu Community ganz unterschiedlich ist und auch innerhalb stark variiert, beschäftigte sich Ethnomusikologin Ursula Hemetek.

In der soeben in Produktion befindlichen Publikation werden nicht nur die einzelnen Communities und ihre kreativen Strategien und Netzwerke vorgestellt, es finden sich darin auch Porträts von verschiedenen KünstlerInnen, wie einem Tabla-Lehrer oder türkischen DJs. Die DVD ist eine Ergänzung zum Buch. (td)
   

Das zweijährige WWTF-Projekt "Embedded Industries. Cultural Entrepreneurs in Different Immigrant Communities of Vienna" startete im Jänner 2007 unter Beteiligung von PD Dr. Andreas Gebesmair (Projektleiter) von Mediacult - Internationales Forschungsinstitut für Medien, Kommunikation und Kulturelle Entwicklung, Ao. Univ.-Prof. Dr. Ursula Hemetek von der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien, Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie, sowie Ass.-Prof. Mag. Dr. Bernhard Fuchs vom Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien. ProjektmitarbeiterInnen sind Kim Kwok, Hande Saglam, Michael Parzer, Max Leimstättner und Silvija Rapa.

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