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Der Romanist Jörg Türschmann hält seine Antrittsvorlesung am Mittwoch, 7. Mai.


Homepage von Jörg Türschmann Institut für Romanistikder Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät Lebenslauf von Jörg Türschmann Einladung zur Antrittsvorlesung (PDF)
Jörg Türschmann: Romanistik internationalisieren
Professuren, Porträts Neo-Professuren
Bernadette Ralser (Redaktion) am 30. April 2008

Seit September 2007 hat Jörg Türschmann die Professur für französische und spanische Literaturwissenschaft an der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät inne. Als Mitglied des größten Instituts für Romanistik im gesamten deutschen Sprachraum will der vielseitige Sprach-, Medien- und Literaturwissenschafter die Überwindung der Barrieren zwischen dem romanischen und dem angelsächsischen Sprachraum vorantreiben.

Als Univ.-Prof. Dr. Jörg Türschmann im September 2007 seine Professur am Institut für Romanistik antrat, war er dort kein Unbekannter mehr: Der 46-jährige Deutsche hat bereits im Sommersemester 2005 als Gastprofessor an der Universität Wien gelehrt - und sich prompt in die Stadt verliebt. "Wien hat alle Eigenschaften einer Großstadt, trotzdem ist sie nicht so hektisch wie andere Städte", so der gebürtige Göttinger: "An manchen Ecken hat man das Gefühl, man ist in Italien oder Frankreich - das gefällt mir als Romanist natürlich besonders gut."

Aber nicht nur der neue Wohnort - auch der Arbeitsplatz hat einiges zu bieten: "Die Universität Wien verfügt über die größte Romanistikabteilung im gesamten deutschsprachigen Raum", freut sich Jörg Türschmann: "Auch medientechnisch ist das hiesige Institut im Vergleich zu den anderen Universitäten, an denen ich gelehrt habe, überdurchschnittlich gut ausgestattet."

Technik betreuen, Lehrpersonal schulen


Jörg Türschmann weiß, wovon er spricht: Nach einem Ausflug in die Welt des Films - nach dem Studium arbeitete der Philologe als Pressesprecher und Organisator eines Kinoverbunds - forschte und lehrte er an Romanistikinstituten in Göttingen, Mannheim, Freiburg und Kassel. Allerdings nicht immer als Literaturwissenschafter: "Ich habe eine sprachwissenschaftliche Abschlussarbeit geschrieben, im Bereich Medienwissenschaft promoviert und schließlich eine literaturwissenschaftliche Habilitation verfasst", erklärt der vielseitige Neo-Prof, der u.a. auch schon als Linguist gearbeitet hat.
Als technikinteressierter Medienwissenschafter sieht er es als seine Aufgabe an, den didaktischen Einsatz von audiovisuellen Medien am Institut für Romanistik zu fördern. Dafür wurde auf Türschmanns Anregung hin bereits eine neue Stelle geschaffen: "Es gibt nun jemanden, der sich um die Technik kümmert und das Lehrpersonal in die Bedienung einschult."

Stiefkind "karibische Literatur"

Auf Basis der guten technischen Infrastruktur - jeder Hörsaal ist mit Videoprojektor, Fernseh- und Internetanschluss ausgestattet - möchte Türschmann in weiterer Folge Forschungsvorhaben fördern, die im Bereich der Medienwissenschaft liegen: "Das wird der französische Film in Geschichte und Gegenwart sein, aber auch das spanische und französische Fernsehen." Weitere Forschungsschwerpunkte des filmbegeisterten Romanisten sind die spanische und französische Literatur des 16., 17. und 19. Jahrhunderts. Vorantreiben will er auch die Beschäftigung mit der karibischen Literatur, die bisher in der Romanistik stark vernachlässigt wurde.

Öffnung für den anglophonen Raum

Besonders am Herzen liegt dem Literaturwissenschafter jedoch die Öffnung der Romanistik für den anglophonen Raum: "Es gibt eine Barriere zwischen der deutschsprachigen Romanistik und entsprechenden anglophonen Fachdisziplinen, in Bezug auf die Französistik mehr als die Hispanistik, auf die Literaturgeschichte mehr als die Literaturtheorie und die Medienwissenschaft."
Denn die deutschsprachige Romanistik bleibt in mancher Hinsicht gerne unter sich: So ist es zu Türschmanns Bedauern für eine wissenschaftliche Karriere als RomanistIn an einer deutschsprachigen Universität möglicherweise sogar abträglich, in angelsächsischen Ländern als Hochschuldozent Erfahrungen gesammelt zu haben.

Internationale Anbindung

"Es gibt beispielsweise immer noch KollegInnen, die jeden Kontakt mit dem Englischen vehement ablehnen, keine englischsprachige Sekundärliteratur hinzuziehen und sich weigern, englischsprachige Abschlussarbeiten anzunehmen. Aber wir brauchen Internationalität - für Ideen, Forscherverbünde, Drittmittel, die Rezeption aktueller Forschungsbeiträge etc.", fährt Türschmann fort und bezweifelt, dass sich die deutschsprachige Romanistik als universitäres wissenschaftliches Fach ohne internationale Anbindung in Zukunft weiterhin behaupten kann.

Das Institut für Romanistik der Universität Wien hat die besten Voraussetzungen, diesen Prozess der Öffnung und Internationalisierung selbstbewusst und konstruktiv zu begleiten. Neo-Prof Jörg Türschmann ist optimistisch: "Ich habe das Gefühl, dass sich immer mehr KollegInnen der internationalen wissenschaftlichen Fachgemeinschaft über den deutsch- und romanischsprachigen Bereich hinaus öffnen und damit auf immer positivere Resonanz bei den BegutachterInnen ihrer wissenschaftlichen Arbeiten stoßen." (br)


Die Antrittsvorlesung von Univ.-Prof. Dr. Jörg Türschmann mit dem Titel "Die Kunst des Fragments. Gegenstandsbestimmung einer kulturwissenschaftlichen Romanistik " findet am Mittwoch, 7. Mai  um 17 Uhr im Kleinen Festsaal der Universität Wien statt.

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