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Der evangelische Theologe Ulrich Körtner leitet die Forschungsplattform Ethik und Recht in der Medizin.


Forschungsplattform Ethik und Recht in der Medizin Institut für Systematische Theologie der Evangelisch-Theologischen Fakultät

Interview mit Ulrich Körtner: "Es braucht Geduld und einen langen Atem" (März 2006)

Artikel über Sterbehilfe: "Eine Ethik des Sterbens" (April 2005)    
Kombination aus Ethik, Recht und Medizin
Forschungsplattformen, Forschungsprojekte
Heidrun Huber (Redaktion) am  5. September 2006

Dem interdisziplinären Dialog über aktuelle Probleme der Medizinethik und des Medizinrechts widmet sich das Institut für Ethik und Recht in der Medizin. Dieses läuft seit 2004 als gemeinsame Forschungsplattform der Katholisch-Theologischen, der Evangelisch-Theologischen und der Rechtswissenschaftlichen Fakultät sowie unter Beteiligung der Medizinischen Universität Wien.

Welche Auswirkungen auf das Arzt-Patienten-Verhältnis hat die neue österreichische PatientInnenverfügung? Welchen ontologischen und moralischen Status hätten neue Lebensformen, die mit Reproduktionsmedizin im Labor erzeugt werden? Solchen und ähnlichen Fragestellungen geht die Forschungsplattform "Institut für Ethik und Recht in der Medizin" nach, die nun schon seit rund 13 Jahren besteht.

Anstoß: Skandal um Lainz

"Anstoß für die Gründung des Instituts war der damalige Pflegeskandal um Lainz", erzählt Institutsvorstand O. Univ.-Prof. Dr. Ulrich Körtner. Vier Krankenpflegerinnen des Krankenhauses Wien-Lainz wurden 1989 verhaftet, weil sie PatientInnen getötet hatten. Sie plädierten im Laufe der Verhandlungen darauf, bei einigen Fällen "humane Sterbehilfe" geleistet zu haben. Infolgedessen war eines der ersten Forschungsprojekte der Forschungsplattform eine Untersuchung zu ethischen Einstellungen und ethischen Standards bei Pflegepersonal in ostösterreichischen Spitälern.

Fächerübergreifende Forschungsvorhaben

Damals war die heutige Forschungsplattform allerdings als Senatsinstitut organisiert. Ein Universitätsgesetz und eine Universitätsreform später fand man nun als Forschungsplattform die optimale organisatorische Einheit zur interfakultären Zusammenarbeit. Stichwort interfakultär: Die Katholisch-Theologische, die Evangelisch-Theologische und die Rechtswissenschaftliche Fakultät sind hier vertreten. Über einen Kooperationsvertrag arbeitet man mit der Medizinischen Universität Wien zusammen. "Wir arbeiten interdisziplinär und nehmen auch medizinische Sachverhalte zur Kenntnis", betont Ulrich Körtner.

Mensch oder Humunculus?

Problemstellungen aus dem Forschungsbereich Medizinethik und Medizinrecht verlangen eine interdisziplinäre Zugangsweise. Ein Beispiel: Laut österreichischem Fortpflanzungsmedizingesetz sind Embryonen eigentlich nur solche Zellen, die durch Zeugung, das heißt durch Verschmelzung von einer Ei- und einer Samenzelle entstehen, so Körtner. Eine geklonte Zelle entspreche dem also nicht. Wie ist eine solche Zelle dann ethisch und rechtlich zu beurteilen? "Sie können medizinethische Fragen nur sinnvoll bearbeiten, wenn Sie medizinrechtliche Fragen einbeziehen", weiß der evangelische Theologe die Zusammenarbeit zu schätzen. Die Antwort hat Konsequenzen für den Embryonenschutz und für aktuelle Fragen, was man mit diesen "Embryonen" machen dürfe. DDr. Matthias Beck, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsplattform, widmet sich in seiner Habilitation ausführlicher dieser Problematik des ontologischen und moralischen Status neuer Lebensformen.

Gut gemeint ist noch lange nicht gut

Ein weiterer Schwerpunkt der Forschungsplattform lag immer schon auf Lehre sowie Fort- und Weiterbildung. In Zusammenarbeit mit der Ärztekammer wurde mehrfach der Kurs "Gut gemeint ist noch lange nicht gut" für MedizinerInnen und Pflegepersonal angeboten. Entsprechende Lehrangebote hielt man an der Universität Wien nicht nur für angehende MedizinerInnen ab, sondern auch für Studierende anderer Studienrichtungen; eng kooperiert wird hierbei mit dem Institut für Pflegewissenschaft.

Dr. Maria Kletecka-Pulker, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts aus der Rechtswissenschaft, arbeitet derzeit an einem Lehrbuch zum Schwerpunkt Recht der Pflege. Überhaupt tut sich das Institut mit Publikationen hervor. Im Frühjahr erschien das Sammelwerk "Lebensanfang und Lebensende in den Weltreligionen", das vom neuen Schwerpunkt der Forschungsplattform zu Fragen der interkulturellen Ethik zeugt.

Nach wie vor einzigartig

"Das Institut hat sich als Kooperationspartner der Medizin etabliert und einen festen Stand im Bereich der Politikberatung. Aus internationaler Perspektive hat die Universität Wien mit dieser Einrichtung einen Schritt nachvollzogen, der sich in anderen Ländern so auch ergeben hat", bilanziert Institutsvorstand Körtner all die Jahre interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Medizin, Recht und Ethik. Nach wie vor ist diese Kombination einzigartig in Österreich. Ulrich Körtner selbst wurde im März 2006 für eine dreijährige Funktionsperiode als Mitglied der World Commission on the Ethics of Scientific Knowledge and Technology (COMEST) vom Generaldirekter der UNESCO ausgewählt. (hh)

Das Institut für Ethik und Recht in der Medizin wird seit 1. Oktober 2004 als gemeinsame Forschungsplattform der Katholisch-Theologischen Fakultät, der Evangelisch-Theologischen Fakultät und der Rechtswissenschaftlichen Fakultät geführt. Vorstand ist O. Univ.-Prof. Dr. Ulrich Körtner, stellvertretende Vorstände sind Univ.-Prof. DDr. Christian Kopetzki (Institut für Staats- und Verwaltungsrecht) und O. Univ.-Prof. Dr. Günter Virt (Institut für Moraltheologie).

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