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Institut für Zeitgeschichteder Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät  
Konferenz: Wien und die jüdische Erfahrung
Wissenschaft, Veranstaltungen
Redaktion am 15. März 2007

Eine breit angelegte, viertägige internationale Konferenz beschäftigt sich von Montag, 19. bis Donnerstag, 22. März 2007 mit der "jüdischen Erfahrung" in Wien von 1900 bis 1938. Ein breites Kulturprogramm ergänzt den interdisziplinären Austausch über die neuesten Forschungsergebnisse. Organisiert wird die Tagung vom Zeithistoriker Frank Stern.

"Die Wissenschaft darf nicht im Elfenbeinturm stattfinden, sondern muss sich der Öffentlichkeit und der Diskussion stellen", ist Univ.-Prof. Dr. Frank Stern vom Institut für Zeitgeschichte, der die Tagung "Wien und die jüdische Erfahrung 1900–938. Akkulturation, Antisemitismus, Zionismus" organisiert, überzeugt.
Die Konferenz wirft erstmals einen Blick auf das Wiener jüdische Leben in der Zwischenkriegszeit - damit repräsentiert sie sowohl den aktuellen Forschungsstand der österreichisch-jüdischen Geschichte zwischen 1900 und 1938 als auch die Lebendigkeit der österreichisch-jüdischen Kultur der 1920er Jahre. Den Zeitpunkt für die Tagung hält Stern für ideal: "Wir werden im nächsten Jahr 1938 gedenken, dafür ist es wichtig, sich die Situation der 1920er und 30er Jahre bewusst zu machen."

Vorträge an historischen Orten


Die wissenschaftlichen Vorträge zu Gesellschaft und Politik, Musik und Literatur, Akkulturation und Zionismus finden im Festsaal des Rathauses (Eröffnung) sowie im Elise-Richter-Saal und im Kleinen Festsaal der Universität Wien - "historische Orte, aus denen 1938 Wiener jüdische Wissenschaft und Kultur vertrieben wurde", betont Frank Stern.
Den Eröffnungsvortrag "Was nicht im Baedeker steht: Juden und andere Österreicher im Wien der Zwischenkriegszeit" (Mo, 19.3., 18 Uhr im Rathaus) hält der Historiker Steven Beller, in Washington lebender Autor mehrerer Bücher zur österreichischen und jüdischen Geschichte.

Die wissenschaftliche Forschung habe sich stark auf das Fin de Siècle konzentriert, doch viele jüdische KünstlerInnen und Wissenschafter hätten erst danach ihre produktivste Phase gehabt. An prominenten Namen fehlt es nicht bei den Vortragsthemen, die Liste reicht von Schnitzler und Joseph Roth bis Felix Salten, von Gustav Mahler bis Arnold Schönberg, von Sigmund Freud bis Walter Benjamin. Doch es geht auch um die Lebenserfahrung der breiten jüdischen Bevölkerung.

Von Frauenbewegung bis kulturelles Leben


Denn Stern ist es ein großes Anliegen, dass Judenverfolgungen und Shoa bei der Beschäftigung mit der jüdischen Geschichte nicht die reichen kulturellen Leistungen und Traditionen überdecken: "Es ist wichtig, der heranwachsenden Generation positive Erfahrungen zu vermitteln. Es geht nicht nur um die Vertreibung, sondern auch um die Frage: Wie waren diese Menschen davor?" Und gerade dabei gibt es - von "Jüdische Feministinnen in der Wiener bürgerlichen Frauenbewegung" über die Rabbiner-Ausbildung bis zum "Jüdischen Leben in kulturellen Zwischenräumen" - bei der Wiener Konferenz viel bisher kaum Bekanntes zu entdecken.
"Indem sich die Themen der Konferenz sowohl an ForscherInnen als auch an eine breite Öffentlichkeit wenden, soll gezeigt werden, dass das Wiener jüdische Leben im Zentrum unserer Gesellschaft von höchster Aktualität ist", so Stern.

Kulturprogramm


Das jüdische Kulturschaffen ist nicht nur ein Themenschwerpunkt der Tagung (Komponisten, Unterhaltungskünstler, Theater-, Filmschaffende und ihre Werke werden vorgestellt), sondern wird im Rahmen eines ambitionierten Kulturprogramms wiederbelebt. So liest die Burgschauspielerin Elisabeth Orth zur Eröffnung im Wiener Rathaus am 19. März aus Arthur Schnitzlers "Der Weg ins Freie", das Filmarchiv Austria zeigt am 20. März im Metro Kino "Die Stadt ohne Juden", die anschließende Diskussion moderiert Frank Stern.
Das jüdische Museum veranstaltet am 21. März Führungen durch die Ausstellungen seines Hauses, und die Künstler Georg Wacks, Stefan Fleischhacker und Martin Thoma spielen am 22. März im Kleinen Festsaal der Universität Wien Lieder und Texte aus der "Armin Berg Revue".

Graduiertenkonferenz


Parallel zur Konferenz hat der Schwerpunkt Visuelle Zeit- und Kulturgeschichte am Institut für Zeitgeschichte zu einer Graduiertenkonferenz eingeladen, an der junge WissenschafterInnen aus Frankreich, Ungarn, Deutschland, Israel und Österreich ihre teilweise noch unpublizierten Forschungsergebnisse vorstellen werden, erzählt Frank Stern. Innerhalb dieses Rahmens können sie vor Ort mit den ReferentInnen Kontakt aufzunehmen, die Themen der Konferenz im Hinblick auf eigene Forschungen diskutieren und sich mit den Schwerpunkten an der Universität Wien vernetzen. (APA/red)


Internationale Konferenz "Wien und die jüdische Erfahrung 1900–938. Akkulturation, Antisemitismus, Zionismus"

Montag, 19. bis Donnerstag, 22. März 2007
Eröffnung: 19.3., 18 Uhr, Wiener Rathaus, Festsaal
Vorträge 20.-22.3.: Universität Wien, Hauptgebäude (Kleiner Festsaal, Elise-Richter-Saal)
Programm (PDF)

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