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Silvia Stoller organisiert die Tagung zu Simone de Beauvoirs Studie "Das Alter", die wissenschaftlich bisher weniger Beachtung fand als "Das andere Geschlecht".



Tagungshomepage "Alter/Altern" Institut für Philosophieder Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft Homepage von Silvia Stoller  
Kongress: Simone de Beauvoir und das Alter
Wissenschaft, Veranstaltungen
Theresa Dirtl (Redaktion) am 13. Februar 2008

Anlässlich des 100. Geburtstages von Simone de Beauvoir (1908-1986) veranstaltet die Elise-Richter-Stelleninhaberin Silvia Stoller vom Institut für Philosophie eine zweitägige Konferenz zu Beauvoirs Studie "Das Alter". Von 22. bis 23. Februar 2008 werden internationale Beauvoir-ExpertInnen unterschiedlichste Aspekte des Spätwerks der französischen Ausnahmephilosophin und Schriftstellerin beleuchten.

"Simone de Beauvoirs Studie 'Das Alter' ist mindestens ebenso wichtig wie ihr berühmtes Buch 'Das andere Geschlecht', nur viel weniger bekannt und akademisch weitgehend unbeachtet", erklärt Dr. Silvia Stoller, PhD: Deshalb hat Stoller es als Thema für die Tagung ausgewählt, "auch um einen anderen, neuen Aspekt der französischen Schriftstellerin und Philosophin zu zeigen."

Vom Geschlecht zum Alter

In dem Werk "Das Alter", das 1970 in Frankreich und 1972 in deutscher Übersetzung erschienen ist, plädiert die damals 62-jährige Simone de Beauvoir für einen menschlichen und würdevollen Umgang mit alten Menschen. "Beauvoir war immer am Puls der Zeit, mehr noch, sie war den Entwicklungen ihrer Zeit voraus und ist mit ihren Themen bis heute hochaktuell", so Stoller: "Die Geschlechterfrage hatte ihre Zeit, heute ist - nicht nur im Zuge der Pflege- oder Pensionsdebatte - die Altersfrage besonders relevant."

Beauvoir übt in "Das Alter" heftige Gesellschaftskritik: So geht sie davon aus, dass der respektlose und würdelose Umgang mit alten Menschen eine Folge des Kapitalismus und der Ökonomie sei. "Die Marktwirtschaft funktioniert ganz einfach: Sobald Menschen nicht mehr arbeiten können, sind sie 'unbrauchbar' für die Gesellschaft. Und damit wertlos und eine Belastung", fasst Stoller Beauvoirs These zusammen. Beauvoirs Studie kann daher als radikal-humanistisches Plädoyer für einen menschlichen Umgang mit alten Menschen gesehen werden.

Alter ist eine Konstruktion

Die französische Philosophin verfolgt in ihrem Werk über das Alter unter anderem einen ähnlichen Ansatz wie in "Das andere Geschlecht": Sie postuliert, dass Alter - wie auch die Kategorien Mann und Frau - keine rein biologische Tatsache sei, sondern eine kulturelle Konstruktion. "Die Gesellschaft sagt den Menschen, ab welchem Zeitpunkt sie alt seien - etwa mit Pensionsantritt.  Ab dann sind sie für die - kapitalistische - Gesellschaft nicht mehr von Nutzen. Diese Vorgaben, die sich im Laufe der Zeit immer wieder geändert haben, sind eindeutig nicht von 'Natur aus gegeben', sondern von der Gesellschaft diktiert", so Stoller.

Wertvoll für die Gesellschaft

Die simpel klingende Lösung für einen würdevollen Umgang mit alten Menschen liegt, laut Simone de Beauvoir, darin, ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass sie trotz ihres fortgeschrittenen Alters wertvoll für die Gesellschaft seien - und keine Last. "Es ist bekannt, dass aktive alte Menschen mehr Lebensmut und -sinn empfinden. Das Gesamtbild der Gesellschaft auf alte Leute muss sich verändern", sagt Stoller.

Die Wissenschaft hat sich dem Thema Alter/n schon vor einigen Jahren angenommen; in den USA können Interessierte auch "Age Studies" studieren. Der derzeitige Trend zeigt, dass zu den "üblichen Kategorien" der Cultural Studies wie Race, Class und Gender nun auch "Age" hinzukommt.

Internationales Vortragsprogramm

Internationale Beauvoir-ExpertInnen und feministische PhilosophInnen aus Europa, Kanada und den USA wie Prof. Dr. Penelope Deutscher (Northwestern University, USA) oder Prof. Dr. Debra Bergoffen (George Mason University, USA) werden gemeinsam mit ExpertInnen aus Österreich unterschiedliche Perspektiven des Beauvoir'schen Alterswerks beleuchten. Im Zentrum der zweitägigen Konferenz stehen die Fragen: Was ist der philosophische Beitrag von Simone de Beauvoirs? Worin besteht die Bedeutung von Beauvoirs Studie "Das Alter" für die Gender Studies? Inwiefern trägt Beauvoirs Studie zum Verständnis des Alters und des Alterns in unserer Zeit bei?

Konferenzeröffnung mit Philosophin Penelope Deutscher

Zur Eröffnung sprechen am Freitag, 22. Februar 2008, Peter Kampits, Dekan der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft, Elisabeth Nemeth, Vorständin des Instituts für Philosophie, und Silvia Stoller, wissenschaftliche Leiterin der Konferenz. Der anschließende Vortrag in englischer Sprache von Penelope Deutscher widmet sich der Frage nach dem Verhältnis von Alter und Geschlecht. (td)

"Alter/Altern. Zu Simone de Beauvoirs Studie 'Das Alter'"
Freitag, 22. bis Samstag, 23. Februar 2008
Aula, Universitätscampus Hof 1, Universität Wien
Spitalgasse 2-4, 1090 Wien
Programm (PDF)
Eintritt frei, keine Anmeldung erforderlich, Tagungssprachen sind Englisch und Deutsch, barrierefreier Zugang.

Die Konferenz "Alter/Altern. Zu Simone de Beauvoirs Studie 'Das Alter'" wird vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, Stadt Wien/Wissenschaftsabteilung, Bundesministerium für Soziales und Konsumentenschutz, Verein "Gruppe Phänomenologie", Internationales Netzwerk "Feminist Phenomenology" und Blumen Stoller/Bleiburg gefördert.

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