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Die Künstlerin Iris Andraschek überzeugte die Jury mit ihrem Projekt "Der Muse reicht's". Foto: T. Dirtl


Der Schatten in Form einer Frauenfigur wird ca. 170 Quadratmeter Grundfläche einnehmen Collage: I. Andraschek


Derzeit arbeitet Iris Andraschek an der endgültigen Form des Schattens, den ...


... sie aus den Silhouetten von Frauen, die an der Universität Wien tätig sind, generiert.


"Akteurinnen, die eine selbstsichere, kämpferische Pose einnehmen", so Andraschek. Fotos: T. Dirtl


Kunstprojekt: "Der Muse reicht's" im Arkadenhof
Wissenschaft
Theresa Dirtl (Redaktion) am 26. Juni 2009

154 Büsten und Tafeln befinden sich in den Gängen des Arkadenhofs der Universität Wien. Darunter ist nur eine einzige Frau mit einer Tafel vertreten: Marie von Ebner-Eschenbach. Diesem jahrzehntelangen Versäumnis, auch Wissenschafterinnen ein Denkmal zu setzen, kommt die Universität Wien nun nach. Im Herbst 2009 wird das Kunstwerk "Der Muse reicht's" im Arkadenhof der Öffentlichkeit präsentiert. Im Gespräch erzählt die Künstlerin Iris Andraschek über Herausforderungen und Hintergründe des Projekts und warum es ihr auch persönlich ein großes Anliegen ist.

Ende des Jahres 2008 wurden insgesamt sechs Künstlerinnen von der "BIG Art" (Bundesimmobiliengesellschaft) eingeladen, an einem Kunstwettbewerb teilzunehmen: Thema der Ausschreibung war der Entwurf ein "Denkmals" für den Arkadenhof der Universität Wien, das sich mit dem Versäumnis der Ehrung von Wissenschafterinnen an der Universität Wien auseinandersetzt.
Am 24. April 2009 entschied sich die Jury - der neben Fachleuten aus dem Bereich der Architektur und Kunst u.a. auch Vizerektor Johann Jurenitsch angehörte - für das Projekt der Künstlerin Iris Andraschek "Der Muse reicht's". Sie überzeugte die Jury mit ihrer Idee, ausgehend von der Castalia-Statue im Arkadenhof einen riesigen Frauenschatten in den Boden einzulegen.

Redaktion: Was hat Sie konkret an dem Projekt gereizt?

Iris Andraschek: Schon die Einladung war eine große Ehre für mich, weil der Arkadenhof ein spannender Ort ist, ein Kunstprojekt zu realisieren. Er ist ein Kraftort, ein Ort, wo sich Wissen bündelt. Die Thematik ist nicht weniger spannend. Es ist ein sehr sensibles Thema, das Versäumnis aufzuzeigen, dass Frauen jahrhundertelang nie geehrt wurden oder nie in dem Ausmaß zu Ehrungen gekommen sind wie Männer. Das beweist der Arkadenhof, wo unter 154 Tafeln und Büsten nur eine Tafel einer Frau gewidmet ist.

Redaktion: Wie haben Sie sich vorbereitet bzw. wie sind Sie an die Thematik herangegangen?

Andraschek: Ich bin unter anderem im Arkadenhof auf Frauen zugegangen, hauptsächlich auf Studierende, und habe sie gefragt, wie sie dieses Versäumnis hier im Hof sehen. Diese durchwegs sehr kritischen und lebendigen Frauen waren sich alle einig, dass es ein Wahnsinn ist, dass bis heute noch nichts diesbezüglich passiert ist. Erst da ist mir richt bewusst geworden, wie akut das Thema ist, und dass das Projekt als großes, starkes Zeichen - die Grundfläche der geplanten Frauenfigur in Schattenform ist immerhin rund 170 Quadratmeter groß - von allen sehr begrüßt wird.

Redaktion: Wie haben Sie die Idee entwickelt, von der Castalia aus einen riesigen Schatten über den Arkadenhof zu legen?

Andraschek: Die Idee, ein Zeichen in den Boden einzulassen, war von Beginn an da. In Folge setzte ich mich mit der einzigen weiteren Frau im Arkadenhof, Castalia, auseinander. Der Castalia-Brunnen wird ja ursprünglich als Quelle für Weisheit und Inspiration interpretiert. Doch in meinen Recherchen bin ich neben anderen Interpretationen auf eine weitaus brisantere Geschichte in der Mythologie gestoßen: Castalia wurde von Apollo verfolgt und ist auf der Flucht vor ihm in die Quelle gesprungen und darin zerflossen. Apollo hat daraufhin immer von dieser Quelle getrunken und so Inspiration erfahren. Außerdem war die Quelle den Musen geheiligt.
Der Mythos des Brunnens und seine Konstellation im Arkadenhof - in der Mitte des Hofs platziert und von lauter Männern umringt - hat mich schlussendlich auf die Idee mit dem Schatten gebracht. Dieser soll das Versäumnis, Frauen zu ehren, symbolisieren - insofern, als diese Politik einen Schatten auf die Universität geworfen hat. Aber es gibt natürlich noch andere Assoziationen zum Schatten, etwa jene dass Frauen nun endlich aus dem Schatten heraustreten.

Redaktion: Der Schatten ist aber nicht der Schatten der Castalia?

Andraschek: Nein, auf keinen Fall. Für mich war es wichtig, dass der Schatten nochmals eine Umwandlung erfährt. Die Geschichte der Castalia ist in meiner Arbeit zwar sehr wichtig, vor allem die Parallelgeschichte aus der Mythologie im Gegensatz zum Musenmythos. Gleichzeitig wollte ich einen aktuellen, zeitgenössischen Bezug zur Universität herstellen. Die Schattenform - bestehend aus anthrazitfarbigen Granit in die Bodenfläche des Arkadenhofs eingelegt - generiert sich daher aus den Silhouetten von Frauen, die an der Universität Wien tätig sind. Akteurinnen, die eine selbstsichere, kämpferische Pose einnehmen. Frauen, die sagen: "Hier bin ich". Eine Woche lang habe ich dafür über 60 Frauen im Arkadenhof auf einem Podest fotografiert; derzeit bearbeite ich ihre Silhouetten am Computer und entwerfe daraus die endgültige Form der Frauenfigur in Form eines überdimensional großen Schattens.

Redaktion: Wie kommt Castalia dabei ins Spiel, bzw. welche Rolle übernimmt sie?

Andraschek:
Da Castalia mit dem Musenmythos in Verbindung steht, möchte ich mit der Frauenfigur ganz konkret das Musenbild brechen. Wie der Titel sagt: "Der Muse reicht's". Sie möchte jetzt nicht mehr die sein, die Männer zu Taten inspiriert. Ich habe ein Problem mit dieser Projektion - insofern, als die Frau spendet und Männer zu ihren Leistungen inspiriert. Durch den Schatten, der von Castalia ausgeht, soll diese Interpretation gebrochen werden. (td)


Kurzbiografie Iris Andraschek

1963 geboren, lebt und arbeitet in Wien und Niederösterreich
1982-1986 Studium an der Akademie der bildenden Künste, Wien
1987 Studien an der Scuola di Arti Ornamentali (Fresko), Rom
Arbeitet in den Bereichen Installation, Fotografie, Zeichnung
1997 Gründung von Tigerpark (mit H. Lobnig), Mitglied Secession Wien

Ausstellungen im In- und Ausland (Auswahl):

2009 FRAGILITY OF BEING, National Museum of Contemporary Art, Bukarest; Rp POSTALTERNATIV, Kunstraum NÖ, A; 2008 Galeria La Factoria, Santiago de Chile; Musee D´Art Moderne, St.Etienne, F; 2007 Kunstraum Lakeside, Klagenfurt; A; Galerie H-10, Valparaiso, Chile; 2006 KONSTRUKTIONEN VON LÄNDLICHKEIT, Forum Stadtpark, Graz, A
Projekte im Öffentlichen Raum (Auswahl):
2006 INDEPENDENT - UNPLUGGED, Mödring, A 
2006 BADEBRUNNEN LOOSDORF -Privatshäre und Phantomwände, Loosdorf, A 2006 ZU VIEL UND ZU WENIG, Oberndorf, A
2006 GARDENS UNDER THE INFLUENCE , Gars/Kamp, A
2005 LEBEN AM HOF, Festival der Regionen, O.Ö, A

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