Teambesprechung per Skype-Konferenz, über Messenger mit der Freundin tratschen und schnell online die Bankgeschäfte erledigen: Für viele Menschen ist das Internet bereits ein fixer Bestandteil ihres beruflichen und privaten Alltags. Welche ungeahnten Möglichkeiten das World Wide Web wohl noch bereithält? Seit September 2008 beschäftigt sich ein neuer Professor an der Fakultät für Informatik mit der Internetarchitektur der Zukunft: Kurt Tutschku, Stiftungsprofessor für Future Communication der Telekom Austria, hält am 16. Oktober 2008 seine Antrittsvorlesung. |
Am 1. September 2008 trat V.-Prof. Dr. Kurt Tutschku die Stiftungsprofessur für Future Communication der Telekom Austria am Institut für Distributed and Multimedia Systems der Universität Wien an. Seither haben sich der deutsche Informatiker und sein noch kleines, aber engagiertes Team bereits gut in den neuen Räumlichkeiten in der Universitätsstraße 10 eingerichtet. Zwar sind Wände und Regale noch leer und es ist nur erste Technik installiert, aber hier soll in den nächsten Jahren die Zukunft der Kommunikationsnetzwerke mitgestaltet werden.
Im Moment ist der neue Professor, der an der Universität Würzburg promovierte und sich 2008 auf dem Gebiet der Peer-to-Peer-Systeme als Steuerungsmechnismen für das zukünftige Internet habilitierte, noch mit dem Aufbau der in Österreich einmaligen Professur beschäftigt. "Wir werden jedoch schon im laufenden Wintersemester mit Forschung und Lehre beginnen", sagt der 41-Jährige, der sich nach einer Vertretungsprofessur an der TU Chemnitz im Jahr 2006 und einem anschließenden Forschungsaufenthalt am National Institute for Information and Communication Technology (NICT) in Tokyo auf die neue Herausforderung in Wien freut.
Future Communication
Geforscht und gelehrt werden soll über neue Möglichkeiten und Wege der Kommunikation - im Mittelpunkt steht die Architektur des zukünftigen Internets. "Zwar sind auch die aktuellen Kommunikationsnetzwerke bereits sehr vielfältig und leisten gute Dienste, aber wir merken, dass sie wegen ihrer Komplexität langsam an ihre Grenzen stoßen", erklärt Kurt Tutschku.
Notruf per Skype?
Im Rahmen der Stiftungsprofessur will Tutschku nun untersuchen, wie leistungsstarke Kommunikationssysteme organisiert, welche Architekturen verwendet und welche Verfahren eingesetzt werden müssen, um bestehende Anwendungen zu verbessern - etwa die Internet-Telefonie - oder völlig neuartige zu konzipieren - zum Beispiel interaktive Fernsehanwendungen.
"Menschen erledigen bereits einen Großteil ihrer Telefonate im Internet mit Skype, aber vermutlich würde keiner einen Notruf damit absetzen wollen. Noch ist die Qualität und Zuverlässigkeit nicht einwandfrei genug", sagt Tutschku: "Das soll sich ändern: Wir verstehen uns hier als ein Institut, das leistungsfähige Werkzeuge und Architekturen für die Kommunikation der Zukunft bereitstellt."
Vom Anwender zum Anbieter
Dabei stellt der aktuell beobachtbare Paradigmenwechsel vom "User" zum "Provider" eine besondere wissenschaftliche Herausforderung für den Informatiker dar: "Internet-UserInnen sind nicht mehr nur KonsumentInnen wie zu Beginn der Internetnutzung, sondern stellen seit einigen Jahren selbst Information bereit - man denke nur an Anwendungen wie YouTube, MySpace oder Wikipedia. Dieser Übergang ist in der Technologie der Kommunikationsnetze bis jetzt noch nicht vorhanden."
Kreatives Potenzial der Studierenden
In der Lehre liegt es dem neuen Professor am Herzen, das kreative Potenzial der Studierenden zu fördern und sie so früh wie möglich in die Forschung einzuführen. Hier bietet die enge Zusammenarbeit mit der Industrie im Rahmen der Stiftungsprofessur die ideale Voraussetzung für eine rasche Umsetzung innovativer Ideen.
Internationalisierung
Sowohl in Forschung als auch in Lehre setzt Kurt Tutschku Schwerpunkte im Bereich der Untersuchung neuer Basistechnologien, Selbstorganisation, Virtualisierung sowie Leistungsbewertung von Telekommunikationsnetzwerken.
Darüber hinaus will der Stiftungsprofessor die Internationalisierung am Institut für Distributed and Multimedia Systems weiter vorantreiben. "Die Methoden, die wir benötigen, sind so vielfältig geworden - das können wir nicht mehr alleine bewerkstelligen. Hier bedarf es internationaler Zusammenarbeit."
"Heißes Thema"
Mit welchen Möglichkeiten das Internet der Zukunft noch aufwarten wird, liegt in den Sternen: "Gewiss ist nur: Es wird sich ständig weiterentwickeln und noch stärker in unseren Alltag eingebunden sein. Wir werden zum Teil gar nicht mehr bemerken, wo wir es überall benutzen", sagt Tutschku: "Im Moment ist die Zukunft des Internets eines der heißesten Themen innerhalb der Informatik. Wie es im Detail aussehen wird - das ist unsere Forschungsaufgabe der nächsten Jahre." (br)
Die Antrittsvorlesung von V.-Prof. Dr. Kurt Tutschku mit dem Titel "Das zukünftige Internet: Virtuelle Netze für konvergente Dienste" findet am Donnerstag, 16. Oktober 2008 um 17 Uhr im Kleinen Festsaal der Universität Wien statt. |