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Grußkarte aus den USA, gestaltet von Richard S. Codor (ca. 2004), zur Verfügung gestellt von Klaus Davidowicz.


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Christkind vs. Weihnachtsmann
Lichterfest, Fastenbrechen und Geburtstag
Wissenschaft
Michaela Hafner (Redaktion) am 23. Dezember 2005

Tannenbaum, Christkind, Krippe und Geschenke - so feiert man in der christlichen Welt traditionellerweise Weihnachten. Gibt es in anderen Religionen und Kulturen ein mit Weihnachten vergleichbares Fest? KulturwissenschafterInnen der Universität Wien geben darauf Antwort.

Weihnachtsmänner auf Japans Straßen sind nicht selten - seit Jahren wird Weihnachten nach amerikanischem Vorbild gefeiert. "Am 25. Dezember gibt es einen Weihnachtskuchen - wichtig: immer eine Biskuittorte mit Schlagobers und Erdbeeren! - und die Kinder bekommen Geschenke", erzählt die Japanologin Dr. Brigitte Steger. Interessantes Detail: Seit einigen Jahren gehen unverheiratete Paare am Heiligen Abend zum Weihnachtsdinner essen.

Jüdisches Lichterfest Chanukka

Im Judentum gibt es kein mit Weihnachten vergleichbares Fest, stellt ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Klaus Davidowicz vom Institut für Judaistik fest. "In die Weihnachtszeit fällt allerdings das Chanukka-Fest, das nach dem jüdischen Kalender acht Tage lang, vom 25. Kislev bis zum 2. Tevet - meist Mitte/Ende Dezember - begangen wird." Heuer beginnt es am 26. Dezember.

"Es ist eher ein historisches als ein religiöses Fest und erinnert an die Wiedereinweihung des zweiten Jerusalemer Tempels im jüdischen Jahr 3597 (164 v. Chr.)", erklärt Davidowicz. Zuvor kämpften die Makkabäer gegen die Seleukiden-Dynastie aus Syrien, die unter ihrem König Antiochus IV. Epiphanes versuchten, das Judentum zu 'hellenisieren'. Die Makkabäer besiegten das Seleukidenreich, beseitigten den im jüdischen Tempel errichteten heidnischen Altar, stellten den Jerusalemer Tempel wieder her und führten den jüdischen Tempeldienst wieder ein.
Acht Tage lang wird jeden Tag täglich eine Kerze mehr am neunarmigen Leuchter entzündet, wobei die neunte Kerze als "Diener" zum Anzünden der anderen gebraucht wird. Dies erinnert an das Chanukka-Wunder, worüber im Talmut berichtet wird: "Es gab nur einen einzigen Krug reinen Öls, der statt einen Tag ganze acht Tage lang brannte", so der Judaist. Während der Chanukka-Feierlichkeiten, die im Kreis der Familie und Freunde begangen werden und man auch Geschenke austauscht, isst man vor allem in Öl gebackene Speisen wie Sufganiot (Krapfen) und Latkes (Erdäpfelpfannkuchen).

Große islamische Feste: Fastenbrechen und Opferfest

Auch im Islam gibt es kein vom Inhalt her vergleichbares Fest - "der Geburtstag des Propheten Muhammad wird nur klein gefeiert, hauptsächlich mit speziellen Rezitationen in Moscheen", erzählt ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Gisela Procházka-Eisl vom Institut für Orientalistik. Große religiöse Feste gibt es aber sehr wohl, wovon zwei sehr wichtig sind: "Das id al-fitr, das 'Fest des Fastenbrechens' (in der Türkei auch 'Zuckerfest') am Ende des Fastenmonats Ramadan, sowie das id al-adha, 'Opferfest', auch 'großes Fest' (id al-kabir) genannt am 10. des Monats Dhu l-Hidscha, das ist jener Monat, in dem die Wallfahrt (Hadsch) nach Mekka stattfindet", führt die Orientalistin aus.

Beim Fest des Fastenbrechens werden neben Verwandtenbesuchen den Kindern Süßigkeiten und vor allem neue Kleider geschenkt. "Auch spezielle Bäckereien, ähnlich unseren Weihnachtsbäckereien, werden hergestellt", so Procházka-Eisl. Beim Opferfest wird ein Tier, meist ein Schaf, geschlachtet, "so wie dies auch am gleichen Tag die Pilger in Mekka als Teil des Ritus machen. Das Fleisch soll geteilt werden, vor allem mit den Armen, die sich sonst selten Fleisch leisten können", berichtet Prof. Procházka-Eisl.

Geburtstage feiern

In anderen Religionen wird jedoch - ähnlich wie im Christentum - die Geburt bzw. der Geburtstag des Religionsgründers gefeiert. In Indien gibt es mehrere solcher Feste, je nach Konfession. "Die Jainas, Vertreter der Religion 'Jinismus', feiern die Geburt ihres Gründers Mahavira am 13. Tag nach dem Frühlingsvollmond. Die Sikhs feiern den Geburtstag eines wichtigen Vertreters ihrer Religion namens Gobind Singh an dem in den Dezember/Jänner fallenden Vollmond, das Fest heißt Guru Purab", erzählt Mag. Himal Trikhal. "Und die indischen Christen feiern Weihnachten", fügt der wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Südasien- Tibet- und Buddhismuskunde hinzu.

BuddhistInnen aller Welt feiern die Geburt und die Erleuchtung Buddhas, und zwar am jenem Vollmondtag, der dem Frühlingsvollmond folgt (Mai oder Juni). "In Tibet wird es als 'Sagadawa' vorwiegend mit religiösen Zerimonien begangen. Es gilt als besonders segensreicher Tag für die rituelle Umwanderung von heiligen Bergen, wie etwa des Kailash. Daneben ist es in Tibet ein beliebter Tag für Picknick", weiß ao. Univ.-Prof. Dr. Helmut Tauscher vom Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde.

In Afrika haben Islam und Christentum die traditionellen Bräuche überlagert - Weihnachten wurde in die christlichen Gegenden importiert, wobei die Bräuche dem jeweiligen missionarischen Hintergrund (Britisch, Französisch) angepasst wurden, so Univ.-Prof. Dr. Norbert Cyffer vom Institut für Afrikanistik. (mh)


Die Online-Zeitung der Universität Wien wünscht allen Leserinnen und Lesern frohe und erholsame Feiertage!

Lesen Sie Ende Dezember einen Artikel über Bräuche zum Jahreswechsel - und wann dieser in anderen Kulturen überhaupt gefeiert wird.

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