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Lieselotte Ahnert hält am 19. März ihre Antrittsvorlesung zum Thema "Öffentliche Kleinkindbetreuung auf dem Prüfstand entwicklungspsychologischer Forschung"


Webseite von Lieselotte Ahnert Institut für Entwicklungspsychologie und Psychologische Diagnostik der Fakultät für Psychologie Einladung zur Antrittsvorlesung (PDF)
Lieselotte Ahnert: Außerfamiliäre Kinderbetreuung
Porträts Neo-Professuren, Professuren
Petra Schiefer (Redaktion) am 11. März 2009

Am Donnerstag, 19. März 2009 hält die Entwicklungspsychologin Lieselotte Ahnert ihre Antrittsvorlesung zum Thema "Öffentliche Kleinkindbetreuung auf dem Prüfstand entwicklungspsychologischer Forschung" an der Universität Wien, wo sie seit Oktober 2008 forscht und lehrt. Die Wissenschafterin untersucht unter anderem die Folgen der außerfamiliären Kinderbetreuung - ein Thema, das in den letzten Jahren verstärkt die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zog.

"Die Entwicklungspsychologie und die Kinderforschung haben in Wien eine sehr lange Tradition, man denke nur an Charlotte Bühler, eine der namhaftesten Psychologinnen, die in den 1920er Jahren über die geistigen Leistungen von Kindern forschte. Daran kann ich mit meiner eigenen Forschung gut anknüpfen, da ich mich selbst im Forschungsfeld der Frühen Bildung zu Hause fühle", begründet Univ.-Prof. DDr. Lieselotte Ahnert ihre Entscheidung, dem Ruf an die Universität Wien zu folgen: Die gebürtige Thüringerin ist seit Oktober 2008 Professorin für Angewandte Entwicklungspsychologie sowie stellvertretende Vorständin des Instituts für Entwicklungspsychologie und Psychologische Diagnostik an der Fakultät für Psychologie.

Antworten auf aktuelle Fragen

In der Forschung beschäftigt sich Lieselotte Ahnert gerne mit aktuellen Fragen der kindlichen Entwicklung, wie: Wo liegen die Entwicklungsimpulse, wo die Risiken und Chancen für kleine Kinder in öffentlichen Bildungseinrichtungen? Diese und ähnliche Fragestellungen entfachen schnell öffentliche Diskussionen, die - je nach politischer Richtung oder persönlichen Erfahrungen - sehr kontrovers geführt werden: "Gerade bei solchen - oft emotionalisierten - Debatten sind wissenschaftliche Studien wichtig, um die Argumente mit Fakten untermauern zu können", so die Entwicklungspsychologin.

Faszination Kind

"Mich faszinieren die Intelligenz- und Sozialentwicklung von Kindern", sagt die Wissenschafterin: "Früher war es nicht einfach, Kleinkinder systematisch und tiefgründig zu untersuchen. Erst mit der Anwendung der Videotechnik in den 1970er Jahren wurde es möglich, die Entwicklungsverläufe auch bei sehr kleinen Kindern aufzuspüren.
 
Durch Kinderkrippen ...

Als es in Westberlin noch kaum Kinderkrippen gab, hat Lieselotte Ahnert in Ostberlin bereits Studien mit Krippenkindern durchgeführt. Diese sollten Antworten darauf liefern, warum Kleinkinder, die ein volles Jahr mit ihren Müttern zu Hause verbringen konnten, nach Krippenaufnahme plötzlich häufiger erkrankten als Kinder, die viel früher aufgenommen wurden. "Entgegen den ursprünglichen Erwartungen, dass das etwas besser ausgereifte Immunsystem der Kinder eine niedrigere Infektgefährdung nach sich zieht, hat sich damals herauskristallisiert, dass die Krankheiten der Kinder mit der Trennungsbelastung und Mutter-Kind-Bindung im Zusammenhang standen." Seither beschäftigt sich Lieselotte Ahnert mit den Bindungsbeziehungen von Kleinkindern und ihrer Funktion in Belastungssituationen.

... zur Teamfähigkeit?

Ist eine Gruppenbetreuung gut für ein Kleinkind? Grundsätzlich hänge dies von der Qualität der Einrichtung und von der psychischen Entwicklung des Kindes ab. Die "Passung" müsse stimmen. Deshalb wäre es gut, zu diesem Thema auch psychologische Beratung für die Eltern anzubieten, so Lieselotte Ahnert. Aus entwicklungspsychologischer Perspektive sieht sie in der Gruppenbetreuung eine gute Entwicklungsressource für das Kind. Denn in der Interaktion mit Gleichaltrigen kann das Kind soziale Techniken lernen - wie Erfahrungen, Gefühle und Emotionen auszutauschen -, die es in der Beziehung zu Erwachsenen nicht entwickeln kann.

"Diese Entwicklungsimpulse sind wichtig für die spätere Teamfähigkeit des Kindes", erklärt die Wissenschafterin: "Sie wirken jedoch erst ab dem 18. Lebensmonat, wenn das Kind sozialkognitiv auch in der Lage ist, eine wirkliche Beziehung zu den mitspielenden Kindern einzugehen." Bis dahin sollte das Kind eine 1:3-Betreuung erhalten, über deren Finanzierbarkeit jedoch noch immer gestritten wird, obwohl dies europaweit von den verantwortlichen Verbänden gefordert werde, so die Expertin.

Mutter-Kind-Bindung

Neben der außerfamiliären Betreuung befasst sich Lieselotte Ahnert vor allem mit der Mutter-Kind-Bindung - einem System, dem die Natur eine spezielle Rolle zugewiesen hat. "Doch die Natur hat dieses System sehr offen und flexibel angelegt, damit auch andere Personen eingebunden werden können, damit das Kind auch ohne Mutter überlebensfähig sein kann." Im Rahmen ihrer Forschung zieht Lieselotte Ahnert Vergleiche zur Vater-Kind-Bindung oder zur Bindung zwischen Erzieherin und Kind, wobei deutlich zu sehen ist, dass die Mutter nicht durch eine Erzieherin austauschbar ist, da die Mutter-Kind-Bindung ein sehr spezielles und biologisch unterstütztes Muster aufweist.

Insgesamt besteht in der Forschung zur Frühentwicklung und zu den Entwicklungsimpulsen des Kindes noch viel Nachholbedarf. "Für eine qualitativ hochwertige außerfamiliäre Betreuung ist es vor allem wichtig, die gegenseitige Einflussnahme von außerfamiliären und familiären Faktoren zu verstehen - denn darüber wissen wir noch relativ wenig", resümiert Lieselotte Ahnert. (ps)


Die Antrittsvorlesung von Lieselotte Ahnert zum Thema "Öffentliche Kleinkindbetreuung auf dem Prüfstand entwicklungspsychologischer Forschung: Risiken und Chancen für das Kindeswohl" findet am Donnerstag, 19. März 2009 um 18 Uhr im Großen Festsaal statt.

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