Zu Ehren der außergewöhnlichen Physikerin Lise Meitner finden heuer erstmals die Lise-Meitner-Lectures statt. Schauplatz dieser Veranstaltungsreihe ist u.a. die Universitätsbibliothek Wien. Am Montag, 20. Oktober 2008, 18 Uhr, finden dort Vorträge zu Biografie und Werk Lise Meitners und eine Podiumsdiskussion zum Thema "Frauen in der Wissenschaft: Kein Thema mehr?" statt. |
Die Österreichische Physikalische Gesellschaft (ÖPG) und die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) haben zu Ehren der Physikerin, die vor 130 Jahren, am 17. November 1878 in Wien geboren wurde, die Lise-Meitner-Lectures ins Leben gerufen. Veranstaltungsorte sind Wien und Berlin, denn beide Städte waren wichtige Stationen im Leben von Lise Meitner.
Mit dieser neuen Veranstaltungsreihe sollen herausragende Wissenschafterinnen einem breiten Publikum vorgestellt werden, insbesondere SchülerInnen, Studierenden und NachwuchsforscherInnen.
Vorträge und Podiumsdiskussion
Im Großen Lesesaal der Universitätsbibliothek Wien finden am Donnerstag, 20. Oktober 2008, zwei Vorträge zur Person Lise Meitner und eine Podiumsdiskussion über Frauen in der Wissenschaft statt; im Gang zur Universitätsbibliothek wird die Ausstellung "Lise Meitner und ihre 'Töchter': Physikerinnen stellen sich vor" eröffnet.
Lore Sexl (geb. 1939), Schülerin und Vertraute Lise Meitners, spricht zum Thema "Der Boden, auf dem ich stehe: Lise Meitner und Wien". Charlotte Kerner hält den Vortrag "Die tiefe Freude an der reinen Erkenntnis: Nachdenken über das Vorbild Lise Meitner". Kerner erhielt 1987 den Deutschen Jugendliteraturpreis für die Biografie "Lise, Atomphysikerin ? Die Lebensgeschichte der Lise Meitner".
Anschließend diskutieren am Podium unter dem Motto "Frauen in der Wissenschaft: Kein Thema mehr?" u.a. Renée Schroeder (Professorin für RNA-Biochemie an der Universität Wien; Vizepräsidentin des FWF), Helga Stadler (Professorin für Physik an der Universität Wien), Ingela Bruner (Rektorin der Universität für Bodenkultur) und Gerd Litfin (Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft).
Zur Biografie von Lise Meitner
Lise Meitner (1878 Wien ? 1968 Cambridge) widmete ihr Leben der Wissenschaft: Sie arbeitete auf dem Gebiet der Atomphysik und entdeckte zusammen mit Otto Hahn mehrere radioaktive Nuklide (Sorten von Atomkernen). 1939 lieferte sie die erste physikalisch-theoretische Erklärung der Kernspaltung. Lise Meitner war eine der bedeutendsten Physikerinnen ihrer Zeit. Sie gehörte zu den ersten in Österreich zum Studium zugelassenen Frauen und war 1906 die zweite Frau, die an der Universität Wien promovierte. In Berlin habilitierte sie sich 1922 als erste Frau in Deutschland im Fach Physik. 1926 wurde sie in Berlin ? als erste Frau im Bereich Physik ? außerordentliche nichtbeamtete Professorin. Als Jüdin musste Lise Meitner im Juli 1938 unter Lebensgefahr nach Stockholm fliehen, wo sie bis Ende des Zweiten Weltkriegs blieb. 1960 siedelte Lise Meitner zu ihrem Neffen Otto Frisch nach Cambridge, wo sie 1968 89-jährig starb. (red)
Lise-Meitner-Lectures Wien Montag, 20. Oktober 2008, 18 bis 21 Uhr Universität Wien, Großer Lesesaal der Universitätsbibliothek, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1, 1010 Wien 18 Uhr: Eröffnung und Grußworte in Anwesenheit von Minister Johannes Hahn 19 Uhr: Dr. Lore Sexl: "Der Boden, auf dem ich stehe: Lise Meitner und Wien" 19.30 Uhr: Charlotte Kerner: "Die tiefe Freude an der reinen Erkenntnis: Nachdenken über das Vorbild Lise Meitner" 20 Uhr: Podiumsdiskussion "Frauen in der Wissenschaft: Kein Thema mehr?"
Ausstellung "Lise Meitner und ihre 'Töchter': Physikerinnen stellen sich vor" Gang vor der Universitätsbibliothek; Hauptgebäude Universität Wien von 20. Oktober bis 12. November 2008
Dienstag, 21. Oktober 2008, 18.45 Uhr Österreichische Akademie der Wissenschaften, Festsaal, Dr.-Ignaz-Seipel-Platz 2, 1010 Wien Vortrag Prof. Dr. Mildred Dresselhaus (MIT, USA): "Why are we so excited about nano-carbons?" |