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Schautafel 7 zeigt Boltzmanns Jahre in München.


Anschließend lebte und arbeitete Boltzmann in Wien. Grafiken: Alois Kiendlhofer


Ausstellung "LUDWIG BOLTZMANN 1844?1906" Ab 10. Juni, Mo bis Fr 9?17 Uhr; Erwin-Schrödinger-Institut (Boltzmanngasse 9, 1090 Wien)
Ab 3. Juli 2006, Mo bis Mi, Fr 8?17.30 Uhr, Do 8?18 Uhr; Österreichische Zentralbibliothek für Physik (Boltzmanngasse 5, 1090 Wien)
28. August bis 16. September 2006; Bibliothek des International Centre for Theoretical Physics in Triest (Strada Costiera 11, 34014 Trieste, Italien)
Österreichische Zentralbibliothek für Physik International Erwin Schrödinger Institute for Mathematical Physics (ESI)  
Ludwig Boltzmann: Leben und Werk zu besichtigen
Veranstaltungen
Anna Kim (Redaktion) am  2. Juni 2006

Auf insgesamt 15 Tafeln können sich Interessierte ab Samstag, 10. Juni 2006, über Leben und Werk des berühmten Physikers Ludwig Boltzmann informieren. Am Dienstag, 6. Juni, findet die Eröffnung der Ausstellung "Ludwig Boltzmann 1844?1906" am Erwin-Schrödinger-Institut statt.

"Um Ludwig Boltzmanns Leben und Werk einem möglichst großen Kreis von Interessierten näherbringen zu können, wurde diese Ausstellung als Wanderausstellung konzipiert", so die geistigen Väter der Ausstellung, Dipl.-Ing. Peter Graf und Dr. Alexander Zartl von der Österreichischen Zentralbibliothek für Physik. Wanderausstellung über Boltzmann Vom Erwin-Schrödinger-Institut wandert die Ludwig-Boltzmann-Ausstellung am Montag, 3. Juli zur Österreichischen Zentralbibliothek für Physik, von dort an die Bibliothek des International Centre for Theoretical Physics in Triest und schließlich ? anlässlich der 56. Tagung der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft ? ans Institut für Physik der Universität Graz. Ein 25-jähriger Professor Ludwig Boltzmann wurde am 20. Februar 1844 in Wien geboren. Im Oktober 1863 nahm Boltzmann an der Universität Wien das Studium der Mathematik und der Physik in Angriff. Von seinem Lehrer Josef Stefan wurde er mit der neuen Maxwell'schen Theorie des Elektromagnetismus und mit der Atomistik vertraut gemacht. James Clerk Maxwell (1831–879) war für Ludwig Boltzmann zeitlebens Lehrer und Vorbild. Im Juli 1869, bereits als 25-Jähriger, wurde er zum Ordentlichen Professor an die neu errichtete Lehrkanzel für mathematische Physik an die Karl-Franzens-Universität in Graz berufen. "Die bedeutendste Veröffentlichung dieser Jahre war zweifellos die Untersuchung 'Weitere Studien über das Wärmegleichgewicht unter Gasmolekülen', die im Februar 1872 erschien", erklärt Dr. Zartl. "Boltzmann kam durch die Betrachtung der Stöße zwischen Gasmolekülen zu der nach ihm benannten Transportgleichung und zeigte, dass sich jeder beliebige Anfangszustand in einem Gas im Lauf der Zeit zu einem Gleichgewicht entwickelt. Mit dieser Arbeit war es erstmals gelungen, den thermodynamischen Begriff der Entropie auf der Grundlage der Mechanik zu erklären." Kühne Hypothesen 1873 kehrte Boltzmann für drei Jahre als Professor der Mathematik an die Universität Wien zurück. 1876 wurde er als Nachfolger August Toeplers Ordinarius für Experimentalphysik und Leiter des Physikalischen Instituts der Universität Graz. "Boltzmann entwickelte zu dieser Zeit seine statistische Deutung des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik, die er 1877 in der Arbeit 'Über die Beziehung zwischen dem zweiten Hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie und der Wahrscheinlichkeitsrechnung respektive den Sätzen über das Wärmegleichgewicht' veröffentlichte. Hier stellt er eine der wichtigsten und kühnsten Hypothesen der Physik auf: die wahrscheinlichkeitstheoretische Begründung der Wärmelehre", so Zartl. "Sein Boltzmann'sches Prinzip (ein Ausdruck, den Albert Einstein um 1910 prägte) bildet nach wie vor die Grundlage der statistischen Mechanik." Ruhmreich und glücklich

Zwischen 1876 und 1890 verlebte Boltzmann sehr erfolgreiche und schöne Jahre: Sein Ruf verbreitete sich rasch ? "junge Wissenschafter aus vielen Ländern pilgerten nach Graz, um von Boltzmann zu lernen; darunter waren spätere Nobelpreisträger wie Svante Arrhenius oder Walter Nernst" ?, und auch privat war er glücklich: Am 17. Juli 1876 heiratete er Henriette von Aigentler, "eine gebildete junge Dame, die selbst mathematische und physikalische Studien betrieben hatte", sagt Alexander Zartl. Vier der fünf Kinder Boltzmanns kamen in Graz zwischen 1878 und 1884 zur Welt. Die jüngste Tochter wurde 1891 in München geboren. Nie mehr Ausland Denn 1890 übersiedelte die Familie Boltzmann nach München. 1894 wurde Boltzmann als Nachfolger Josef Stefans zum Ordinarius für Theoretische Physik am Physikalischen Institut der Universität Wien bestellt. Lise Meitner und Karl Przibram gehörten in dieser Zeit zu seinen Studierenden. Nach einem zweijährigen Aufenthalt an der Leipziger Universität kehrte Ludwig Boltzmann nach Wien zurück. "Seine Ernennungsurkunde enthielt eine Klausel, dass er von nun an keinen Ruf an eine ausländische Universität mehr annehmen dürfe", erzählt Dr. Zartl. "Er wurde vom Kaiser moralisch verpflichtet, seine akademische Laufbahn in Wien zu beenden." Naturphilosoph und Anhänger Darwins Ludwig Boltzmann interessierte sich als Naturphilosoph für den hypothetischen Realismus, in dem er annahm, dass man die zu seiner Zeit noch umstrittene Existenz der Atome und Moleküle als Arbeitshypothese annehmen soll, bis man irgendwelche experimentelle Daten findet, die im Widerspruch zu solchen Annahmen stehen. Außerdem war er ein glühender Verfechter der Darwin'schen Evolutionslehre und nannte einmal sogar das ganze 19. Jahrhundert das "Jahrhundert Darwins".

Selbstmord 1906 Am 5. September 1906 beging Ludwig Boltzmann während eines Kuraufenthalts in Duino, der seine Leiden ? u.a. Asthma, Angina Pectoris, Blasenleiden und Depressionen ? lindern sollte, Selbstmord. "Sein Werk ist geblieben. Boltzmanns Atomistik hat sich durchgesetzt und sowohl Physik als auch Chemie haben Nutzen aus der Anerkennung der Atome gezogen. Die statistische Mechanik, die von Boltzmann und Gibbs auf der Grundlage von Maxwells Pionierarbeiten entwickelt wurde, hat bis heute ein weites Anwendungsgebiet gefunden. Auf ihrer Grundlage entstand letztlich auch die heute so bedeutende Informationstheorie", so Alexander Zartl. "Boltzmanns Transporttheorie aus dem Jahre 1872 hat das Tor zu unserer heutigen High-Tech-Welt der Mikrochips und Halbleiter, der Hochleistungsprozessoren und Computer weit aufgetan." (ak) Ausstellung "LUDWIG BOLTZMANN 1844–906"
Eröffnung am Dienstag, 6. Juni 2006, 18 Uhr 
Erwin-Schrödinger-Institut, Boltzmanngasse 9, 1090 Wien
Programm (PDF):
Begrüßung: HR Mag. Maria Seissl, Leiterin des Bibliotheks- und Archivwesens der Universität Wien
Einleitende Worte: Univ.-Prof. Dr. Klaus Schmidt, Präsident des Erwin-Schrödinger-Instituts
Vortrag: Univ.-Prof. Dr. Walter Kutschera, Dekan der Fakultät für Physik der Universität Wien
Eröffnung der Ausstellung: Dr. Wolfgang Kerber, Leiter der Österreichischen Zentralbibliothek für Physik

Anschließend Buffet. Um Antwort wird gebeten unter: 01/4277-276 00 oder per E-Mail an infophysik.ub@univie.ac.at. Während des Symposiums "Boltzmann's Legacy" am Erwin-Schrödinger-Institut vom 7. bis 9. Juni wird die Ausstellung exklusiv für die VeranstaltungsteilnehmerInnen geöffnet sein; ab Samstag, 10. Juni, ist sie für alle Interessierten offen, Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr. Ab 3. Juli 2006 sind die Schautafeln an der Österreichischen Zentralbibliothek für Physik (Boltzmanngasse 5, 1090 Wien, http://www.zbp.univie.ac.at/) ausgestellt und während der Öffnungszeiten der Bibliothek frei zugänglich.
Vom 28. August bis 16. September 2006 ist die Ausstellung an der Bibliothek des International Centre for Theoretical Physics (
http://www.ictp.it/in) in Triest zu Gast.
Anschließend wird sie von 18. bis 28. September 2006 an der Universität Graz (Aula, Hauptgebäude, 1. Stock; Mo bis Fr 9-18 Uhr, http://www.uni-graz.at/newswww/newswww_detail.htm?reference=32896)
zu sehen sein.

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