Kinderuni-ReporterInnen: Wie ist es eigentlich, mit dem Bundespräsidenten von Österreich verheiratet zu sein? Margit Fischer: Ich habe nicht den Bundespräsidenten geheiratet. Wir sind jetzt 42 Jahre verheiratet. Und da war noch lange keine Rede davon, dass er Bundespräsident wird. Ich habe einfach nur den Heinz Fischer geheiratet, weil ich ihn gern habe.
Kinderuni-ReporterInnen: Hilft Ihr Mann auch im Haushalt mit? Fischer: Wir machen sehr viel zusammen, wenn er Zeit hat. Ich bin auch oft bei seinen Terminen dabei. Wenn er nicht gerade im Büro ist oder Verpflichtungen hat. Manchmal ist er auch in der Nacht und am Wochendende unterwegs!
Kinderuni-ReporterInnen: Wie finden Sie es, wenn Menschen Kinder aus Afrika adoptieren? Fischer: Ich finde es einfach gut, wenn Leute keine eigenen Kinder bekommen können, aber trotzdem die Verantwortung leben und Kinder adoptieren. Ich glaube, man sollte keinen Unterschied machen, ob das Kind jetzt europäische, afrikanische oder asiatische Eltern hat. Wir sind alle eine Familie auf dieser Welt.
Kinderuni-ReporterInnen: Wieso ist Armut ein wichtiges Thema? Fischer: Armut ist weltweit ein zentrales Thema, das leider auch bei uns wichtig geworden ist: In Österreich leiden allein mehr als 100.000 Betroffene unter Armut. Ich bin sehr pessimistisch und sage, Armut werden wir nie ganz ausrotten können.
Man muss zwei Bereiche von Armut unterscheiden: die materielle und die soziale Armut. Besonders schlimm ist die Kombination von beiden. Aber leider gehen diese beiden Formen von Armut oft Hand in Hand und die Folgeerscheinungen sind - vor allem für Kinder - sehr, sehr schlimm. Denn wenn es soziale und materielle Armut zu Hause gibt, bedeutet das für die Kinder, dass sie weniger Chancen haben und dass sie weniger gefördert werden. Das kann sich auf unterschieldiche Weise äußern, zum Beispiel können die Kinder nicht so wie ihr auf die Kinderuni gehen, weil sich keiner darum kümmert beziehungsweise weil die Eltern überfordert sind. Auch die ärztliche Versorgung von Kindern, die von Armut betroffen sind, ist gefährdet.
Unter dieser Benachteiligung leiden manche Menschen ihr ganzes Leben und geben diese manchmal auch an ihre Kinder weiter. Wir wollen diesen Zirkel durchbrechen, das ist ein Zirkel, der mir nicht gefällt. Ich möchte, dass Armut für Kinder kein Thema mehr ist! Kinderuni-ReporterInnen: Was ist Armut eigentlich? Fischer: Armut zeigt sich in jedem Land anders. In Europa oder in Österreich rechnet man sich das aus dem mittleren Einkommen aus. Wenn jemand in Österreich 700 Euro im Monat verdient, ist er oder sie schon fast reich im Vergleich zu jemandem, der zum Beispiel in Indien oder Mexiko lebt. Daher kann man Armut nicht über das Einkommen definieren. Armut ist auch sehr individuell. Ich habe bei meinen vielen Reisen schon erlebt, dass es auch emotional ein riesiger Unterschied ist. Jemand, der in einer Gesellschaft lebt, die gewohnt ist, mit ganz wenig Geld auszukommen und alles selbst zu produzieren, sieht sich selbst nicht in dem Maße "arm" wie jemand, der in einer westlichen Gesellschaft lebt und sich alles kaufen will. Das zeigt, wie individuell das Empfinden in dem Bereich ist.
Kinderuni-ReporterInnen: Wen trifft die Armut am meisten? Fischer: Nach der Statistik die Kinder und alleinerziehende Frauen.
Kinderuni-ReporterInnen: Österreich ist eines der reichsten Länder der Welt. Warum gibt es bei uns überhaupt Armut? Fischer: Wenn man die Arbeit verliert beziehungsweise gar keine Arbeit hat, dann ist man auch bei uns sehr schnell arm. Da reichen unsere sozialen Gesetze nicht aus, um ein entsprechendes Einkommen zu sichern. Wie gesagt gibt es verschiedene Arten von Armut: die materielle und die soziale. Armut hat also viele Gesichter: Es kann zum Beispiel heißen, dass eine alleinerziehende Mutter am Existenzminimum leben muss und auch unter gesundheitlichen und psychischen Problemen leidet. Arm sind auch die Menschen, die keine Arbeit finden und deren Selbstwertgefühl darunter leidet. Das haben wir auch in Österreich.
Kinderuni-ReporterInnen: Sie sind auch Vorsitzende des Vereins ScienceCenter-Netzwerk. Warum haben sie dieses Netzwerk gegründet? Fischer: Ich habe 1993 mein erstes ScienceCenter in Vancouver in Kanada gesehen. Es war an einem schulfreien Tag und es hat geregnet. Trotzdem war es dort bummvoll und wimmelte von Kindern und Jugendlichen. Die Luft hat geknistert vor Spannung und Konzentration! Meine Kinder waren damals gerade Ende der Mittelschule, und ich habe mich gefragt, warum unsere Kinder in Österreich nicht mit soviel Spannung, Spaß und Engagement und mit solcher Hingabe naturwissenschaftliche und wissenschaftliche Fächer lernen wie diese Kinder, die so ein Zentrum zur Verfügung haben. Das war die Geburtsstunde des ScienceCenter-Netzwerks in Österreich. Ich habe es gegründet, um auch österreichischen Kindern Spaß an der Wissenschaft zu vermitteln. In den verschiedenen österreichischen ScienceCenters soll dies nun möglich sein.
Kinderuni-ReporterInnen: Was verbindet Sie mit der Universität Wien? Fischer: Ich habe selbst an der Universität Wien studiert und hätte auch gerne abgeschlossen. Ich habe mein Studium erst spät begonnen und zwar erst, nachdem ich bereits eine fertige Berufsausbildung hatte und meine Kinder auch schon auf der Welt waren. Ich konnte leider nicht fertig studieren, weil es eine sehr schwierige Situation war und es mir - mit den Kindern - dann einfach zu viel geworden ist.
Heute verbindet mich eine enge Kooperation mit der KinderuniWien und dadurch auch mit der Universität Wien. Die Kinderuni ist Partner unseres ScienceCenter-Netzwerks - ich finde, wir machen zusammen ganz tolle Sachen und viele Projekte. Und ich hoffe, es macht euch Spaß auf der Kinderuni - wir unterstützen dieses Projekt sehr gerne!
Die Fragen haben Kinderuni-ReporterInnen Marah-Lena Gletthofer und Michael Gustav Baer gestellt. Marah-Lena ist 8 Jahre alt und kommt in die vierte Klasse Volksschule. Michael ist zehn Jahre alt und kommt ins erste Gymnasium. Fotografiert hat Kinderuni-Reporter Vito Millauer. Er ist neun Jahre alt und kommt in die vierte Klasse Volksschule. |