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Sonja Strohmer vom Institut für Wirtschaftssoziologie untersucht die Markteffizienz und Mitspracherechte von ArbeitnehmerInnen in Osteuropa.


Institut für Wirtschaftssoziologieder Fakultät für Wirtschafswissenschaften Forschungsschwerpunkt >node< new orientations for democracy in europe des BMBWK  
Mit dem Betriebsrat an der Hand nach Osteuropa?
Forschungsprojekte
Heidrun Huber (Redaktion) am 17. Januar 2007

Seit Beginn der 1990er Jahre investieren multinationale Unternehmen stark in mittel- und osteuropäische Länder (MOEL). Bringen sie neben Geld auch Gewerkschaften, Kollektivverträge oder Betriebsräte mit? Ein aktuelles >node< Forschungsprojekt des Instituts für Wirtschaftssoziologie untersucht die Markteffizienz und die Rechte von ArbeitnehmerInnen in MOEL-Ländern.

Tragen multinationale Unternehmen, die ihren Hauptsitz in Westeuropa haben, das europäische Sozialmodell Huckepack, wenn sie sich in Mittel- und Osteuropa niederlassen? Oder entscheiden sie sich vielleicht gerade deshalb für mittel- und osteuropäische Länder (MOEL), weil Gewerkschaften dort weniger zu sagen haben und Betriebsräte nicht gang und gäbe sind? Diesen Fragen gehen Mag. Sonja Strohmer und Mag. Vera Glassner unter der Leitung von O. Univ.-Prof. Mag. Dr. Franz Traxler - alle vom Institut für Wirtschaftssoziologie - im Projekt "Markteffizienz und ArbeitnehmerInnenmitspracherechte" nach. Kooperationspartner in dem >node<-Forschungsprojekt sind Mag. Manfred Krenn von der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA) und Dr. Guglielmo Meardi von der Warwick Business School in Großbritannien. Im Forschungsprogramm >node< (New Orientations for Democracy in Europe) des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur bearbeiten internationale Forschungsteams neue demokratiepolitische Fragestellungen für Europa.

Standortfaktor Arbeitsbeziehungen?

Die EU versucht, mit Förderprogrammen den "sozialen Dialog" auch in den MOEL-Ländern aufzubauen. Ausländische Direktinvestitionen westeuropäischer Unternehmen könnten diesen Prozess unterstützen. "Ziel unseres Projekts ist herauszufinden, unter welchen Bedingungen Unternehmen, die in diese Länder investieren, Mechanismen betrieblicher Mitbestimmung übertragen", sagt Sonja Strohmer. "Vorhandene Studien zeigen, dass es am ehesten zu Mischformen zwischen westeuropäischen und osteuropäischen Praxen kommt", hält Vera Glassner fest. Spannend ist dabei auch, ob die Rahmenbedingungen von Arbeitsbeziehungen neben anderen Standortfaktoren wie Unternehmenssteuern, Arbeitskosten und Marktwachstum einen wesentlichen Standortfaktor eines Landes darstellen.

Rationale Entscheidung

"Ich glaube nicht an die soziale Ader der Betriebe. Es ist aber nicht auszuschließen, dass Unternehmen durchaus einen Sinn in gut ausgeprägten ArbeitnehmerInnenrechten sehen", erklärt Sonja Strohmer. Nicht nur die ArbeitnehmerInnen profitieren von Kollektivverträgen und Betriebsräten. Wenn Löhne durch Kollektivverträge besser planbar sind und ein Betriebsrat etwa Entscheidungen gegenüber ArbeitnehmerInnen mitträgt, hat das Vorteile für Unternehmen. Insofern könnte es für Firmen vernünftig sein, sich Länder auszusuchen, in denen ArbeitnehmerInnenrechte institutionalisiert sind. Oder wird genau deshalb in den MOEL investiert, weil die Rechte der ArbeitnehmerInnen dort schlechter sind? Das analysiert das Team im ersten Teil seines Forschungsvorhabens anhand der Verteilung von Direktinvestitionen US-amerikanischer Unternehmen in Europa im Zeitraum von 1990 bis 2005. Klarerweise beeinflussen zahlreiche andere Standortfaktoren wie etwa die Besteuerung, die Lohnstückkosten, das Bildungsniveau, die Infrastruktur oder die politische und wirtschaftliche Stabilität das Ergebnis, aber deren Effekte werden in dem multivariaten Forschungsdesign durch Kontrollvariablen konstant gehalten.

Industrie vs. Dienstleistung

Im zweiten Teil des Projekts widmen sich die ForscherInnen der Übertragung von "westlichen" Praktiken wie Kollektivlohnverhandlungen. In je vier Unternehmen aus Österreich, Deutschland und Großbritannien interviewen sie GeschäftsführerInnen, PersonalmanagerInnen und BetriebsrätInnen, ebenso in den dazugehörigen Tochterunternehmen in den MOEL. "Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass wir uns den Gegensatz zwischen Dienstleistungs- und Industriesektor ansehen", erklärt Sonja Strohmer. Während die Industrieunternehmen vor allem durch die niedrigen Produktionskosten in den MOEL angelockt werden, bearbeiten Dienstleistungsunternehmen wie Banken den lokalen Markt und sind nur dem nationalen Wettbewerbsdruck ausgesetzt, so die  Jungwissenschafterin.

Sozialmodell quo vadis?

"Unser Projekt ist dann gelungen, wenn wir herausfinden, was die Verbesserungen von Mitspracherechten für ArbeitnehmerInnen oder Arbeitsbedingungen in einer globalisierten Welt fördert oder bremst", sagt Sonja Strohmer. Weiters erwartet sie sich auch Aufschluss darüber, ob es mit dem europäischen Sozialmodell, von dem Mitspracherechte ein Teilaspekt sind, angesichts der EU-Erweiterungen bergauf oder bergab geht. (hh)


Das zweieinhalbjährige Forschungsprojekt "Markteffizienz und Arbeitnehmermitspracherechte" startete im September 2006. Es wird im Rahmen des Forschungsprogramms >node< vom bm:bwk finanziert. Neben dem Institut für Wirtschaftssoziologie sind FORBA und die Warwick Business School (Großbritannien) beteiligt.

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