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Marlen Bidwell-Steiner, Leiterin des Referats Genderforschung, und Stefan Krammer vom Fachdidaktischen Zentrum Deutsch.


Den WissenschafterInnen ist es wichtig SchülerInnen anzusprechen, die sich in einem Alter befinden, wo sich Geschlechterrollen und -identitäten verfestigen.


Im Mittelpunkt des Projekts steht die Art und Weise, in der Klassenstrukturen dargestellt und inszeniert werden.


Referat Genderforschung, Studien- und Lehrwesen Fachdidaktisches Zentrum Deutsch, Institut für Germanistik Projekt "(Un)Doing Gender als gelebtes Unterrichtsprinzip" Curriculum der Projektwoche (16.-20. Februar 2009) - PDF    
Mit Genderidentitäten im Schulunterricht spielen
Wissenschaft, Forschungsprojekte
Heidrun Huber (Redaktion) am 16. Februar 2009

Die "Sparkling Science"-Projekte des Wissenschaftsministeriums setzen auf Mitarbeit von SchülerInnen in der Forschung. So auch das im Oktober 2008 gestartete Projekt "(Un)Doing Gender als gelebtes Unterrichtsprinzip". Das Ziel des Projekts ist es, ein Bewusstsein darüber herzustellen, in welcher Weise zwischen SchülerInnen, aber auch zwischen LehrerInnen und SchülerInnen täglich immer wieder "Geschlecht hergestellt wird", um in der Folge durch gezielte Interventionen Möglichkeiten zu entwickeln, wie sich Genderzuschreibungen stückweise umgestalten lassen.

Die SchülerInnen einer zehnten und zweier elften Schulstufen der Gymnasien Auf der Schmelz, Rahlgasse und des international business college (IBC) Hetzendorf sahen sich im Oktober 2008 mit folgender Frage konfrontiert: "Würdet ihr eure Klasse eher männlich oder eher weiblich beschreiben?"
Diese Frage signalisierte den Beginn einer Genderstudie, an der die Schulen im Rahmen des Deutschunterrichts teilnehmen. Die kleine Übung vergangenen Herbst gab nur einen ersten Geschmack auf die vielen Erfahrungen, mit denen sich die SchülerInnen in ihrer aktiven Einbeziehung in die Forschung im Laufe des Projekts auseinandersetzen werden.

"Mit der Genderthematik erreichen wir oft nur jene Leute, die bereits sensibilisiert sind", sagt Mag. Dr. Marlen Bidwell-Steiner, Leiterin des Referats Genderforschung, "daher war es für uns wichtig SchülerInnen anzusprechen, die sich in einem Alter befinden, wo sich Geschlechterrollen und -identitäten verfestigen." Das war der Anstoß zum einjährigen Projekt "(Un)Doing Gender als gelebtes Unterrichtsprinzip: Sprache - Politik - Performanz".

Genderstrukturen darstellen

LeiterInnen des "Sparkling Science"-Projekts sind Marlen Bidwell-Steiner und Mag. Dr. Stefan Krammer vom Fachdidaktischen Zentrum Deutsch am Institut für Germanistik. Wichtig bei der Auswahl des interdisziplinär besetzten, sechsköpfigen Forschungsteams war es, Gender-, Methoden- und Disziplinenkompetenzen wie Soziologie, Politologie, Literatur- und Theaterwissenschaft miteinander zu vereinen, da es in dem Projekt insbesondere darum geht, Sprache, Politik und Performanz zu berücksichtigen. Unter anderem werden SchülerInnen an einem "Action Research"-Tag dazu motiviert, mit Geschlechterrollen auf diesen verschiedenen Ebenen zu experimentieren.

Handeln ...

Dabei steht vor allem die Art und Weise im Mittelpunkt, in der Klassenstrukturen dargestellt und inszeniert werden. "Gender wird nicht nur auf der Ebene von Sprache verhandelt", sind sich die ProjektmitarbeiterInnen einig, "sondern eben auch im Bereich des Sozialen, also in bestimmten Interaktionsmomenten, wo es unterschiedliche Formen des Ausverhandelns gibt." Beim Nach-Spielen dieser Situationen lassen sich gewisse Handlungsmuster verdeutlichen, die im Anschluss diskutiert werden.

... und Reden

Das Projekt läuft in verschiedenen Modulen ab. Von Oktober bis November 2008 fand eine Phase der teilnehmenden Beobachtung statt: Die ProjektmitarbeiterInnen beobachteten den Deutschunterricht und nahmen unter anderem die Klassenstrukturen, Unterrichtsmaterialien und -methodik genderspezifisch unter die Lupe. Besonders Momente, wo Kategorien aufbrechen und Undoing Gender bemerkbar ist, sind für die WissenschafterInnen interessant. Beispielsweise kann in einer Klasse Technik auf diskursiver/sprachlicher Ebene als "männlich" gelten, obwohl sich gleichzeitig in derselben Klasse herausstellte, dass zwei, drei Mädchen einen Computer aufsetzen können - aber keiner der Burschen. Genderkategorien präsentieren sich demzufolge keineswegs stereotyp, sondern implizieren komplexe und vielschichtige Momente von Ausverhandlungen, die die WissenschafterInnen in ihren Protokollauswertungen gemeinsam diskutieren.

Projektgruppe und Klasse - viele Settings

Nach der teilnehmenden Beobachtung erhielten die SchülerInnen in Interviews die Möglichkeit, ihre Sichtweise darzulegen und ihre Meinungen zum Ausdruck zu bringen. Dieser erste Schritt, in der Forschung aktiv zu werden und die Beobachtung zu reflektieren, wird in der Folge im Rahmen des "Action Research"-Tages Ende Jänner weiter vertieft. In einem drei- bis vierstündigen Workshop erhalten die SchülerInnen Raum für genderspezifische, performative Interventionen, wobei nicht nur eigene Wahrnehmungen, sondern auch die Beobachtungen des Projektteams kritisch hinterfragt werden.

Der Fokus liegt dabei auf ausgewählten Szenen aus dem Schulalltag oder auch aus Soap-Operas, die sich aufgrund des Musters, das sie zeigen, besonders gut zur Problematisierung von Genderrollen eignen.

Projektwoche an der Universität Wien: Curriculum (PDF)

Schließlich haben die drei Klassen im Rahmen einer Projektwoche - von 16. bis 20. Februar 2009 - an der Universität Wien die Gelegenheit, den akademischen Raum nach Genderstrukturen zu befragen. Die SchülerInnen werden an diesen Tagen selbst zur Genderthematik forschen. So können sie ganz im Sinne des action research etwas Neues austesten und Erfahrungen sammeln. Dabei arbeiten die SchülerInnen Seite an Seite mit den Forschenden zusammen.

Neuer Input für Unterricht und Wissenschaft

"Ohne die Kooperation der engagierten DeutschlehrerInnen an den Schulen wäre das Projekt nicht möglich", betont Stefan Krammer. So werden in Zusammenarbeit mit den LehrerInnen, aber auch SchülerInnen, auf der Grundlage der teilnehmenden Beobachtung, des Action Research sowie der Projektwoche Materialien entwickelt, die im Unterricht weiter verwendet werden können. Nicht zuletzt bringt die innovative Herangehensweise ganz neue Impulse für die Gender Studies. Diese werden unter anderem im Rahmen einer Ringvorlesung an der Universität Wien vorgestellt. (hh)


Das Projekt "(Un)Doing Gender als gelebtes Unterrichtsprinzip: Sprache - Politik - Performanz" läuft von 1. Oktober 2008 bis 1. Oktober 2009 und wird vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung im Rahmen von "Sparkling Science" gefördert. Die ProjektmitarbeiterInnen sind Meri Disoski, Gini Müller, Elisabeth Schabus-Kant, Paul Scheibelhofer, Veronika Zangl und Sabine Zelger.

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