Logo der Uni Wien
Logo der Uni Wien

Archiv der Online-Zeitung

Archiv der Online-Zeitung der Universität Wien
  •   Home
  •   Forschung
  •   Wissenschaft &     Gesellschaft
  •   Studium & Lehre
  •   Professuren
  •   Personalia
  •   Service
  •   Dossiers
  •   UniBlicke

Institut für Ostasienwissenschaften, Abteilung Sinologie
Mongolei-Tage an der Universität Wien am 3. und 4. April
Veranstaltungen, Wissenschaft
Anna Kim (Redaktion) am  3. April 2006

Was haben Airag und Tögrög gemeinsam? Beides gibt es in der Mongolei: Für ein Glas Airag (vergorene Stutenmilch) muss man den einen oder anderen Tögrög zahlen; wenn man Glück hat und es sehr billig kommt, reichen auch ein paar Möngö. Woher die Wörter Tögrög und Möngö stammen, erfährt man möglicherweise während der Mongolei-Tage am 3. und 4. April an der Universität Wien - wenn die Mongolische Sprache und Schrift, die Geschichte und die Medizin im Mittelpunkt stehen.

Die Mongolei ist ein Land der Extreme: Sie besitzt den am südlichsten gelegenen Dauerfrostboden und mit der Gobi die nördlichste Wüste. Sie ist der am dünnsten besiedelte Staat der Welt. Sie war für Jahrhunderte ein Weltreich, das im 13. Jahrhundert bis nach Wiener Neustadt reichte. Und sie besitzt eine "Geheime Geschichte", die zwar heute noch immer geheimnisvoll, aber nicht mehr geheim ist. Dieses Geheimnis lüften die "Mongolei-Tage 2006 in Wien", die heute und morgen im Kleinen Festsaal und Senatssaal der Universität Wien stattfinden, anlässlich des 800-Jahr-Jubiläums der Mongolei. Veranstalter sind das Netzwerk Eurasia-Pacific Uninet und das Mongolei-Forum der Universität Wien.

Die "Geheime Geschichte"...

Die "Geheime Geschichte der Mongolei" ist eine Chronik der Sippe Dschingis Khans. Sie wurde nach dessen Tod 1227 verfasst und vermutlich auf dem mongolischen Reichstag (Kuriltai), den Ugedai Khan als Sohn und Nachfolger Dschingis Khans 1240 abhielt, vorgestellt. Der Verfasser ist zwar unbekannt, stammt aber wahrscheinlich aus dem Umfeld Ugedais. Geheim ist die Geschichte deshalb, weil sie lange Zeit nur der Herrscher-Sippe zugänglich war. Erst 1899 fand man in der Sammlung eines chinesischen Kaisers eine Transkription der "Geheimen Geschichte" im Chinesischen. Eine Rekonstruktion gelang erst 1940 dem Berliner Sinologen Erich Haenisch. Das Interessante an dieser "Geschichte" ist, dass Dschingis Khan nicht kritiklos als Held dargestellt wird. So erfährt man zum Beispiel, dass er Zeit seines Lebens Angst vor seiner Mutter und vor Hunden hatte.

...weniger geheim

Ein Teil des Symposiums widmet sich der "Geheimen Geschichte" und betrachtet sie aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Blickwinkeln. Historische, ethno-soziale und politische Aspekte spielen dabei ebenso eine Rolle wie literarische und linguistische Betrachtungsweisen. Außerdem wird die touristische Perspektive vor allem in Hinblick auf die wirtschaftliche Verwertbarkeit historischer Stätten in der Mongolei behandelt.

Traditionelle mongolische Schrift fast ausgestorben

Als weitere Schwerpunktthemen werden die mongolische Sprache und Schrift thematisiert und ihre Entwicklung innerhalb der zentralasiatischen Stämme, ihre regionale Verbreitung in Kasachstan, Kirgisistan und Sibirien erklärt. "Die traditionelle mongolische Schrift hat sich aus der uighurischen bzw. aus der Adaption der Phags-pa Schrift entwickelt", so Univ.-Prof. Dr. Brigitte Winklehner von der Universität Salzburg, Organisatorin und Leiterin des Eurasia-Pacific Uninet, gemeinsam mit dem Mongolei-Forum der Universität Wien Veranstalter des Symposiums. Die Uiguren, das größte Turkvolk im chinesischen Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang, wurden inzwischen in die Liste der bedrohten Völker aufgenommen. Das Phags-pa-Alphabet, 1269 von Dschinghis Khan als "Universalalphabet" für alle Sprachen des mongolischen Weltreiches bestellt, gibt es seit dem Untergang der Yuan-Dynastie 1368 fast nicht mehr. In der zur Volksrepublik China gehörenden Inneren Mongolei wird sie nach wie vor verwendet. Und auch in der Äußeren Mongolei wird sie seit 1984 an den Oberschulen wieder gelehrt - ohne jedoch das üblicherweise verwendete Kyrillisch zu ersetzen.

Traditionelle mongolische Medizin

Mit der tibetischen Medizin verwandt, hat die traditionelle mongolische Medizin vor allem durch die Übernahme des Lamaismus, einer Form des Buddhismus, immer mehr an Bedeutung gewonnen. Ältere mongolische medizinische Praktiken sind mit der tibetischen Medizintradition zur traditionellen mongolischen Medizin verschmolzen. "Das Wissen um diese Tradition ist jedoch auch für die heutige mongolische Schulmedizin von Interesse", meint Winklehner. Mit den Instituten für Pharmakognosie der Universitäten Wien und Graz sowie der Medizinischen Universität Wien laufen seit geraumer Zeit Forschungskooperationen mit mongolischen WissenschafterInnen. Im Zuge der Mongolei-Tage stellen diese Arbeitsgruppen ihre Forschungsschwerpunkte, wie etwa die Behandlung von Lebererkrankungen, vor. Außerdem wird die Erforschung von Heilpflanzen und das Gesundheitswesen in der Mongolei thematisiert. (ak)


Das Eurasia-Pacific Uninet ist ein Netzwerk, das österreichische Universitäten, Fachhochschulen und sonstige Bildungseinrichtungen mit Partnerinstitutionen in Ost- und Zentralasien sowie im Pazfischen Raum verbindet. Ao. Univ.-Prof. Dr. Richard Trappl vom Institut für Ostasienwissenschaften, Abteilung Sinologie ist Kuratoriumsmitglied des Eurasia-Pacifix Uninet an der Universität Wien.
Am Freitag, 31. März 2006, unterzeichneten Bildungsministerin Elisabeth Gehrer und ihr mongolischer Amtskollege Ulziisaikhan Enktuvshin ein Gleichwertigkeitsabkommen im Hochschulbereich zwischen Österreich und der Mongolei. Das Abkommen erleichtert den Studierenden die Anerkennung von Teilen ihres Studiums an den jeweiligen Gastuniversitäten.

Mongolei-Tage 2006 in Wien
Montag, 3. April und Dienstag, 4. April 2006
3. April 2006:
Die Geheime Geschichte der Mongolei (PDF)
9 bis 18 Uhr, Senatssaal der Universität Wien
4. April 2006:
Mongolische Sprache und Schrift (PDF)
9 bis 15 Uhr, Senatssaal der Universität Wien
Traditionelle Mongolische Medizin (PDF)
9 bis 16 Uhr, Kleiner Festsaal der Universität Wien

Kulturtipp:
Ausstellung "Dschingis Khan und seine Erben - Das Weltreich der Mongolen"
31. März bis 1. November 2006
Schloss Schallaburg

<< zurück zur Übersicht
 
Impressum Druckversion
Universitat Wien | Dr.-Karl-Lueger-Ring 1 | 1010 Wien | T +43-1-4277-0