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Der Meeresbiologe Michael Schagerl untersucht die Blaualge Arthrospira fusiformis.


Arthrospira: Das spiralförmige Cyanobakterium bevölkert die ostafrikanischen "Flamingoseen" ...


... und bildet die Nahrungsgrundlage für 90 Prozent der Weltpopulation an Zwergflamingos.


Michael Schagerl mit Kooperationspartner Steve Odour vor einem Geysir am Lake Elementaita.


Mit dem Schlauchboot werden vor Ort Algenproben entnommen.


Department für Meeresbiologie der Fakultät für Lebenswissenschaften Egerton University, Nairobi (Kenia)
Mysteriöses Algensterben bedroht Ökosystem
Forschungsprojekte
Bernadette Ralser (Redaktion) am  5. März 2008

Das Cyanobakterium Arthrospira fusiformis bevölkert die ostafrikanischen Sodaseen in extremer Dichte, färbt das Wasser spinatgrün und sichert das Überleben vieler vorkommender Arten. Unter anderem steht diese Blaualgenart ganz oben auf dem täglichen Speiseplan der an den Seen beheimateten Zwergflamingos. Nun kommt es jedoch immer wieder zu einem plötzlichen Algen-Massensterben: In einem neuen Projekt sucht der Meeresbiologe Michael Schagerl nach den Ursachen für dieses mysteriöse, das Ökosystem bedrohende Phänomen.

Die Soda- oder Natronseen im Ostafrikanischen Grabenbruch, die aufgrund der hohen Population an Zwergflamingos auch als "Flamingoseen" bekannt sind, haben keinen natürlichen Abfluss: Wasser verdunstet, und die darin gelösten Salze werden aufkonzentriert. Nur wenige Organismen können unter diesen Extrembedingungen überleben. Einer davon ist die Blaualge Arthrospira fusiformis: Dieses Cyanobakterium bildet die Grundlage für das gesamte Nahrungsnetz in und an den Seen.

Keine Algen - keine Flamingos

Nun kommt es immer wieder - unvorhersehbar und unerklärlich - in den Seen zu einem plötzlichen Zusammenbruch der Algenblüte: Die Algen sterben in Massen ab und die Flamingos müssen an einen anderen See ausweichen. "Sollte der Algenzusammenbruch einmal bei allen Seen gleichzeitig passieren, wäre das für die Flamingopopulation katastrophal, aber auch für alle anderen dort lebenden Organismen", sagt Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Michael Schagerl vom Department für Meeresbiologie.
In einem neuen FWF-Projekt untersucht der Meeresbiologe am Beispiel zweier kenianischer Flamingoseen die Steuerungsfaktoren für das Aufkommen und plötzliche Absterben der Alge.

Hypothese: Virenbefall

Michael Schagerl vermutet, dass Cyanophagen - Viren, die sich auf Blaualgen "spezialisiert" haben - für das Zusammenbrechen der Algengemeinschaft verantwortlich sind. Aber auch andere Faktoren wie spezielle Witterungsverhältnisse, Nährstoffangebot oder die Kombination verschiedener Umweltvariablen kommen in Frage.

"In einer eineinhalbjährigen Feldstudie in Kenia werden wir uns am Lake Bogoria und am Lake Nakuru potenzielle Steuerungsfaktoren genau anschauen", so Schagerl, der im Projekt drei NachwuchswissenschafterInnen beschäftigt und eng mit Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Peter Peduzzi vom Department für Limnologie und Hydrobotanik der Universität Wien und Dr. Steve Odour von der Egerton University in Kenia zusammenarbeitet: "Peter Peduzzi ist auf Viren in Gewässern spezialisiert und kümmert sich um die Analyse der Bakteriophagen. Mein kenianischer Kollege Oduor betreut die WissenschafterInnen vor Ort, die wöchentlich Proben entnehmen, Messungen durchführen und die Wetterstation überwachen." Ohne diese internationale Forschungskooperation wäre das Projekt nicht durchführbar.

Logistische Herausforderung

Denn die Untersuchung ist auch logistisch eine Herausforderung: "Man muss Boote und Fahrzeuge organisieren, Messgeräte von Österreich nach Kenia transportieren, Messstationen an den Seen einrichten und diese ständig warten. Deshalb sind wir auf unsere ProjektpartnerInnen in Kenia angewiesen", betont Schagerl, der selbst zu Beginn und im Laufe des Projekts regelmäßig nach Kenia fliegen wird: "Trotzdem gibt es immer wieder Hindernisse, etwa beim Gerätetransport: Der Cargo-Service am Flughafen in Nairobi ist für sich bereits ein Abenteuer und ohne einheimische Begleitung schwer durchschaubar."

Abenteuerliche Forschung

Eigentlich sollte die Feldstudie im kommenden März beginnen, aber aufgrund der derzeitigen Unruhen in Kenia steht der Abflugtermin noch nicht fest.  Schagerl ist jedenfalls schon auf Abenteuer eingestellt: "Das ist nicht jedermanns Sache, unter solchen auch körperlich belastenden Extrembedingungen zu forschen. Und dann die Organisation - was macht man zum Beispiel bei mehrtägigem Stromausfall? Die Analysen müssen trotzdem durchgeführt werden, da heißt es dann erfinderisch sein." Auch wissenschaftlich ist das Gebiet überaus spannend: Die Ökosysteme der Salzseen sind einmalig, aber größtenteils noch unerforscht. "Der Kontinent ist einfach faszinierend. Wen einmal das Afrika-Virus erwischt hat, den lässt es  nie wieder los." (br)

Das FWF-Projekt "Steuerfaktoren für das Auftreten von Arthrospira fusiformis" startete im Dezember 2007 und hat eine Laufzeit von drei Jahren.

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